Bürgermeister Fritz Link (links) und Bernd Mössinger, Chefarzt der Mediclin Albert-Schweitzer-Klinik, sprechen sich nach dem Auftauchen von rassistischen Wurfsendungen vor dem Bildnis Albert Schweitzers deutlich gegen Fremdenfeindlichkeit aus. Foto: Stephan Hübner

Fremdenfeindliche Briefe sind in Königsfeld aufgetaucht – auch bei einer Ärztin der Mediclin Albert-Schweitzer-Klinik. Bürgermeister Fritz Link und Chefarzt Bernd Mössinger verurteilen die Diskriminierung von Migranten und gehen auf ihre Rolle im Gesundheitssektor ein.

Über massiv fremdenfeindliche Wurfsendungen, von denen auch eine Ärztin der Mediclin Albert-Schweitzer-Klinik in Königsfeld betroffen ist, berichteten Bürgermeister Fritz Link und der Chefarzt der Pneumologie Bernd Mössinger in einer Pressekonferenz.

 

Die Gemeindeverwaltung wurde durch Gemeinderatsmitglieder und Integrationsmitarbeiter auf die Wurfsendung aufmerksam, so Link. Bisher bekannt sind drei Zettel aus der Bismarck- und der Hermann-Voland-Straße sowie der Straße Am Kurgarten. Die darauf abgedruckten Zitate eines AfD-Mitglieds nennt er „demagogisch und nahe der Volksverhetzung“.

Auswüchse des Wahlkampfs

Menschen mit Migrationshintergrund, die im Pflegesektor dringend nötig seien, würden dadurch in Angst und Schrecken versetzt. Diese Auswüchse des Wahlkampfs überschritten die Grenze des Erträglichen bei weitem.

Die Sprache zeuge von barbarischer Brutalität und widerlichem Zynismus, die anonyme Tat von erbärmlicher Feigheit, so Mössinger. Eine Ärztin seiner Abteilung, Mitte 20 und aus Nordafrika stammend, fand die Hetze in ihrem Briefkasten.

Menschen aus über 100 Nationen arbeiten im Haus

Sie sei seit einem Jahr in Deutschland, sehr gut integriert und vom Wesen her sehr freundlich. Trotz anfänglichem Schocks trage sie das Ganze mit großer Fassung.

Mössinger wies auf die Antidiskriminierungserklärung der Mediclin hin. Darin heißt es, dass man ohne das Zutun von Menschen aus über 100 Nationen nicht in der Lage wäre, die Patientenversorgung aufrechtzuerhalten. Deren wertvolle Arbeit sei aber nur leistbar, wenn sie sich angstfrei darauf konzentrieren könnten und man ihnen mit Respekt und Wertschätzung begegne. Deshalb trete man gegen jede Art von Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung an, toleriere eine solche menschenverachtende Haltung nicht.

Offene Kultur gefragt

Ähnlich äußerte sich die deutsche Krankenhausgesellschaft, der zufolge 15 Prozent aller Ärzte und Pflegefachpersonen eine ausländische Staatsbürgerschaft haben, das Gesundheitssystem geprägt sei durch Internationalität und kulturelle Vielfalt. Zudem sei eine offene Kultur, in der sich ausländische Mitarbeiter wohlfühlen, Grundvoraussetzung für gelungene Integration.

Wie viele der 160 Mitarbeiter am Standort Königsfeld ausländischer Herkunft sind, konnte Mössinger nicht sagen. Es seien aber viele. Ausländische Fachkräfte seien existenziell wichtig, bestätigte Link für den Heilbäderverband Baden-Württemberg, dessen ehrenamtlicher Präsident er ist.

Die Gemeinde hat die Kriminalpolizei eingeschaltet, die in zwei Richtungen ermittelt. Die Wurfsendungen könnten entweder von AfD-Anhängern stammen oder von Linksextremisten, um eine Gegenreaktion auszulösen. Sie seien aber in keinem Fall tolerabel.

Polizei sucht Hinweise

Link bittet die Bevölkerung um Hinweise, falls irgendjemand etwas beobachtet hat. Dazu ist die Ortspolizeibehörde unter Telefon 07725/80 09 28 erreichbar. Die Hinweisgeber fallen unter Zeugenschutz, können auch anonym bleiben.