Das jetzige Rathaus ist zu eng und zudem sanierungsbedürftig – über seine Zukunft muss nachgedacht werden. Foto: Gegenheimer

Der Dobler Verwaltungssitz soll sich künftig wieder im Kurhaus befinden. Da sind sich jetzt die Gemeinderäte einig.

Die Würfel sind gefallen: Die Dobler Verwaltung wird „rück-umziehen“ ins Kurhaus, das bis 1987 schon einmal Rathaus war. Der Beschluss des Gemeinderats am Dienstagabend war einstimmig.

 

Grundsatzentscheidung Hintergrund ist der gestellte Antrag für ein Sanierungsgebiet „Ortsmitte II“. Ministerium und Regierungspräsidium hätten dazu die Erwartung geäußert, dass bis zur –hoffentlich erfolgenden – Genehmigung entschieden ist, an welchem Standort sich künftig der Verwaltungssitz befinden soll. Und damit eben auch, welches Gebäude jetzt saniert wird.

Rathaus oder Kurhaus? Dass sowohl das jetzige Rathaus als auch das Kurhaus Sanierungsbedarf haben, steht außer Frage. Seit 2019 beschäftigen sich Verwaltung und Gemeinderat mit dem Sachverhalt, verschiedene Szenarien wurden durchgespielt.

Gemeinsame Klausur

Im Februar hatte es eine gemeinsame Klausur von Verwaltung und Gemeinderat gegeben. In der Bürgerinformation Mitte März konnten sich interessierte Bürger nicht nur über die Historie, Machbarkeitsstudien und Architektenpläne für beide Varianten informieren, sondern auch Meinung und Vorschläge einbringen.

Foto: Gegenheimer

Denkmalschutz Bauamtsleiter Jürgen Gall fasste die Planungsvarianten noch einmal zusammen: zum einen jene für eine Sanierung des jetzigen Rathauses und ehemaligen Pfarrhauses, das zur Deckung des erweiterten Raumbedarfs im Osten einen dreigeschossigen Anbau erhalten könnte, einen Innenaufzug sowie optional im ersten Obergeschoss einen barrierefreien Übergang zur Pfarrscheuer. Alles unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes. Zum anderen jene für das Kurhaus, ebenfalls mit Innenaufzug, Beibehaltung der Kurverwaltung und Nutzung der kompletten Räumlichkeiten im ersten und auch jener im „Turm“ im zweiten Obergeschoss. Gall machte klar: Wird diese Variante gewählt, gehört die dringend erforderliche Sanierung des Kursaals dazu.

Kosten Die Kosten für Variante A ohne Brücke zur Pfarrscheuer lägen grob bei etwa 3,6 Millionen Euro.

Abzüglich Zuschüsse aus Landessanierungsprogramm und Ausgleichsstock verblieben bei der Kommune etwa 855 000 Euro. Zuzüglich Brücke lägen die Gesamtkosten bei etwa 4,2 Millionen Euro, abzüglich der Zuschüsse bei gut einer Million für die Gemeinde Dobel.

Gunst der Stunde

Die Kosten für Variante B, Kurhaus ohne Kursaal, lägen bei knapp 3,5 Millionen Euro. Einschließlich Kursaal und Küche bei knapp 5,2 Millionen Euro.

Davon jeweils die Zuschüsse abgezogen, blieben bei der Gemeinde etwa 853 000 Euro beziehungsweise samt Küche und Kursaal 1,27 Millionen Euro. Gall machte klar: Ohne Zuschüsse sei nichts davon zu stemmen. Daher müsse man jetzt die Gunst der Stunde nutzen.

Tendenz Die Tendenz zur Kurhaus-Variante hatte sich bei den Gemeinderäten schon einige Zeit entwickelt, was in der Diskussion zutage trat, wo sowohl Sabine Nobel (FuD) als auch Sebastian Stattaus (PD) sich klar dafür aussprachen.

Rechtzeitig Gespräche führen

Tobias Neubauer (FuD) freute sich, dass im Gremium „ein Umdenken hin zu dieser Variante“ stattgefunden habe. Martina Naumann (PD) mahnte an, rechtzeitig mit jenen ins Gespräch zu gehen, die dann ihr Domizil räumen müssten – also Vereine, vor allem aber auch die Jugend im Jugendraum. Reimund Ruff (PD) gab zu bedenken, dass zuallererst die Förderung wirklich genehmigt werden muss.

Ungewisse Zukunft Bürgermeister Christoph Schaack betonte, dass auch das jeweils andere Gebäude, nach der Entscheidung pro Kurhaus also das bisherige Rathaus, Sanierungsbedarf hat. Über die künftige Nutzung etwa für jene Gruppen, die bisher in Kurhausräumen untergebracht sind, muss nachgedacht werden. Wenn es nicht – so die drastischste Option, die Kämmerer Gall dennoch erwähnte – verkauft wird.

700 000 Euro

Förderung
Insgesamt fast 235 Millionen Euro stellt das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen in diesem Jahr den Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg für städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen zur Verfügung. Gefördert werden in diesem Jahr insgesamt 302 städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen in 274 Städten und Gemeinden im Land, darunter 51 neue Maßnahmen sowie 251 Sanierungsgebiete, für die weitere Mittel bewilligt werden. Das Programm ist sehr beliebt und auch in diesem Jahr um ein Mehrfaches überzeichnet. Die Gemeinde Dobel kann sich laut Mitteilung vom Mittwoch über 700 000 Euro freuen – gefördert wird das Projekt beziehungsweise das Sanierungsgebiet „Ortsmitte II“.