Lange wurde diskutiert und spekuliert, wie es mit dem Gebäude weitergehen wird. Eine Sanierung? Oder doch der Neubau? Nun ist die Katze aus dem Sack: Das St. Georgener Rathaus wird saniert. Das sind die acht wichtigsten Punkte zu dem Thema.
So dicht wie am Mittwochabend waren die Zuhörerreihen bei einer Sitzung des Gemeinderats in der Stadthalle selten besetzt. Und das kam nicht von ungefähr: Auf der Tagesordnung stand nur ein Punkt, die Zukunft des St. Georgener Rathauses und damit „der bedeutendste Beschluss für dieses Jahr“, wie Alexander Tröndle, Leiter des städtischen Bauamts in der Sitzung sagte. Nun hat sich der Gemeinderat einstimmig für eine Sanierung des Gebäudes ausgesprochen – und damit gegen den Neubau und auch gegen einen Teilabriss. Damit ist der Grundstein für „das maßgebliche Projekt in der Innenstadt“ gelegt, erklärte Bürgermeister Michael Rieger.
1 Die Ausgangssituation Am Rathaus bestehe „dringendster Handlungsbedarf“, betonte Bürgermeister Rieger gleich zu Beginn der Sitzung. „50 Jahre haben dem Gebäude zugesetzt.“ Von abenteuerlichen Zuständen wurde in der Sitzung berichtet: unter anderem von Wasser, das auf der Steckdose läuft. Und auch von außen macht das Rathaus keinen guten Eindruck. Noch desolater wird das Bild des Gebäudes, wenn es um die energetische Situation und die Dämmung geht, wie Rieger anhand einer Wärmebildaufnahme des Rathauses zeigte. Das Gebäude „heizt eigentlich die Umwelt“, kommentierte Willi Sutter vom Planungsbüro Sutter3.
Die Zukunft des Rathauses steht in St. Georgen schon lange zur Diskussion: Vor 15 Jahren sei das Rathaus in seinem Wahlkampf „mindestens bei jedem Zweiten ein Thema“ gewesen, blickte Rieger zurück. Bei dem 2014 zu Ende gegangenen Ideenwettbewerb wurde einem Entwurf, der die Sanierung des Rathauses vorsah, die Siegerkrone aufgesetzt. 2017 sprach sich das Gremium dann fast vollständig für einen Abriss und Neubau des Rathauses aus. Nun geht es wieder zurück zur Ausgangsidee.
2 Das Vision Die Idee ist klar: „Das Rathaus ist nicht nur ein klassischer Verwaltungsbau, in dem der Gemeinderat tagt, sondern auch ein Ort der Begegnung, ein Treffpunkt zum Austausch, ein Ort, an dem sich Bürger einbringen können.“ Das Gebäude soll nach seiner Sanierung nicht nur optisch aufgewertet sein, sondern auch ein Frequenzbringer oder „Magnet“, wie Céline Würtz vom Büro Sutter3 sagte, für die Innenstadt werden.
Darüber hinaus geht es bei der Sanierung um die energetische Ertüchtigung des Rathauses: Die Energieeffizienz solle deutlich verbessert werden, meinte Würtz, „was ehrlich gesagt auch nicht so schwer ist“. Es sind Verbesserungen an der Hülle des Rathauses geplant, während die tragende Konstruktion größtenteils unberührt bleibt. Die neue Hülle besteht aus vorgefertigten Holzfassadenteilen, auf denen hellgraue Photovoltaikmodule befestigt werden. Zusätzlich werden Photovoltaikpaneele auf den Dächern des Rathauses aufgestellt. Zudem sind sechs Erdwärme-Bohrungen geplant.
3 Das Konzept Vorgesehen ist eine neue Nutzung der Rathausräume: Im Erdgeschoss soll der Eingangsbereich offener und heller werden. Das Bürgerbüro wird direkt neben dem Eingang geplant; auch die Tourist-Info – diese wird in Zukunft nur noch eine interaktive, 24 Stunden am Tag geöffnete Säule sein – wird man in diesem Bereich finden. Auch die Stadtbibliothek wandert ins Rathaus; sie ist dann im unteren Teil des Erdgeschosses zu finden und öffnet sich nach Süden zu einer Terrasse. Ein Multifunktionsraum ergänzt die Bücherei und kann auch von Privatpersonen angemietet werden.
Im Zwischengeschoss entsteht an der derzeitigen Stelle des Bürgermeisterbüros ein Raum, den etwa Vereine anmieten können. Der große Sitzungssaal bleibt in seiner aktuellen Form erhalten; die Nebenräume werden überarbeitet. Die Büros und das Trauzimmer bleiben im ersten Obergeschoss. Auch im zweiten bis vierten Obergeschoss, wo vornehmlich Büros untergebracht sind, ändert sich nicht viel.
