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Rangendingen Der Künstler will partout kein Engel sein

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Fotos: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Bisher machte Rudolf Dieringer einzig als Romanschreiber von sich reden. Doch der Buchautor malt auch seit vielen Jahren. Jetzt stellt der Wahl-Münchner in der "Villa" in Potsdam aus.

Rangendingen. Ja, er habe eigentlich "schon immer" gemalt, sagt der gebürtige Rangendinger. Doch so richtig losgelegt hat er erst in diesem Jahr – "coronabedingt", denn als Hochschuldozent für Wirtschaftsinformatik an verschiedenen Hochschulen in Österreich hat auch ihn der Lockdown in den Hausarrest geschickt. Plötzlich habe er Zeit im Überfluss gehabt, sagt er – und so griff er zu Pinsel und Spachtel und stellte sich an die Staffelei, die er sich eigens dafür anschaffte.

Mit Erfolg, wie die Resonanz auf seine Bilder zeigt. Wie aus dem Nichts heraus wurde die deutsche Kunstszene auf den 55-Jährigen aufmerksam – mit dem Resultat, dass ab seit 28. August seine Werke zwölf Wochen lang in der renommierten Restaurant-Galerie von Ingo Hobelsberger in der "Villa Culinaria" in Potsdam ausgestellt werden. Zu der Ausstellung gibt es einen eigenen Katalog und die Bilder können über die Webseite daskunstDing.com erworben werden.

Fasziniert von einem Besuch in Karl Hurms Ausstellung in Haigerloch hat sich der weit- und weltgereiste Künstler viel mit der Kunst beschäftigt und sich für die Werke des in Berlin lebenden Russen Igor Oleinikov – einem Lüpertz- und Immendorf-Schüler – und des in München sehr präsenten Malers PeintreX – des deutschen Bansky, wie Dieringer sagt – begeistert. Von deren Kunst fühlt er sich inspiriert, wie er meint.

Bild aus dem Kopf wird in Farben versteckt

"Ich habe Bilder im Kopf", sagt Rudi Dieringer. Und die bringt er in einem bunten Mix aus Techniken und verschiedensten Farbmaterialien auf die Malpappe – Buntstifte, Aquarell, Acryl, Wandfarbe, Gips, Granit und immer wieder Lackspray. Letzteres kommt oft zum Abschluss quasi als Finish oben drauf. Die Grundlage hingegen bildet fast immer eine gegenständliche Stiftezeichnung, die "radiert" wird, wie der Künstler erklärt. Er selbst sagt: "Mein Anspruch ist, ein Bild in Farben zu verstecken. Sonst könnte ich ja fotografieren." Dieses Verstecken führt letztendlich dazu, dass die Bilder teils entfremdet und trotz der realistischen Zeichnung surreal wirken.

"Knockin‘ on Heavens Door" lautet der drohend wirkende Titel der Ausstellung, der mit seinem fragenden Zusatz "Sind wir noch zu retten?" aber auch einen Hoffnungsschimmer in sich trägt. Einigen der Bilder wohnt tatsächlich ein kalt-bedrohlicher Grundtenor inne, der oft grell mit einem apokalyptischen Blutrot aufgebrochen wird. Die teils realistischen Darstellungen wirken durch den pastösen Farbauftrag und die zudeckende Schicht aus Sprühlack wie aus dem Leben geworfen und suggerieren dem Betrachter eine hinter dem Sichtbaren verborgene Wirklichkeit.

Sinnbildlich steht dafür das Bild mit dem Titel "Black lives Matter? Kein Mensch kann sich hinter einer Farbe verstecken", bei dem einzig ein winziges Auge den Betrachter anblinzelt. Oder die Bilderreihe "Wir sind Papst" – eine flammende Anprangerung des Umgangs der katholischen Kirche mit Corona.

Und damit wird gleich deutlich: Das "Rammstein"-Zitat "Gott weiß, ich will kein Engel sein" steht auch für das Unbeugsame, das anarchische in Dieringers Kunst, die sich nichts verbieten lassen will.

Der Künstler nimmt das Zeitgeschehen und den Zeitgeist ins Visier: Die Zeit selbst, Kirche und Religion, die Gesellschaft und immer wieder taucht "Corona" wie ein Damoklesschwert in seinen Bildern auf. Sich selbst malt Dieringer als "Mann mit Hut" und als "Coronaspaziergänger" hinter einer Mund-Nasen-Maske. Die alles verdeckt, außer den Blick des Künstlers, der mit ihm gnadenlos hinter die Fassaden der Welt zu schauen scheint.

Weitere Informationen: Mehr dazu m Internet unter www.flussaushonig.de.

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