Die Narren haben das Rathaus Hechingen übernommen. Dabei besang Werner Beck als Pizzabäcker Ciro die südländische Marktplatz-Zukunft. Das sind die Bilder
„Ciro, mach Amore mit mir!“ Den Kulthit der Mainzer Fassenacht brachte Werner Beck, der immer mehr zur Rampensau der Hechinger Fasnet wird, am Auseliga mit ins Hohenzollerische. Beim Hechinger Rathaussturm trat der Schnorchelhuaschter und Stadtrat – wie es der Tag verlangt – zwar im Gewand einer Alten auf. Innerlich war er jedoch der attraktive Pizzabäcker Ciro. Und als solcher besang er in herrlichstem Italo-Deutsch die wunderbar sonnige Zukunft des Hechinger Marktplatzes – und die vorm bürgermeisterlichen Amtssitz komplett versammelte Narrenschar sang und schunkelte glückselig mit: „Ciro, Ciro, Ciro!“
Da kam doch wenigstens ein bisschen südländisches Flair in Hechingens guter Stube auf. Weil das Wetter gar so mies war, hatte die Ober-Alte Carola Kunz zuvor ihre Rede gedrittelt. Die Vorfreude auf die neue Zollernstraße, das Wehklagen über das für viele Narrengruppen unnütz gewordene „Museum“, die närrische Schelte über den Sanierungsstau an öffentlichen Gebäuden und Anlagen – fast alles, was in ihrem Manuskript gestanden hatte, sparte sich die Rednerin.
Unausgesprochen blieb auch die freudige Erwartung des neuen Marktplatzes, der zur autofreien Zone werden soll – auch wenn Carola Kunz mit vielen Hechingern nur zu gern gefragt hätte: „Wo ist denn da Gastronomie, lieber Schultes, sag! Kein Wirt, der dir zapft, kein Schnitzel, kein Wein, dafür sitzt du auf Pop-up-Möbeln im Sonnenschein.“
Im Wirtshaus „Zum goldenen Paragrafen“
Weil die Gastro-Not in Hechingen gar so groß ist, ließ die Ober-Alte immerhin den „Riesenkracher“ des Tages nicht aus: „Wir machen das Rathaus zum Fasnetslokal/ mit Schankbetrieb im großen Schultes-Saal.“ Selbstbewusst kündigte sie an, wie die Narren die Stadtverwaltung auf Trab zu bringen gedenken: „Im Wirtshaus ,Zum goldenen Paragrafen‘ sitzen unsere Amtsschimmel nicht nur am Tisch, sondern sind wirklich am Schaffen.“ Philipp Hahn stehe da „mit’m Zapfhahn in der Hand/ als erster Ober-Schultes-Wirt im ganzen Land“.
Und jeder Fachbereich soll seine eigene Ecke bekommen: „’s Bauamt kriegt die ,Mörtel-Bar’, da gibt’s Beton-Misch-Getränke, des isch klar.“ Das Standesamt mache die „Kuschel-Ecke“ auf, „da kommt für Verliebte a extra Schlückle obendrauf“. Und: „Der Biergarten, des wird a Pracht, den hat sich unser Ordnungsamt ausgedacht! Die kontrollieret nicht die Parkuhr, sondern d’ Füllhöhe vom Glas/ wer zu schnell trinkt, kriegt a Knöllchen – was für a Spaß!“ Fazit der Ober-Alten: „Ein Wirtshaus im Rathaus, der Plan ist genial. Hechingen feiert, und zwar phänomenal.“
Die Original Hechinger Lumpenmusik, die Hudelgai-Bätscher, die Schorchelhuaschter und die Gugguba intonierten dazu den Schlager „Die kleine Kneipe“ – und abermals wurde fröhlich geschunkelt.
Schließlich ging Carola Kunz noch auf die bevorstehende Bürgermeisterwahl ein: Weil Kandidat Philipp Hahn laut eigener Aussage „richtig in die Pedale treten“ wolle, überreichte sie ihm ein dazu passendes Geschenk: ein Tretgerät „für unter den Tisch/ mit dem bleibst fit und rundum frisch“.
Hahn: „Wir sind ja nicht in Entenhausen“
Hahn wiederum fragte sich in seiner Gegenrede: „Ich wunder’ mich: Wie soll ich’s halten? Mit den abgehobenen Wünschen unserer Alten?“ Ob sie der Stadtrat gar erfüllen solle? Wobei: „Wir sind ja nicht in Entenhausen, wo man statt duschen tut mit Goldstaub sich abbrausen.“ Der Idee mit dem „Drei-Sterne-Ratsgasthaus“ hielt er entgegen: „Dorf und Stadt, das ist bekannt, dürfen so ja eigentlich nichts verdienen, sonst gibt’s bei den Wirten saure Mienen, auch das Finanzamt kommt dann gleich gerannt.“ Also wenn schon, dann müssten die Alten beim Wirten ehrenamtlich ran. Den Schlüssel für das Rats-Wirtshaus händigte der Hausherr der Ober-Alten dann so bereitwillig aus wie eh und je. Vielleicht in diesem Jahr sogar noch etwas bereitwilliger. Von seinen Amtsgeschäften närrisch befreit, kann sich Philipp Hahn bis Aschermittwoch vollumfänglich seinem Wahlkampf widmen.