Der Beitritt zu „Konus“ wurde abgelehnt. Die Mehrheit der Neurieder Gemeinderäte sieht aufgrund der schlechten ÖPNV-Anbindungen keinen großen Mehrwert für Pendler.
Der von der UL-Fraktion beantragte Beitritt zum „Konus“-Gästekarten-System ist vom Neurieder Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit abgelehnt worden. 18 Räte stimmten mit „Nein“ ab, nur vier UL-Räte stimmten bei einer Enthaltung zu. Damit folgte das Gremium mehrheitlich der Empfehlung der Verwaltung.
Roman Schäffer, stellvertretender Rechnungsamtsleiter, begründete die ablehnende Haltung der Verwaltung damit, dass die „Konus“-Gästekarte zwar ein grundsätzlich „sinnvolles und attraktives Angebot“ für Gäste sein könne. In Neuried jedoch nicht, weil die örtlichen Rahmenbindungen nicht gegeben seien. „Die Anbindung des ÖPNV in den einzelnen Ortsteilen variiert erheblich und die Gäste reisen zum Großteil mit dem eigenen Fahrzeug an.“ Für Geschäftsreisende habe das „Konus“-System keine Relevanz. Für die Gemeinde hätte die Einführung erhebliche finanzielle Auswirkungen, mit Kosten in Höhe von 25.000 bis 35.000 Euro jährlich sei zu rechnen. Dazu käme ein relativ hoher Verwaltungsaufwand, ein zusätzliches Meldeprogramm sei nötig.
Rat bemängelt lückenhafte Information
Dieser Einschätzung wollte Hans-Jörg Hosch (UL) nicht folgen. Er bemängelte lückenhafte Informationen: „Wir hätten es begrüßt, wenn jemand von der Schwarzwald-Tourismus eingeladen worden wäre, um die Vorteile des ,Konus’-Systems vorzustellen.“ Die Kosten in der genannten Höhe sei nur eine Annahme. Der große Vorteil der Karte sei, dass sie von Karlsruhe bis Basel gelte und auch weit in den Schwarzwald hinein für alle Busse und Bahnen der beteiligten Gemeinden: „Die Gäste könnten das auch für die Anreise nutzen.“ Er könne keinen großen Aufwand für die Nutzung eines solchen Systems sehen. Sein Antrag auf Vertagung und auf mehr Informationen wurde jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt.
Erst vor kurzem Übernachtungssteuer eingeführt
Neurieds Bürgermeister Tobias Uhrich führte aus, dass die Gemeinde bei einigen Beherbergungsbetrieben nachgefragt habe: „Dort übernachten zu 80 Prozent Geschäftsreisende. Alle sagen, lasst es sein.“ Man habe erst vor kurzem die Übernachtungssteuer eingeführt. Wenn dann von geschätzten 90.000 Euro an Einnahmen gleich wieder ein Drittel weg sei, belaste das den Haushalt ungebührlich. Das sah Ralf Wollenbär (FW) ebenso: „Wir haben doch die Übernachtungssteuer eingeführt, um den Haushalt zu stärken. Schon allein deshalb lehne ich das ab.“ Ablehnung auch von Helmut Roth (FW): „,Konus’ ist gut, wenn’s passt. Aber bei uns passt das nicht. Wenn wir einen Stundentakt hätten, dann ja.“
Das steckt dahinter
„Mit Bus und Bahn kostenlos zur Wanderung, zur Entdeckungstour oder zum Einkaufsbummel fahren: Dafür steht die ,Konus’-Gästekarte“, so heißt es auf der Homepage der Schwarzwald Tourismus GmbH. Die Konus-Gästekarte gelte als Freifahrt-Ticket für Busse und Bahnen in der Ferienregion Schwarzwald, von Pforzheim bis Basel, Karlsruhe bis Waldshut – beliebig oft während des Urlaubs. Mehr dazu unter www.schwarzwald-tourismus.