Die Polizei ermittelt weiterhin wegen der rassistischen Aktion am ZOB Nagold. Auch Stuttgarter Hofbräu zeigt sich entsetzt. Foto: Thomas Fritsch

Seitdem ein Video vom 1. Mai die Runde macht ermittelt die Polizei wegen Volksverhetzung. In dem Video fährt ein Maiwagen um den Nagolder Busbahnhof und die Mitfahrer grölen „Ausländer raus. Deutschland den Deutschen“ zu einem Lied mit. Wie weit sind die Ermittlungen nach knapp vier Wochen? Und was hat Stuttgarter Hofbräu damit zu tun?

Das Lied „L’Amours Toujours“ sollte aktuell jedem ein Begriff sein. Denn zu dem Lied grölen deutschlandweit – auf Partys, Dorffesten oder auch Discos – Menschen die rassistischen Parolen „Ausländer raus. Deutschland den Deutschen. Ausländer raus“ mit. Erneuten Aufschwung hat dieser ausländerfeindliche Trend durch ein Video einer Party auf Sylt erfahren. Immer mehr solcher Szenen werden nun publik.

 

Deswegen und wegen des Posts eines Berliner Journalisten rückt auch der Vorfall vom 1. Mai in Nagold wieder in Erinnerung. Das Video: Ein Mitfahrer eines Maiwagens filmt, wie dieser mehrere Runden um den Nagolder Busbahnhof fährt. Auch dort läuft das besagte Lied und man hört einige Stimmen, die die rechtsextremen Parolen mitgrölen. Doch nicht nur das. Derjenige, der das Video filmt, zoomt immer wieder auf einzelne Personen auf dem Busbahnhof und macht damit bildlich klar: Du bist Ausländer und sollst raus aus Deutschland.

Das Video erregte im Kreis Calw und der umliegenden Region bereits Aufregung und Entsetzen. In den sozialen Medien und auch unserer Redaktion gegenüber werden die Maiwagen-Mitfahrer aufs Schärfste verurteilt.

Bauwagenfreunde distanzierten sich

Direkt im Anschluss an das erste Bekanntwerden des Videos macht Ricarda Becker, Vorsitzende des Vereins „Bauwagenfreunde Nordschwarzwald“ klar: Der Verein, auch Mitglied des Maiwagensiegel-Ausschusses, distanzierte sich schnell und deutlich von der Aktion.

Der Maiwagen, der um den Busbahnhof fuhr gehöre weder zu den Bauwagenfreunden noch werde die Aktion in irgendeiner Art und Weise gebilligt. Der Maiwagen werde nächstes Jahr nicht mehr fahren und auch bezüglich Maiwagenknigge und Fahrtstrecken gebe es einige Aktualisierungen, erzählte Becker im Gespräch mit unserer Redaktion. Bezüglich der anderen 49 Maiwagen gab es demnach keine Probleme oder derartige Aktionen.

Identifizierung hat höchste Priorität

Allerdings zieht der Vorfall noch weitere Konsequenzen für den einen Maiwagen nach sich: Die Kriminalpolizeidirektion Calw und die Staatsanwaltschaft Tübingen ermitteln wegen Volksverhetzung. Einzelheiten, wie sich die Ermittlungen in den vergangenen vier Wochen entwickelt haben, kann Benjamin Koch, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim, keine nennen. Lediglich: Die Ermittler arbeiten weiterhin vor allem an der Identifizierung aller Mitfahrer und deren Rolle bei der Aktion. Es sei nicht klar, ob alle der rund 40 Mitfahrer auch mitgegrölt haben. Das müsse zuerst klar sein. Solange steht die Anzeige gegen Unbekannt im Raum.

In dem Video sind die Mitfahrer jedenfalls nicht direkt zu sehen – auch der Maiwagen nicht. Lediglich in einer Spiegelung sieht man ein großes Banner von Stuttgarter Hofbräu, das an dem Maiwagen hängt. Was sagt das Unternehmen zu der Aktion, die Banner dienen immerhin als Werbung für Ihre Marke.

Stuttgarter Hofbräu: „Fürchterliches Video“

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt Martin Alber, Sprecher der Geschäftsleitung von Stuttgarter Hofbräu, dass das Unternehmen erst an diesem Wochenende – also nach dem Vorfall auf Sylt – auf die Aktion in Nagold aufmerksam gemacht wurde. Sie seien „entsetzt, dass unsere Marke in einem solchen Umfeld von Hass und Fremdenfeindlichkeit verwendet wurde. Dies geschah ausdrücklich ohne unsere Billigung, ohne unsere Kenntnis“.

Stuttgarter Hofbräu sei überall gerne dabei, wo Menschen friedlich, freundlich und respektvoll zusammenkommen und feiern: „Was wir in diesem fürchterlichen Video sehen, hat damit nichts zu tun – und unsere Marke hat dort nichts verloren“, sagt Alber. Daher seien auch die Menschen, die in dem Video zu hören sind, „ganz sicher nicht unsere Gäste und nicht Teil eines unserer offiziellen Sponsorings“.

Bierunternehmen will Anzeige erstatten

Auch die Brauerei zieht nun Konsequenzen aus dem Verhalten der Mitfahrer. Die Firma wolle nun mit Nachdruck prüfen, wer für das Video möglicherweise verantwortlich ist und „ein im Vertrauen zur Verfügung gestelltes Banner in diesem Rahmen missbraucht haben könnte“.

Außerdem will das Unternehmen ebenfalls Anzeige wegen des potenziell strafbaren und rufschädigenden Verhaltens erstatten: „Weil dieses Verhalten inakzeptabel ist: für unsere Marke, aber auch ganz grundsätzlich in einer offenen, liberalen und friedlichen Gesellschaft, die unser Leitbild ist.“