Ein Betrieb, eine Familie: Geschäftsführer Matthias Sickinger (Mitte) zusammen mit seinem Bruder Moritz (von links), Mutter Sabine Sickinger, Vater Michael Sickinger und Bruder Florian Sickinger Foto: Kapitel-Stietzel

Der Winter kommt und vielerorts wird klassisch mit zerkleinerten Baumstämmen geheizt. Auch der Rangendinger Brennstoffhandel Sickinger sorgt für Nachschub. Doch trotz steigender Nachfrage kämpft das Familienunternehmen mit höheren Betriebskosten.

Fährt man vom Kreisverkehr am Ortseingang die Rudolf-Diesel-Straße hinunter, dauert es nicht lange, bis man sie sieht: meterhohe Baumstamm-Stapel, die stellenweise schon fast an die Palisaden eines Holz-Forts aus einem Western-Film erinnern.

 

Doch werden hier nicht hölzerne Mauern hochgezogen, sondern im großen Stil Tonnen an Brennholz zwischengelagert.

Die Baumstämme und in hoch gestapelten Gitterkisten gelagerten Holzscheite gehören der Familie Sickinger: 2016 übernahm sie den örtlichen Brennholzhandel und bringen als fünfköpfiges Familienunternehmen etwa Eiche, Buche oder Birke an den Mann.

Hoch gestapelt ist das Holz auf dem Firmengelände. Foto: Kapitel-Stietzel

Wie hoch ist die Nachfrage an Brennholz vor dem Winter?

„Wir haben genug zu tun“, erklärt Geschäftsführer Matthias Sickinger. Die Leute würden verhaltener und kürzer vor dem Winter bestellen und ihre Bevorratung zurückhalten. Er vermutet, dass das daran liegt, dass nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs viel Holz gekauft wurde und dadurch noch Vorräte vorhanden sind.

Wie hat sich der Markt in Rangendingen verhalten?

Nach Beginn des Kriegs im Februar 2022 sei die Nachfrage nach Holz bei den Kunden exorbitant hoch gewesen. Nach einem Rückgang im vergangenen Jahr sei die Rückfrage in diesem Jahr wieder angestiegen, erklärt der Geschäftsführer. Die wieder steigende Nachfrage zeigt sich auch an Neuerungen beim Unternehmen selbst: Laut Matthias Sicker hat man die Produktionslinie erweitert und im Februar für den Ausfahrservice einen zusätzlichen Lkw angeschafft: Damit habe man zwei Laster und einen Traktor, um das Holz bis zur Haustür der Kunden zu bringen. Mutter Sabine Sickinger, die sich um das Rechnungswesen kümmert, fügt hinzu, dass man außerdem das Sortiment um Holzbriketts und Hackschnitzel erweitert habe.

So werden die Baumstämme aus dem Wald geholt. Foto: Brennholzhandel Sickinger

Welche Holzarten werden eigentlich verkauft und wie wird das Holz verarbeitet?

„Wir bieten alles an, was man in den Ofen reinschmeißen kann – und wir produzieren alles selbst“, erklärt der Geschäftsführer dazu. Da sind zum einen die großen Mengen an günstigerem Industrie- und Kaminbrennholz aus Eiche, Buche, und Esche. Laut Matthias Sickinger hätten Buche und Esche einen hohen Heizwert. Als ungewöhnlichere Holzarten habe man sortenreine Erle und Birke im Angebot: Diese seien auf dem Markt relativ schwer zu bekommen, würde aber besonders gut riechen und hätten ein gutes Flammbild. Das spezialisierte Produkt im Sortiment ist Kirschholz, das besonders für Smoker-Grills verwendet wird und nur in kleinen Mengen in Säcken abgepackt verkauft wird. Das Holz kommt dabei aus dem eigenen Wald oder wird auf Kundenwunsch geholt, so Matthias Sickinger: Nach dem Transport werden die Stämme im Lager aufgearbeitet und circa ein Jahr an der frischen Luft getrocknet, bevor sie noch einmal bearbeitet. Dann trocknen sie maximal vier Wochen in der Kammer, bevor das Holz an den Kunden geht: Das seien neben Privathaushalten auch durchaus Firmen und Industriebetriebe, die etwa ihre Büroräume heizen, so Bruder Florian Sickinger, der sich um die Aufarbeitung des Holzes kümmert.

Wie wirken sich eventuell steigende Betriebskosten aus?

Neben Faktoren wie steigenden Preisen bei Strom, Diesel und Versicherungen klagt der Geschäftsführer insbesondere über die Änderungen bei der Maut: Diese würde jedes Mal fällig werden, wenn man vom Lager zum Wald, vom Wald zum Lager sowie bei den Auslieferungen zum Kunden und wieder zurück fahre. Dabei habe es nicht nur im Dezember eine Mauterhöhung für Lkw bis 40 Tonnen gegeben, sondern auch der kleinere Ausliefer-Lkw der Sickingers ist nun seit 1. Juli von der Mauteinführung für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen betroffen. Die Maut sei dabei auch der größte Kostenfaktor für den Betrieb, noch vor den steigenden Strompreisen.

Matthias Sickinger klagt, dass der Holzhandel bei der Maut nicht als Handwerksbetrieb klassifiziert werde: Damit sei man nicht beim Lieferverkehr mautbefreit, obwohl man mit der Brennholzherstellung eigentlich auch ein Handwerk durchführe. Sabine Sickinger fügt hinzu, dass man mit Brennholz auch ein Teil der Grundversorgung sei.

Worauf hofft das Familienunternehmen?

Matthias Sickinger hofft auf Entlastungen für den Mittelstand, etwa in Form von Steuersenkungen für Einzelhändler. Die Hoffnung von Sabine Sickinger ist, dass die Energiekosten gesenkt werden. Ein Faktor, der bereits Kosten im Betrieb senkt, ist, dass laut Matthias Sickinger alle fünf Mitarbeiter eigene Spezialisierungen mitbringen: So ist Vater Michael etwa Elektriker und Bruder Moritz gelernter Maurer. Und er selbst könne sich als KFZ-Meister – zusammen mit Bruder Florian, der ein ausgebildeter KFZ-Servicetechniker ist – um die Wartung der Fahrzeuge kümmern: Da sei man nicht auf externe Firmen angewiesen und sei in dieser Hinsicht flexibel wie sonst nur große Firmen aufgestellt, die eine eigene Werkstatt besitzen.