Nach der Rodung der Büsche und Bäume rund um das Rathaus ist der Blick frei auf den Altbau aus dem Jahr 1904 und den Erweiterungsbau aus dem Jahr 1980, dessen Abriss auf Juli 2026 vorgezogen wird. Foto: Hans-Jürgen Eisenmann

Altbausanierungen bergen Risiken in sich, nun trifft es den Sitz der Trossinger Stadtverwaltung. Sämtliche Büros müssen nun geräumt werden.

Bisher war vorgesehen, zuerst innerhalb von sechs bis acht Monaten den Altbau zu sanieren, danach hätten dort wieder die Beamten und Angestellten einziehen sollen, während in einem zweiten Bauabschnitt das mit ihm verbundene modernere Verwaltungsgebäude abgerissen und wieder aufgebaut würde.

 

Doch die Untersuchungen in den nun leeren Büros und Räumen des Altbaus ergaben mehr Mängel als angenommen. Die Sanierung wird aufwendiger und dauert länger, der Zeitplan kann nicht mehr eingehalten werden.

Auf Vorschlag von Bürgermeisterin Susanne Irion beschloss der Gemeinderat nun, dass das gesamte Rathaus geräumt wird. Damit verkürzt sich die gesamte Bauzeit um rund zwei Jahre.

Ein Teil der Büros ist ohnehin seit September in angemieteten Räumen in der Stadtmitte untergebracht: das Bürgerbüro, die Sozialverwaltung und das Sozialbüro im ehemaligen NKD-Gebäude am Marktplatz; Vermögensverwaltung, Finanzverwaltung, Stadtkasse und die Gebäudemanagement in der Butschstraße 2. Doch wenn auch die übrigen Mitarbeiter ihre Büros räumen müssen, weil die Sanierung des Altbaus, der Abbruch des 80er-Jahre-Anbaus und der Neubau gleichzeitig durchgeführt werden, sollen keine Räume angemietet werden.

Mietfreie Lösung

„Wir bevorzugen eine mietfreie Lösung“, kündigte Bürgermeisterin Susanne Irion an. Mehr wollte die Rathauschefin nicht sagen. Besonders in den Brandschutz muss bei der Übergangslösung noch investiert werden. In Frage kommt ein Gebäude, das der Stadt gehört, beispielsweise das ehemalige Altenheim Dr.-Karl-Hohner-Heim, das von 2015 bis 2025 vom Landkreis als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde. Inzwischen steht das Gebäude, das der Stadt gehört, leer, der Landkreis hat keinen Bedarf mehr, weil die Flüchtlingszahlen zurückgegangen sind.

Die Entscheidung, den Abriss und Neubau vorzuziehen, spart Kosten: Bürgermeisterin Susanne Irion rechnet so: Für jedes Jahr bis zum geplanten Beginn des Neubaus müsste man mit fünf Prozent Baukostensteigerung rechnen, macht insgesamt 2,1 Millionen Euro Ersparnis aus, wenn schon diesen Herbst begonnen wird. Das Gesamtprojekt soll 30,2 Millionen Euro kosten, nach Abzug der Zuschüsse nur noch 21,2 Millionen.

Interimslösung deutlich geringer in den Kosten

Auch Architekt Alexander Haller vom Bauamt der Stadt bestätigte: „Die Kosten für die Interimslösung werden deutlich geringer eingeschätzt“ als die Einsparungen durch den früheren Baubeginn. Erst nach dem Auszug der Mitarbeiter aus dem Altbau konnten Decken und Böden geöffnet und die Bausubstanz richtig untersucht werden.

Warum wurden die bisherigen Pläne über den Haufen geworfen? Es zeichnete sich ab, dass beim Altbau größere Eingriffe in die Bausubstanz nötig sind. „Es wird schwieriger und umfangreicher, als wir es uns vorgestellt haben“, so die Bürgermeisterin im Gemeinderat. Insbesondere betreffen die zusätzlichen Arbeiten den Brandschutz, die notwendige Unterfangung der Nordfassade des historischen Rathauses im Bereich des Anschlusses zum neuen Erweiterungsbau und Abstimmungen mit dem Landesamt für Denkmalschutz.

Umfangreich Absprachen

Bürgermeisterin Susanne Irion sprach davon, dass sich die Gesamtbauzeit um mindestens zwei Jahre verlängern würde, wenn der bisherige Bauzeitenplan (zuerst Sanierung des Altbaus und dann Neubau des Erweiterungsbaus) durchgezogen würde. Denn aufgrund der nun nötigen weiteren Absprachen mit dem Denkmalschutz, den Architekten und Handwerkern kann im Altbau frühestens im Herbst 2026 mit der Sanierung begonnen werden.

Nach den neuen Plänen soll nun der Abriss des Anbaus im Juli 2026 erfolgen, mit dem Neubau könnte im Oktober, sodass die neuen Räume schon Ende 2028 zur Verfügung stehen könnten. Parallel dazu läuft die Altbausanierung. Vorgezogen wird die Fassadensanierung am Altbau, sie beginnt schon diesen Sommer.

„Nach aktuellem Sachstand ist es aber am vernünftigsten, hier (aus dem Rathaus) auszuziehen und gleichzeitig zu sanieren und neu zu bauen.“ Die Fassade des neuen Anbaus werde mit Klinkersteinen gestaltet, kündigte Architekt Alexander Haller vom Stadtbauamt an; die Fensterfassade werde durch hervorstehende Lamellen strukturiert. Beim Sonnenschutz setze man auf Textilrollos vor den Fenstern.

Weitere Details des Materialkonzepts wurden bekannt: so sollen die Wände im Neubau innen in Sichtbetonbauweise (kein Verputz, man sieht den reinen Beton) erstellt werden.

Stadtrat Gustav Betzler (Freie Wähler) stellte deshalb die rhetorische Frage „Ist Sichtbeton schön?“, wohl wissend, dass ihm niemand eine Antwort geben würde. Die Decken im Neubau werden als Akustikdecken mit schallschluckendem Gipskarton gestaltet, die Böden erhalten einen Linoleumbelag, in den Sitzungssaal kommt ein langlebiger Terrazzoboden. Der Gemeinderat billigte (bei einer Enthaltung durch Thomas Herrmann, SPD), das neue Bauzeitenkonzept und beauftragte die Stadtverwaltung.