Heiko Stieringer trat 2018 (Archivbild) zum ersten Mal in Höfen an. Jetzt bewirbt er sich um eine weitere Amtszeit. Foto: Bernd Mutschler

Die Belastungen für Bürgermeister sind immens. Heiko Stieringer weiß das aus eigener Erfahrung. Warum er trotzdem wieder antritt und was sein monatelanger Ausfall verändert hat.

Bürgermeister zu sein, ist kein leichter Job. Gerade in Zeiten klammer Gemeindekassen. Zu der Verantwortung, die man für eine gesamte Kommune und damit oft für Tausende Einwohner trägt, kommen Termine am Abend und am Wochenende. Wer im selben Ort wohnt, ist sowieso „immer im Dienst“, auch wenn er – oder sie – eigentlich nur mit der Familie einkaufen geht oder Ähnliches.

 

Bei dem Job ist wohl eher die 60-Stunden-Woche die Regel als die 35-Stunden-Woche. Besuche auf Veranstaltungen werden dabei oft gar nicht mal gerechnet. Da erscheint es nur logisch, dass das so manchen Amtsinhaber so stark belastet, dass er entweder krank wird und monatelang ausfällt oder vorher die Reißleine zieht und den Rücktritt ankündigt.

Ausfälle und vorzeitige Rücktritte unter Bürgermeistern

Beispiele hierfür sind etwa die Bürgermeister Roberto Chiari aus Bad Liebenzell oder Matthias Leyn aus Schömberg. Bundesweit für Schlagzeilen sorgt sogar der Fall des Baden-Badener Oberbürgermeisters Dietmar Späth.

Am 14. beziehungsweise 28. Juni 2026 wählt auch die Gemeinde Höfen wieder ihren Bürgermeister. Und der aktuelle Amtsinhaber Heiko Stieringer hat angekündigt, wieder antreten zu wollen. Im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert er die Gründe dafür, blickt zurück auf die vergangenen Jahre – und voraus auf Projekte, die er in Höfen in den kommenden Jahren anstoßen möchte.

Höfener Bürgermeister: Arbeit zum Wohl der Gemeinschaft

Ein Bürgermeister müsse „zum Wohle der Gemeinschaft“ arbeiten, findet Stieringer und ist sich deshalb auch über eines im Klaren: „Der Bürgermeister kann es nicht immer jedem recht machen.“ Wichtig sei es, dass der Mehrheit geholfen sei. Stieringer findet es „nicht fair, wenn Bürgermeister privat angegangen werden. Wir sind auch bloß Menschen und nicht die Prügelknaben der Nation.“

Deshalb hat er auch Verständnis für Kollegen wie Chiari oder Leyn. „Irgendwann ist für den Einzelnen das Fass voll, dann geht’s halt nicht mehr“, sagt er. Und er blickt dabei auch auf seine eigene Zeit zurück. Auch Stieringer ist für „ein Vierteljahr ausgefallen“. Freimütig berichtet er darüber, dass sein Arzt ihn gefragt habe, ob er Stress habe und welchen Beruf er ausübe. Als seine Antwort schlicht „Bürgermeister“ lautete, war die lakonische Antwort: „Dann wissen Sie, wo es herkommt.“

Nicht alles persönlich nehmen

In seiner Therapie habe er dann vermittelt bekommen: „Nicht alles persönlich nehmen, sondern auch mal was im Büro lassen.“ Das versucht er seither einzuhalten. Seit seiner Krankheit nutze er auch die elektronische Zeiterfassung. Wochenend- oder Abendtermine rechne er aber „gar nicht“ dazu. Dabei stellt er klar: „Schaffen macht mir nichts aus.“ Wichtig sei es aber, auf Privatleben und Gesundheit zu achten. Deshalb nimmt er sich auch bewusst Freiräume, etwa zum Fitnesstraining zur Gesunderhaltung.

