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Rangendingen Mögliche Bahnstrecke stößt auf Ablehnung

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Halten irgendwann täglich Züge am Bahnhof in Rangendingen? Foto: Renner

Rangendingen - Die Bahnstrecke von Eyach und Hechingen wird möglicherweise reaktiviert. Wir haben uns mit mehreren Anwohner unterhalten, die das Vorhaben strikt ablehnen. Mehr dazu in unserem (SB+) Artikel.

Ein Ehepaar ist mit seinen beiden Kindern in das Neubaugebiet Au gezogen und "hauptsächlich wegen den Kindern" gegen eine Reaktivierung. "Zuletzt hat der Zug wegen einem Kind eine Notbremsung machen müssen", berichtet die 34-Jährige Mutter. Mit dem Zug meint sie den Radexpress Eyachtal (der von 1. Mai bis 18. Oktober gefahren ist und zum Christkindlesmarkt in Haigerloch eingeplant war, der jedoch diese Woche abgesagt wurde) der nur sonn- und feiertags jeweils viermal in beide Richtungen fährt. "Die Kinder versuchen den Fahrgästen zu winken, aber sonntags fährt oft gar niemand mit", sagt ihr 40-jähriger Mann, der in Bodelshausen arbeitet. Sie fragt sich nicht nur deshalb, wer den Zug dann nutzen würde. "In der Haigerlocher Unterstadt gibt es für Pendler keine Parkmöglichkeiten, deshalb glaube ich nicht, dass viele Pendler ihn nutzen würden. Die Haltstelle ist dort außerhalb der Stadt. Der Weg ist auch beispielsweise zum Freibad zu weit", liefert die 34-Jährige weitere Argumente. Dazu käme auch der Lärm. "Der Güterverkehr hupt zigmal und wir hätten dann womöglich eine Lärmschutzwand anstatt eines Ausblicks." Als die Familie gebaut hat, hieß es von Seiten der Gemeinde, dass dort nur Güterverkehr fahre und die Chancen für normalen Zugverkehr gering seien.

"Es wäre kein Weltuntergang, wenn der Zug kommt"

"Das ist Schwachsinn", bezieht Dirk Opfermann klar Position. "Für die Schüler lohnt es sich nicht und Rangendingen hat ja keinen richtigen Bahnhof. Er glaubt auch nicht an einen Sinneswandel der Mensch. "Man müsste erst die Leute dazu motivieren, auf ihr bequemes Auto zu verzichten", sagt Opfermann, der von München "wegen den Mietpreisen" zurück in seine Heimatgemeinde gezogen ist.

Direkt am Bahngleis wohnt eine 32-jährige Frau, die relativ entspannt ist. "Es wäre kein Weltuntergang, wenn der Zug kommt." Falls dies der Fall sein sollte, dann ist ihre Erwartungshaltung, dass Bahnsteig und Zug behindertengerecht sind, damit Ältere Leute zum Arzt fahren können. Auch eine zweite Haltestelle in Rangendingen wäre für sie eine Option, schließlich fehlen die Parkmöglichkeiten für Pendler.

Auch sie denkt, dass die Schüler den Zug nicht nutzen können, weil die Schulen in Hechingen und Haigerloch zu weit von den jeweiligen Bahnhöfen liegen. "Den Radexpress hört man nicht, aber wenn gehupt wird, zuckt man kurz zusammen", hat sie festgestellt. "Sonntags sitzt eh kaum jemand im Zug. Es ist unverständlich, warum das Angebot nicht genutzt wird."

Die junge Frau arbeitet in Balingen und ihr Mann in Tübingen – für beide wäre es wegen mehrerer Umstiege zu umständlich, mit Bus und Bahn zur Arbeitsstelle zu fahren. Und der Zug würde nur Sinn machen, wenn man im Haushalt dann ein Auto einsparen könnte. "Kann man das auf dem Land?", fragt sich die Frau, die das Konzept des Fleckahopsers in Bisingen gut findet.

Bei vorbeifahrender Zug wird Gesprächen im Garten unterbrochen

Ortswechsel – Bahnhof Rangendingen. Nahe am Gleis wohnt eine 34-jährige Mutter seit vier Jahren in Miete. "Wenn der Zug sonntags vorbeifährt und man im Garten sitzt, muss man Gespräch unterbrechen. Das ist störend, aber man gewöhnt sich an alles", meint sie lapidar. Wenn der Zug für sie einen Nutzen hätte, was aber nicht der Fall ist, würde sie ihn befürworten. Außerdem spricht sie die Mentalität der Rangendinger an, die hauptsächlich das Auto nutzen. "Wenn man mit dem Fahrrad in die Arbeit oder zum Einkaufen fährt, wird man blöd angeschaut", hat sie beobachtet. Bus würden in Rangendingen nur jene Einwohner fahren, die keinen Führerschein hätten. Auch sie nimmt wahr, dass das Radexpress kaum frequentiert wird. "Wenn zwei Leuten drin sitzen, ist das schon viel. Meine Kinder finden es aber toll, wenn der Zug fährt."

Ein paar Meter weiter wohnt seit 40 Jahren eine Rentnerin unmittelbar neben dem Haltepunkt. "Das ist Idiotie", sagt sie. "Man muss die Vor- und Nachteile abwägen. Es müsste sich viel ändern, damit das Sinn macht. Als wir gebaut haben, war der Güterverkehr noch stärker." Früher sei sie selbst mit dem Zug von Rangendingen nach Hechingen gefahren und dann vom Bahnhof zur Schule gelaufen. "Das kann man heutzutage den Schülern nicht mehr zumuten", spricht sie den offensichtlichen Bewegungsmangel der Jugend an.

Seit fünf Jahren eine Baustelle

Der Rangendinger Bahnhof sei seit fünf Jahren eine Baustelle, es brauche dann einen ordentlichen Bahnsteig, schließlich könnten dort 100 Schüler morgens warten. Man müsse sich auch damit auseinandersetzen, ob eine zweite Haltestelle machbar wäre, eine ihrer Töchter müsste sonst erst drei Kilometer bis zum Bahnhof laufen. Der Haigerlocher Bahnhof sei nicht in der Stadt, es brauche also noch zusätzlichen Busverkehr. Man könne doch eine Mitfahrzentrale für Berufspendler schaffen. So etwas gebe es in Frankreich, wo eine andere Tochter lebt. Und der Lärm durch den Zug? Der störe sie nicht, schließlich gebe es auch der Lärm von der Straße.

Der Rangendinger Gemeinderat hat der Resolution für die Reaktivierung der Gleisstrecke Eyach – Hechingen unter der Voraussetzung zugestimmt, dass Lärmschutzmaßnahmen ergriffen werden. Bürgermeister Johann Widmaier hat sich aus Solidarität mit den Nachbarkommunen Hechingen, Haigerloch und Horb dafür ausgesprochen. Er glaubt, dass weniger Pendler, sondern Schüler die Strecke nutzen würden. Haigerloch unterstützt das Vorhaben ausdrücklich, Freie-Wähler-Stadträtin Anne Judersleben rechnet mit einem täglichen Fahrgastpotenzial von rund 1200 Personen. Erforderlich sind mindestens 1000 Personen.

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Klaus Stopper

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