Der Unterleib der Christusfigur am Jahrgangskreuz 1955 im Mietentäle wurde abgerissen. In Rangendingen sind die Menschen entsetzt über die Tat. Foto: Beiter

Unbekannte reißen Unterkörper der Christusfigur ab. Rangendinger sind "schockiert". "Respekt vor religiösen Symbolen schwindet".

Rangendingen - Die Menschen in Rangendingen sind entsetzt über die Schändung des Feldkreuzes im Mietentäle. In der Zeit zwischen Donnerstag und Samstag haben dort bislang unbekannte Täter den Unterkörper der Christusfigur abgerissen und weggeschmissen.

"Das versteht niemand", kommentiert Herbert Beiter die Reaktionen seiner Jahrgangskollegen des Rangendinger Jahrgangs 1955. Beiter und seine Familie haben das Holzkreuz vor 20 Jahren gespendet, der Jahrgang 1955 stellte es anlässlich des 40er-Festes auf, und seither gilt es als Jahrgangskreuz der 55er. "Wir sind öfters mal gemeinsam dort draußen", erzählt Beiter. Alle Jahrgänger seien tief bestürzt über die frevelhafte Tat, erzählt er, besonders seine Mutter Ursula Beiter. Sie hat eine enge Beziehung zu dem Feldkreuz und pflegt die Anlage zusammen mit ihrem Sohn seit den ersten Tagen, kümmert sich um den Blumenschmuck und ist mehrmals in der Woche an dem andächtigen Ort.

Die Anlage mit ihrem Sitzbänkle und dem Blumenschmuck direkt am Wanderweg zur Hochburg wird auch von Wanderern und Spaziergängern als Ort der Ruhe und Einkehr geschätzt. Dass die Tat ein Lausbubenstreich war oder der Körperteil von alleine abgefallen ist, kann Herbert Beiter nicht glauben. "Dazu hängt die Figur viel zu hoch", ist er überzeugt. Er sei "entsetzt und auch verletzt in seiner religiösen Identität", spürt auch Wut auf den oder die Täter. Doch als Christ möchte er ihnen auch verzeihen. "Was soll ich machen?", fragt sich der gläubige Katholik in diesem Gewissenskonflikt.

Auch Pfarrer im Ruhestand Norbert Dilger ist "schockiert" über die Tat, die jegliche Ehrfurcht vor dem, was anderen "heilig oder wichtig ist", vermissen lasse. "Das macht sprachlos", sagt Dilger.

Friedhof und St.-Gallus-Kirche waren bereits Ziel solcher Taten

Er spendete vor 20 Jahren dem Flurkreuz den Segen. Dass der Respekt vor religiösen Symbolen und Einrichtungen bei vielen Menschen der jüngeren Generation immer mehr schwinde, habe Rangendingen in der Vergangenheit bereits mehrfach erleben müssen, erzählt Dilger. "Die Achtung religiöser Tabu-Zonen, der Bezug und die Achtung religiöser Bereiche, wie sie früher selbstverständlich waren", seien heute oft nicht mehr vorhanden, sagt er. So seien in der Vergangenheit der Friedhof und auch die St.-Gallus-Kirche immer wieder Ziel solch verabscheuungswürdiger Anschläge gewesen, so der ehemalige Ortsgeistliche. Der materielle Verlust sei dabei zwar teilweise immens und ärgerlich, stehe jedoch weit weniger im Mittelpunkt. Viel schwerer wiege der ideelle Schaden, den solche Untaten an den Seelen der Gläubigen hinterlassen, wenn nicht einmal mehr vor Flurkreuzen als Orte der Andacht und Besinnung Halt gemacht werde.

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