Bei dieser Belastung müsse Jeder individuell entscheiden, ob er mit der Thematik umgehen kann.

Konstruktive Zusammenarbeit mit Gemeinderat

Deshalb könne er auch den Schömberger Bürgermeister Leyn verstehen. Auch wenn er die Entscheidung zu dessen Rücktritt sehr bedauere, weil beide sehr positiv zusammengearbeitet hätten, „respektiere und akzeptiere“ er die Entscheidung. Er selbst habe „schon etwas umgestellt und ist sich deshalb auch sicher: „Ich fühle mich stark genug, das auszuhalten.“

Dabei helfe auch „die jetzt konstruktive Zusammenarbeit mit dem neuen Gemeinderat“. Das Gremium, das seit der Kommunalwahl 2024 neu zusammengesetzt ist, habe „gute Ideen“, und man könne nach vorne schauen. Er betont, dass es in diesem Gremium nicht um Einzelne, sondern um die Gemeinde gehe.

In erster Amtszeit „einiges bewegt“

In seiner ersten Amtszeit habe man etwa fünf Millionen Fördergelder generieren können und „trotz Corona einiges bewegt“. Er sei angetreten und quasi „von Krise zu Krise gestolpert“. Aber trotz Corona oder Ukraine-Krieg habe man „die Aufgaben gut bewältigt bekommen“.

Ein Beispiel dafür sei die Fertigstellung der Enzauenhalle, „ein Megaprojekt, so was wird nicht gleich wieder kommen“. Mithilfe des Sanierungsprogramms seien die Brücken saniert worden und auch der Kreisverkehr sei gebaut worden. Dafür habe er viel „Prügel eingesteckt“, die habe er aber „gerne genommen“.

Ein großes Projekt in Höfen ist der Glasfaserausbau. Foto: Bernd Mutschler

Ganz aktuell nennt Stieringer die abgeschlossene Sanierung des Rathauses und den Glasfaserausbau als weiteres großes Projekt, das sich jetzt in der Endphase befindet und bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Der Bürgermeister erwähnt auch das neue Seniorenheim, für das die Gemeinde einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan erstellt habe. „Das sind für Höfen schon große Maßnahmen, die wir gut hingekriegt haben und die wichtig für den Ort sind“, so der Bürgermeister. Das werde auch von außen gesehen, freut er sich.

Viele Projekte für die Zukunft

Auch in einer möglichen zweiten Amtszeit werde es „nicht langweilig“. Zum Beispiel werde man über eine neue Kindergartengruppe nachdenken müssen. Bei der Fortschreibung der Kinderzahlen bis 2028 liege man bei 78 oder 79 Kindern in Summe und damit zehn bis 13 über Plan. Deshalb plant die Gemeinde im Förteltal einen naturnahen Kindergarten auf dem ehemaligen Bienenstand.

Zudem müssten einige Straßen saniert werden, etwa die Schönklingstraße. Die ist Teil des Enztalradwegs und könnte in eine Radstraße umgebaut werden, in der der Autoverkehr untergeordnet und Radfahrer und Fußgänger bevorzugt sind.

Neues Feuerwehr-Magazin für Höfen

Auch in der nächsten Amtszeit will Stieringer ein neues Feuerwehr-Magazin angehen. Das ist „in die Jahre gekommen“ und es gibt Mängel bei Absauganlage, Schwarz-Weiß-Trennung oder der Trennung von Männern und Frauen. Zudem seien die Garagen zu eng.

Ein Großprojekt im kommenden Jahr ist zudem die 650-Jahr-Feier der Gemeinde. Da soll es zwei Feierschwerpunkte geben: vom 24. bis 26. Juli mit offiziellem Festakt bei der Enzauenhalle und von 14. bis 16. August im Kurpark mit Foodtrucks, Licht-Feuer-Show und mehr. Wenn es nach Stieringer geht, gerne weiter mit ihm als Bürgermeister.