Braucht es einen Projektsteuerer für die Rathaussanierung, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen? Die CDU-Fraktion im St. Georgener Gemeinderat meint: möglicherweise ja – und hat beantragt, das zu prüfen. Für die Stadtverwaltung ist die Sache klar.
Der Flughafen Berlin, Stuttgart 21, die Elbphilharmonie – Großprojekte schaffen es immer wieder negativ in die Schlagzeilen. Nicht nur, weil sie sich viel länger hinziehen als ursprünglich geplant. Sondern auch, weil die Kosten in immer größere Höhen steigen.
Auch wenn die Sanierung des St. Georgener Rathauses längst nicht in derselben Größenordnung spielt, macht sich die CDU-Fraktion im Gemeinderat dennoch Sorgen um die Kosten. Denn für die Stadt ist die millionenschwere Rathaussanierung ein Mammutprojekt. Die Befürchtung der CDU-Fraktion: Die Kosten könnten aus dem Ruder laufen. Daher beantragten die Räte, dass die Einschaltung eines Projektsteuerers geprüft wird. Nun entscheidet der Gemeinderat.
Der Antrag der CDU
Bereits in der November-Sitzung, in welcher der offizielle Startschuss für die Rathaussanierung fiel, als der Gemeinderat beschloss, den entsprechenden Bauantrag einzureichen, brachte die CDU ihren Antrag ein. Die Forderung: Die Stadtverwaltung solle eruieren, inwiefern die Beauftragung eines Projektsteuerers vorteilhaft sein könnte – unter Abwägung der Vorteile und der zusätzlichen Kosten. Dann, heißt es im Antrag weiter, solle der Gemeinderat darüber beschließen, „ob ein Projektsteurer für dieses Großprojekt eingeschaltet werden soll“.
Die CDU-Fraktion hat Sorgen, was die Kosten der Rathaussanierung angeht. Denn das Projekt beinhalte zahlreiche Positionen, bei denen die Kosten wesentlich steigen könnten. „Die letzten Sitzungen und Klausurtagungen zu diesem Projekt haben uns stark verunsichert, ob die vorliegenden Kostenplanungen eingehalten werden können, und unsere Sorgen erhöht, dass wesentliche Kostenüberschreitungen zu befürchten sind“, heißt es in dem Antrag der Fraktion.
Ein Projektsteuerer soll unter anderem für eine strikte Kostenkontrolle sorgen. Zudem soll dieser das städtische Bauamt entlasten, das bereits mit vielen anderen Baumaßnahmen eingespannt und „an seiner Belastungsgrenze angelangt“ sei.
„Wir stehen voll hinter dem Projekt“, betont die CDU-Fraktion in ihrem Antrag. Dennoch müsse man alles Zumutbare tun, um die Stadt und alle St. Georgener vor „wesentlichen unkalkulierbaren Mehrkosten zu schützen“. Auch die Stadt Lörrach habe für ihre Rathaussanierung einen Projektsteuerer eingesetzt, ebenso wie die Stadt Freiburg für das Stühlinger Rathaus, argumentiert die CDU-Fraktion.
Die Sicht der Verwaltung
Die Frage eines Projektmanagements werde bei Projekten im mehrstelligen Millionenbereich immer öfter aufgeworfen, heißt es in der Sitzungsvorlage für den Gemeinderat, in welcher die Stadtverwaltung Stellung zum CDU-Antrag nimmt.
Der Schwerpunkt der Projektsteuerung und deren großer Mehrwert liege in der Anfangsphase des Projekts, schildert die Stadtverwaltung. Denn die Entwicklung der Kosten finde immer in den ersten fünf von insgesamt neun Leistungsphase statt. Die St. Georgener Rathaussanierung befindet sich nach Angaben der Stadtverwaltung bereits in den Leistungsphasen sechs und sieben. In den ersten fünf Leistungsphasen habe unter anderem Willi Sutter, der das Projekt begleitet, die Aufgaben eines Projektsteuerers wahrgenommen – „ohne dass diese speziell vergütet werden mussten“.
Eine externe Projektsteuerung würde in der Regel etwa drei bis fünf Prozent der Bausumme kosten, schildert die Stadtverwaltung. „Bei diesem Projekt sprechen wir daher von mindestens 900 000 Euro. Da die Planungen für die Sanierung bereits ziemlich weit fortgeschritten seien, werde ein Projektsteuerer „nicht mehr allzu viel Einfluss darauf haben, wie sich die Kosten bei der Baumaßnahme entwickeln“. Denn auch dieser könne „nicht hinter die verschlossenen Wände sehen und Maßnahmen vermeiden, die dadurch unnötige Kosten produzieren“, argumentiert die Stadtverwaltung, die deshalb empfiehlt, ohne einen externen Projektsteuerer weiterzuarbeiten.
Die Entscheidung
Das letzte Wort in der Sache hat der Gemeinderat in seiner Sitzung an diesem Mittwoch, 19. Februar. Diese beginnt um 17.30 Uhr im Bürgersaal des Roten Löwen. Zudem geht es um Vergaben für die Sanierungen von Rathaus und Robert-Gerwig-Schule. Bereits ab 16.30 Uhr tagt der Technische Ausschuss im Seminarraum im Roten Löwen.