Das erste Mal im echten Rennauto: Niels Röttele war für einen Test auf dem Serres-Racing-Curcuit in Griechenland unterwegs. Er steuerte einen BMW 318ti (links). Foto: Röttele

Niels Röttele hat sich einen großen Traum erfüllt: Der Nachwuchsrennfahrer war in Griechenland erstmals in einem echten Rennauto unterwegs. Finden sich genug Sponsoren, winkt dem Seelbacher ein fester Startplatz.

Mit bis zu 160 Sachen rast er über den Serres-Racing-Curcuit. Hart bremsen, blitzschnell schalten und gleich wieder aufs Gas: Seinen BMW 318ti bewegt er in den 16 Kurven am Limit. Rund 1000 Kilometer legt Niels Röttele in zwei Tagen zurück – und zieht am Ende das Fazit: „Real Racing ist nochmal viel interessanter als der Simulator.“

 

Der 15-Jährige Seelbacher wird dieses Wochenende im nördlichen Griechenland nicht so schnell vergessen. „Es hat mega viel Spaß gemacht“, berichtet er unserer Redaktion stolz. Bislang kannte der Nachwuchsrennfahrer solche Strecken nur vom virtuellen Wettkampf, dem sogenannten Sim-Racing, im April hatte er die Gelegenheit, erstmals in ein echtes Rennauto zu steigen.

Nur ein Werksfahrer drehte eine schnellere Runde

Möglich gemacht hat ihm dies ein „guter Kollege aus dem Sim-Racing“, wie er erzählt. Dieser vermittelte ihm den Platz im Test-Event des bulgarischen Mirafiori-Teams, das deutsche Rennfahrer in die Balkanregion lockt, um die dortigen Rennstrecken bekannter zu machen. Niels Röttele zögerte nicht lange und flog mit seiner Familie nach Griechenland, wo ihm das Team den Wagen mit der Nummer 34 zur Verfügung stellte. „Es war sehr kostengünstig“, erzählt der Seelbacher. Auch deshalb konnte er die Chance nutzen.

Und wie war es, sich auf den reellen BMW 318ti umzustellen? „Ich war schon nervös“, gesteht Niels Röttele ein. Doch die Erfahrungen aus dem Sim-Racing, wo der Seelbacher schon einige Erfolge gesammelt hat, hätten ihm geholfen. „Ich habe mich langsam herangetastet, um das Auto kennenzulernen. Das Gute war, dass es eine H-Schaltung hatte und es keine Elektronik gab. Dadurch konnte ich mich ganz auf das Fahren konzentrieren.“

Bislang steuerte Niels Röttele Rennwagen nur am Simulator. Foto: Röttele

Auf der knapp 3,2 Kilometer langen permanenten Rennstrecke, der größten in Griechenland, erlebte Niels Röttele „auch ein paar kritische Momente“. Einmal rutschte er ins Kies, „doch ich konnte das Auto immer rechtzeitig abfangen“. Auch da hätten ihm die Kenntnisse aus dem Simulator geholfen, in den entscheidenden Momenten richtig zu handeln. Zu einem Dreher – oder gar zum Crash – ließ er es nicht kommen. „Ich habe nichts kaputt gemacht, das war mir wichtig“, so der 15-Jährige.

Ziel ist ein Startplatz im BMW-318ti-Cup

Die wenigen Quersteher sind für Niels Röttele sogar eher ein gutes Zeichen. „Ich wollte das Auto am Limit bewegen“, sagt er. Das gelang. „Ich war direkt schnell“, freut sich der Seelbacher im Rückblick. Tatsächlich war er von den zehn Testpiloten der Zweitschnellste, wie er erzählt. „Vor mir war nur ein Lamborghini-Werksfahrer“ – also ein Kontrahent mit viel mehr Erfahrung.

Das Nachwuchstalent ist überzeugt, dass Ergebnisse wie dieses eine „sehr gute Werbung“ für sein Ziel einer Profi-Karriere sind. Leider zählt im Motorsport nämlich nicht nur das reine Talent – die Rennfahrer müssen für ein festes Cockpit auch einiges an Geld mitbringen. Zurzeit spart Niels Röttele für einen Gaststart im BMW-318ti-Cup, der Rennserie, in dem jeder Teilnehmer ein Auto der Art fährt, die Niels Röttele kürzlich testen durfte. Am 24. und 25. Oktober will der 15-Jährige über den Hockenheimring rasen. Die Rennen werden via Youtube mit Kommentar übertragen.

Mit dem Mirafiori-Team durfte Niels Röttele testen. Foto: Röttele

Sein großer Traum ist, in der kommenden Saison 2026 einen festen Platz in der Serie zu haben. Doch dafür braucht es einen „niedrigen bis mittleren fünfstelligen Betrag“, den Niels Röttele nicht aus eigener Tasche bezahlen kann. Deshalb hofft er darauf, Sponsoren zu finden – am besten mehrere, damit nicht einer den ganzen Betrag allein stemmen muss. Der 15-Jährige bereitet für die Sponsorensuche gerade ein neues Anschreiben vor, hofft aber auch auf externe Unterstützung. „Wenn jemand ein Unternehmen kennt, das so etwas machen würde, dann kann er sich gerne bei mir melden“, meint der Seelbacher. Werbung in eigener Sache hat er in Griechenland eindrucksvoll gemacht.

Die Serie

Der BMW-318ti-Cup gilt aufgrund der vergleichsweise niedrigen Teilnahmekosten sozusagen als Breitensport-Serie für Motorsportbegeisterte. Der Cup mit den 140-PS-Rennwagen dient auch als Sprungbrett für Nachwuchsrennfahrer. Hin und wieder finden sich prominente Namen im Teilnehmerfeld: Der frühere Formel-1-Pilot Timo Glock nahm 2023 und 2024 an einigen Rennen teil.