Anwohner der Brunnenstraße sind sauer - und das gleich aus mehreren Gründen. Foto: Eva-Maria Huber

Anwohner sind sauer, bezahlte Parkausweise erstmal nichtig und Angst haben manche Anwohner der Brunnenstraße in Villingen-Schwenningen auch noch – denn: Hier werde jetzt gerast.

Simeon Disch, einer der bekannteren Anwohner aus der Brunnenstraße, bleibt an diesem Nachmittag im Oktober nicht lange alleine. Immer mehr Anwohner gesellen sich zum Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Simeons Frau mit Baby im Tragetuch und der kleinen Tochter an der Hand, Paare, Geschäftsfrauen. Sie alle machen ihrem Ärger Luft, der mit dem Aufstellen des ersten Schildes Anfang Oktober begann, das auf ein absolutes Halteverbot hinweist.

Um das Schild des Anstoßes stehen nun etwa zehn Anwohner, mittendrin Simeon Disch.

Parkraum einfach weggenommen

Ab dem 6. Oktober, tippt der Brunnenstraßen-Anwohner auf das an der Ecke zur Rietgasse aufgestellte Schild, sei hier absolutes Halteverbot. Der Ärger der Anwohner richtet sich zunächst gegen die „mangelnde Kommunikation seitens der Stadt“. Flyer, mit Informationen über das Bauvorhaben und Länge der Bauzeit und den damit verbundenen Wegfall der Parkplätze, habe es allenfalls vereinzelt gegeben.

Die Brunnenstraße – sieht eigentlich ganz beschaulich aus. Doch aktuell trügt der Schein. Foto: Eva-Maria Huber

Die leeren Flächen vor den Häusern – normalerweise darf in der Brunnenstraße auf einer Seite geparkt werden – wirken auf die versammelten Anwohner wie ein rotes Tuch. „Alle Parkplätze fallen ersatzlos weg“, ärgern sie sich und dies, „obwohl wir doch für unsere Parkausweise bezahlt haben“.

Nähere Alternativen, beispielsweise der öffentliche „Waffenschmiedeparkplatz“ könnten doch zur Verfügung gestellt werden, so der Vorschlag. Doch dies sei nur nachts möglich, so die Aussage der Stadt.

Mulmiges Gefühl und manchmal Angst

Mit dieser Info steigt vor allem bei Frauen die Verdrusskurve nach oben. Simeons Frau „muss bis in die Niederwiesen laufen, „weil ich nur dort noch einen Parkplatz finde“. Eine andere stellt ihr Auto nahe des Hubenloch-Parkes ab, „mit einem mulmigen Gefühl, wenn ich da abends in die Stadt laufen muss“, beschreibt Stefanie Smykala ihre Emotionen.

Immer wieder kurven Fahrzeuge um die Ecke, die einen angepasst, die anderen schnell, „zu schnell“, kommentiert nicht nur Disch das Fahrverhalten einzelner. Was alle beobachten: Seitdem die Straße „leer“ sei und keine parkenden Autos mehr ins Blickfeld geraten, sei die sie für manche zur „Rennstrecke“ geworden.

„Warum kann man hier nicht auch wie in der nahen Färberstraße Tempo 20 einführen, zumal hier einige Familien wohnen mit kleineren Kindern?“ Ein Wunsch für die Zeit nach der Baustelle.

Das sagt die Stadt

Wie reagiert die Stadtverwaltung auf Verdruss und Ärger der Anwohner aus der Brunnenstraße? Erste Frage von unserer Redaktion an Madlen Falke, Pressesprecherin der Stadt Villingen-Schwenningen: Wurden nur die wenigsten Anwohner informiert? Sie dementiert dies. Von Seiten der SVS seien über 2000 Flyer gedruckt und direkt an die Anlieger verteilt worden, entgegnet Falke. Zudem seien frühzeitige Pressemitteilungen erfolgt.

Die SVS haben rund um die Baustelle auch Bauzäune mit entsprechenden Hinweisen aufgestellt. Ebenso sei die Info auf der Website der Stadtwerke (Wir bauen für VS – Baustelle im Bereich Romäusring ab 6. Oktober) sowie auch der Stadt und den Social Media-Kanälen stark kommuniziert worden.

Was den Zeitrahmen für das absolute Halteverbot in der Brunnenstraße in Folge der Bauarbeiten angehe, ließen sich keine genauen Angaben machen. „Dieser Zeitpunkt kann je nach Baufortschritt und Witterung jedoch verlängert werden. Nach einer Winterpause gehen die Arbeiten 2026 im zweiten Bauabschnitt weiter. In der Zwischenphase wird der Bereich wieder für den Verkehr freigegeben.“

Hoffnung der Anwohner auf Alternativ-Parkplätze zerschlagen sich nach der Reaktion der Stadt. Madlen Falke: „Wie bei allen Baumaßnahmen üblich, werden auch bei dieser Baustelle für entfallene Parkplätze keine Ersatzparkflächen im öffentlichen Verkehrsraum geschaffen.“ Dies gelte auch für Parkplätze, für die eine Bewohnerparkregelung bestehe.

Die für Bewohnerparkausweise bezahlte Jahresgebühr sei gemäß der dazu ergangenen Rechtsprechung kein Entgelt für die Nutzung der Straße, sondern eine einmalige Verwaltungsgebühr für das Ausstellen des Bewohnerparkausweises. „Vor diesem Hintergrund besteht kein Zusammenhang zwischen der Gebühr und der Nutzung der Parkplätze.“ Aufgrund des Innenstadt-Bereiches stehen auch keine Ausweichflächen, die die Stadtwerke anbieten könnten, zur Verfügung, reagiert sie auf eine entsprechende Forderung der Anwohner.

Absage zu Tempo 20

Wie steht es mit dem Wunsch nach Ende der Bauarbeiten in der Brunnenstraße Tempo 20 oder Schrittgeschwindigkeit wie in anderen Straßen einzuführen? „Der bestehende Straßenausbau (Trennung von Straße und Gehwegen) sowie die tatsächliche Nutzung des Straßenraums erlauben es rechtlich nicht, die Fahrgeschwindigkeit auf Tempo 20 oder Schrittgeschwindigkeit zu reduzieren.“

Auf Wunsch von Anwohner seien auch Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt worden, um die Einhaltung der Tempolimits zu verstärken. Während nicht nur Simeon Disch findet, dass eine Verwaltungsgebühr in Höhe von 120 Euro zu hoch angesetzt sei, für die Ausstellung eines Parkausweises, belastet gerade Mütter mit kleinen Kindern die teils langen Anlaufwege: „Ich bin jetzt schon mit den Nerven fertig.“