Im Vorfeld wurde viel an der Regelung für Villingen-Schwenningen herumgetüftelt. Im zuständigen Ausschuss gab's letztlich mehrheitlich das OK dafür.
Die Ganztagsbetreuung an den Grundschulen von Villingen-Schwenningen steht vor einer „großen organisatorischen und bildungspolitischen Veränderung“. So drückte es Isabell Faller, die Leiterin der Abteilung Schulen im städtischen Amt für Jugend, Bildung, Integration und Sport (Jubis), in einer Sondersitzung des VS-Ausschusses für Jugend, Bildung und Soziales aus.
Vor dem Hintergrund des bundesweiten Rechtsanspruchs für Grundschulkinder ab dem Schuljahr 2026/2027 und des Sparzwangs im städtischen Haushalt nahmen die Ausschussmitglieder den entsprechenden Verwaltungsvorschlag an und fassten einen Empfehlungsschluss an den Gemeinderat.
Die Betreuungskosten sollen bis 2030 jährlich um 4,6 Millionen Euro gesenkt und gleichzeitig der Rechtsanspruch erfüllt werden.
Die Einsparmaßnahme wurde bereits im Rahmen der Verabschiedung des Haushaltsentwurfs beschlossen – und jetzt geht es um die konkrete Ausgestaltung.
Module als neue Lösung
Künftig soll an vielen Schulen ein flexibles Modulsystem eingeführt werden. Statt der bisherigen Ganztagsschulen nach Paragraf 4a des Schulgesetzes – bislang kostenlos – sollen Eltern je nach Bedarf einzelne Betreuungsmodule buchen (können). Für acht Stunden Betreuung an fünf Tagen pro Woche wären nach derzeitigen Planungen rund 70 Euro monatlich fällig. Die Stadt trägt zwölf Prozent der Kosten, 68 Prozent kommen vom Land, etwa 20 Prozent müssen die Eltern übernehmen.
Von der Umstellung betroffen sind nach derzeitigem Stand die Friedensschule, die Gartenschule, die Klosterringschule, die Südstadtschule sowie die Schulen in Weigheim-Mühlhausen und die Haslachschule. Bei Friedensschule und Gartenschule gilt dafür allerdings ein Vorbehalt, sollte das Land doch noch zusätzliche Landesfördermittel für Schulen nach Paragraf 4a zusagen.
Auch Horte an Grundschulen sollen ab 2027/2028 durch das neue Modellsystem ersetzt werden. Und auch an Halbtagsschulen wie Steppachschule, Warenbergschule, Neckarschule und Hallerhöhe soll das Modulsystem ebenfalls eingeführt werden und das Angebot der Verlässlichen Grundschule ersetzen.
Für die beiden Gemeinschaftsschulen Bickebergschule und Golden-Bühl-Schule ist dagegen ein eigenes Modell vorgesehen. Betreuung und Mittagsverpflegung sollen dort künftig komplett von externen Trägern übernommen werden. Die Golden-Bühl-Schule soll zudem offiziell in eine Ganztagsschule nach Paragraf 4a umgewandelt werden.
Vorher Arbeitsgruppen
Eigens eingerichtete Arbeitsgruppen aus Politik, Schulen, Elternvertretungen und Verwaltung hätten zuvor verschiedene Modelle beraten, berichtete Abteilungsleiterin Isabell Faller. In der Ausschusssitzung selbst waren dann auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Schulen und auch der Elternschaft als interessierte Zuhörer dabei.
Es sei in den Arbeitsgruppen deutlich geworden, „dass sich Grundlagen und Bedarfe der unterschiedlichen Schultypen stark unterscheiden“, hieß es in der Sitzungsvorlage. Isabell Faller sagte, dass recht schnell klar geworden sei, dass „die Komplexität des Themas sehr groß ist“. Man habe alle möglichen Bedingungen gegeneinander abgewogen und nun „die beste Lösung“ gefunden.
Geplant ist im Übrigen, die bisherige Spätbetreuung bis 18 Uhr – begründet durch offenbar sinkende Nachfrage – aufzugeben. Die Ferienbetreuung bleibt bestehen, wird aber auf acht Stunden täglich angepasst. Für die Betreuung in den Ferien sind Gebühren vorgesehen.
„In einem Spannungsfeld“
Seitens der Ausschussmitglieder meinte Katharina Hirt (CDU): „Wir bewegen uns hier in einem Spannungsfeld“ – zwischen Haushalt, Rechtsanspruch und den Bedürfnissen der verschiedenen Schulen und Eltern. Dem allem gerecht zu werden, sei „sicher ein großes Kunststück“. Man sei aber „auf einem guten Weg“.
Veronika Bastian erklärte für die Freien Wähler, dass man „im Großen und Ganzen mitgehen“ könne. Sie merkte allerdings eine Ungleichbehandlung an verschiedenen Schulen an und fragte sich, wie rechtssicher das alles sei. Hier verwies die Verwaltung unter anderem darauf, dass es bereits jetzt keine einheitliche Regelung gebe und man sich im Übrigen an die Vorgaben des Landes halte. Bernd Lohmiller (SPD) sprach von einem „guten Kompromiss“ und auch Kathrin Piazolo (FDP) signalisierte Zustimmung.
Über die Neukonzeption trifft der Gemeinderat in seiner Sitzung am 20. Mai die endgültige Entscheidung.