Im fünften Obergeschoss findet sich im sanierten Rathaus das Büro des Bürgermeisters mit Vorzimmer sowie mehrere Besprechungsräume, ein Pausenraum und ein Ruheraum. Die ehemalige Hausmeisterwohnung fällt weg. Saniert wird auch die Tiefgarage, wo weiterhin 53 Stellplätze zur Verfügung stehen werden.
Grundsätzlich sollen bei der Sanierung so viele vorhandene Bauteile wie möglich genutzt werden: Man würde also nur auswechseln, was notwendig ist und das Rathaus trotzdem auf einen völlig neuen Stand bringen, erklärte Sutter.
4 Die Alternativen Analysiert hat das Büro Sutter neben der Vollsanierung des Rathauses auch den vollständigen Abriss und Neubau des Rathauses sowie einen Teilabriss des Rathauses und die Sanierung des verbleibenden Teils.
5 Die Gründe für die Entscheidung Bei der Entscheidung zwischen Neubau und Sanierung spielen unter anderem klimatische Aspekte eine große Rolle, wie in der Sitzung deutlich wurde: Nicht nur, dass der Abriss des Rathauses in der Innenstadt über längere Zeit für Lärm und Staub sorgen würde – ein Neubau würde womöglich auch deutlich mehr Energie verschlingen als die Sanierung, erläuterte Sutter den Räten. Aber auch das Geld spielt selbstredend eine Rolle.
6 Die Kosten „Wir schauen sehr aufs Geld“, versicherte Rieger. Man könne sich als Stadt die Sanierung auch leisten, „wenn wir die Förderungen entsprechend abrufen“. Denn für die Sanierung des Rathauses will St. Georgen nicht nur KFW-Mittel abrufen, sondern auch eine Städtebauförderung. Bis zu 85 Prozent der Kosten für die Rathaussanierung wird das Land voraussichtlich fördern – und zwar mit einem Anteil von 60 Prozent. Die gesamten Baukosten für die Sanierung von Rathaus und Tiefgarage schätzt das Büro Sutter3 auf knapp 22 Millionen Euro.
7 Die Meinungen der Fraktionen im Gemeinderat Die Fraktionen äußerten sich in der Sitzung positiv zu den Plänen. Karola Erchinger (Freie Wähler) sah das Rathaus trotz vieler anderer wichtiger Entscheidungen in ihrer Zeit im Gemeinderat als „ein Leuchtturmprojekt“. Auch sie sei noch vor wenigen Jahren mit vielen anderen in der „Abriss-Fraktion“ gewesen. „Aber heute bin ich hundertprozentig davon überzeugt, dass wir jetzt auf dem richtigen Weg sind.“
Auch Oliver Freischlader (SPD) freute sich über die Entscheidung zur Rathaussanierung: „Als ich 1999 nach St. Georgen kam, war das Rathaus schon hässlich“ – nun werde sich das endlich ändern.
Constantin Papst (CDU) sah die Stadt ebenfalls auf dem richtigen Weg. „Es hat sich gezeigt, dass alle anderen Lösungen finanziell und ökologisch nicht vertretbar sind.“ Er betonte auch, wie wichtig es sei, das Rathaus zu bewahren – auch als Zeichen der damaligen Zeit und der Entwicklung St. Georgens.
Jochen Bäsch (FDP) betrachtete die Sanierung ebenfalls positiv. Er hatte sich 2017 als einziger Rat gegen den Abriss des Rathauses ausgesprochen und damals die Idee eines Teilabrisses eingebracht. Aber auch er ließ sich umstimmen: „Es ist nach wie vor ein tolles Rathaus“, sagte er – gerade mit Blick auf die Innengestaltung.
Dirk Schmider (Grüne Liste) sicherte die Unterstützung der Fraktion zu. „Wir sehen aber im Wärmekonzept noch Verbesserungspotenzial. Im aktuellen Entwurf findet sich eine Insellösung nur für das Rathaus.“ Die Grüne Liste würde lieber eine Anbindung an das innerstädtische Nahwärmenetz und ein Betrieb desselben mit regenerativen Energien sehen.
8 Die nächsten Schritte Wie Tröndle erläuterte, wird die Verwaltung sich nun auf die Suche nach einem Architekturbüro und nach Planungsbüros machen. Diese Arbeiten müssen europaweit ausgeschrieben werden. Noch vor der Sommerpause will der Bauamtsleiter zumindest den Architekten im Gemeinderat vorstellen. Innerhalb des ersten Halbjahr 2024 soll ein Bauantrag gestellt werden. Im Laufe des Jahres 2024 werden voraussichtlich die Gewerke ausgeschrieben. Spätestens Anfang 2025 will man mit den Bauarbeiten beginnen – also in nahtlosem Anschluss an die Marktplatzsanierung.