Die deutsche Fahne und die Hymne sollen zur Disposition stehen. Foto: dpa

Dass Länder ihre Hymnen und Fahnen ändern, kommt vor. Die Deutsche Einheit ist kein Anlass dafür, meint Christian Gottschalk.

Bodo Ramelow ist nicht irgendwer. Der ehemalige Ministerpräsident von Thüringen ist Vizepräsident des Bundestages und weit davon entfernt, Vertreter wirrer Ideen zu sein. Sein Vorschlag, die Deutschen über ihre Fahne abstimmen zu lassen und die Hymne zu überdenken, verdient es, nicht sofort als Schwachsinn abgeschmettert zu werden. Zumal Ramelow, anders als bei seinem fast gleich gelagerten Vorstoß vor sechs Jahren, mit Brechts Kinderhymne einen Alternativvorschlag einbringt. Allerdings: Die Idee hat kaum Aussicht auf Erfolg, und das ist gut so.

 

Eine der schönsten Hymnen der Welt

Die Deutsche Einheit und das Fremdeln der Ostdeutschen mit ehemaligen westlichen Insignien dient Ramelow als Argument. Es ist ein schlechtes. Der Text der deutschen Hymne gehört zu den angenehmsten der Welt. Anders als in den USA, wo Bomben in der Luft zerplatzen, anders als in Italien, wo man bereit zum Tod ist, anders als im martialischen Frankreich, wo das Blut die Furchen der Äcker tränkt, stehen Einigkeit und Recht und Freiheit für erstrebenswerte Werte einer Demokratie. Das dürften auch all jene akzeptieren, die bis 1989 anders sozialisiert worden sind. Dass Länder ihre Flaggen ändern, kommt vor. So wie in Südafrika nach dem Ende der Apartheid, in Libyen nach dem Sturz des Diktators oder in Kanada nach dem Ende der britischen Kolonialzeit. Mit Ereignissen dieser Art lässt sich die Deutsche Einheit nicht vergleichen. Das wird auch ein Bodo Ramelow nicht leugnen.