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Rangendingen Familie verliert bei Brand fast alles

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Wilfried Schuster steht vor den Trümmern seines "Lebenswerks". Er hatte in den 1980er-Jahren das Lehmhaus in Rangendingen gebaut, das in der Silvesternacht abgebrannt ist. Foto: Beiter

Rangendingen - Mit regungslosen Gesichtern und völlig übernächtigt standen am Dienstag die Familien Ammon und Schuster vor der Brandruine ihres Wohnhauses in der Rangendinger Beethovenstraße. Das Lehmhaus war in der Silvesternacht abgebrannt und ist komplett unbewohnbar.

"Man hat halt nichts mehr", erklärt angesichts der Katastrophe ein relativ gefasster Thomas Ammon, als er in die verkohlten Trümmer seines einstigen Wohnhauses blickt. Als ihn in der Silvesternacht – die Ammons waren bei Freunden zur Party eingeladen – eine Nachbarin angerufen habe, dass es bei ihm brenne, sei sein erster Gedanke gewesen: Es wird schon nicht so schlimm sein.

Dann habe er von weitem schon die Flammen aus dem Dach schlagen sehen und daran gedacht, dass sie zum Glück ja versichert seien. Doch mittlerweile hat die Realität Einzug in Ammons Gedanken gehalten. "Das gesamte Ausmaß der Katastrophe realisiert man wohl erst ganz langsam", sagt er. "Das wird wohl erst in den nächsten Tagen kommen."

Noch an Neujahr findet die Familie einen Unterschlupf

Dass Thomas Ammon und seine Frau Manuela nicht völlig verzweifelt sind, liegt auch daran, dass sie sich wenigstens vorerst keine Sorge um eine Bleibe machen müssen. Noch an Neujahr kamen sie in der Doppelhaushälfte eines Freundes des Familienvaters in Schwalldorf unter.

Auch sein Geschäft als Bezirksschornsteinfeger könne er sofort weitermachen, erklärt Ammon. Der Computer aus dem Büro im Erdgeschoss wurde gerettet. "Die wichtigsten Daten sind gesichert." Auch ein paar Familienfotos, die wegen des Streichens des Kinderzimmers kurzfristig in einem Schrank im Keller untergebracht worden waren, sind zwar nass, sind aber auf jeden Fall als Erinnerungsstücke noch da.

Und sogar das Frettchen, das die Familie neben drei Hunden und einer Katze als Haustiere hält, und dessen Verbleib am Montag noch unklar war, fand die Feuerwehr Dienstag früh im Kellergeschoss des Gebäudes – verstört, aber wohlauf. Doch das meiste andere hat die fünfköpfige Familie bei dem Großbrand praktisch über Nacht verloren.

Was an Inventar in der Silvesternacht nicht gleich verbrannte, ist durch das Löschwasser und den anhaftenden Brandgeruch unbrauchbar geworden. Im Kofferraum des Autos haben sich vereinzelte Fundstücke angesammelt, denen das Löschwasser nicht so viel anhaben konnte.

Die Hilfsbereitschaft der Rangendinger ist sehr groß

"Absolut Hammer" sei die Hilfsbereitschaft, die er und seine Familie seit der Brandnacht erfahren dürften, erzählt Ammon. "Viele rufen an und bieten uns ihre Hilfe an." Doch am meisten seien sie froh, dass sie jetzt ein Dach über dem Kopf hätten.

"Da können wir erst mal acht Wochen bleiben", erklärt Ammon. Doch das ist nichts auf Dauer und so sucht die Familie ungeachtet davon auch eine längerfristige Bleibe: "Wir wollen halt schon gern in Rangendingen etwas finden", sagt der Familienvater. Mit versteinerten Mienen stehen auch die Schwiegereltern von Thomas Ammon vor den Trümmern. Erst vor wenigen Jahren hatten die Schusters ihr Haus mit dem der Tochter getauscht.

"Das Haus war mein Lebenswerk", sagt Wilfried Schuster. Zusammen mit seiner Ehefrau Monika hatte er Ende der 1980er-Jahre das Holzständerhaus in Lehmbauweise und unter ökologischen Gesichtspunkten mit einem enormen Arbeitsaufwand in fast kompletter Eigenleistung gebaut.

"Im Augenblick scheine ich ganz ruhig und gefasst. Doch was hier passiert ist, das werde ich wohl erst in einiger Zeit wirklich kapieren", sagt Winfried Schuster mit traurigen Augen.

Als die Feuerwehr eintrifft, ist das Gebäude nicht mehr zu retten

Als die Feuerwehren aus Rangendingen, Höfendorf und Bietenhausen sowie später das Drehleiterfahrzeug der Stadtwehr Hechingen in der Silvesternacht gegen 22.45 Uhr an der Einsatzstelle eintrafen, war das Gebäude praktisch nicht mehr zu retten, wie Rangendingens Kommandant und Einsatzleiter Christian Hermann gestern auf Anfrage mitteilte.

"Der Dachstuhl stand bereits vollkommen in Flammen", erklärte er. Als problematisch erwiesen sich bei dem Einsatz die vielen Glutnester, die sich aufgrund der speziellen Bauweise des Lehmhauses im Dachgeschoss gebildet hatten. Ihnen war nur schwer beizukommen.

Sie konnten nur im Wechsel von Innenangriff sowie den Außenangriffen mit dem Greifer der Hechinger Feuerwehr bekämpft werden. Mit einem Greifer musste zuerst mühsam die Dachhaut entfernt werden. Vor allem bei den Innenangriffen sei natürlich auf größtmögliche Sicherheit der Einsatzkräfte geachtet worden, sagte Hermann.

Erst nach rund einer Stunde war der Brand soweit eingedämmt, dass die Atemschutzträger mit "nur geringer Gefahr" hätten vorrücken können. Wie gefährlich solche versteckten Glutnester sind, wurde am frühen Dienstagmorgen sichtbar.

Gegen 6.45 Uhr musste die Feuerwehr noch einmal in die Beethovenstraße ausrücken. Eine Nachbarin hatte erneuten Funkenflug und Rauchentwicklung gemeldet. Für seine Mannschaft fand Hermann nur lobende Worte. "Der Einsatz wurde von allen Beteiligten gut bewerkstelligt."

Als "vorbildlich" lobte Hermann außerdem die Hilfsbereitschaft der Anwohner für die Rettungskräfte. "Uns wurden nicht nur die Garagen, sondern sogar die Haustüren für den WC-Gang oder zum Aufwärmen geöffnet." Erwähnen wollte Hermann auch den Umstand, dass während Überlandhilfe der Hechinger Kameraden in Rangendingen die Feuerwehren in Boll und Stein für eventuelle "Paralleleinsätze" in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt worden seien.

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Hechingen

Klaus Stopper

Fax: 07471 9874-21

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