Zu ihrer 128. Generalversammlung hat die Raiffeisenbank Geislingen-Rosenfeld eingeladen. Die Bilanz des Geschäftsjahres 2023 lag damit deutlich später vor als gewohnt.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Rudi Rauch begrüßte die Anwesenden zu der herbstlichen „Pflichtveranstaltung“. Er sprach davon, dass 2023 „ein ausgesprochen anspruchsvolles“ Geschäftsjahr gewesen sei. Trotz der Herausforderungen in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld habe die Bank aber ein gutes Jahresergebnis erzielt, mit dem man zufrieden sei.
Grund zur Zuversicht
Der Vorstandssprecher Thomas Merz verwies in seinem Rückblick auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf ein gesunkenes Bruttosozialprodukt, schwindende Importe und Exporte. Immerhin sei die Inflation wieder gesunken, der Euro habe sich erholt und der DAX zugelegt.
Deutschland stecke seit anderthalb Jahren in der Stagnation. Sorgenkind bleibe 2024 die Industrie, aber 2025 solle das Bruttoinlandsprodukt wieder leicht wachsen. Merz nannte als Gründe die Kaufzurückhaltung der Verbraucher, schwache Exporte und hohe Energiepreise.
Trotzdem gibt es Grund zur Zuversicht: Lohne und Gehälter steigen wieder stärker als die Preise. „Die Kaufkraft nimmt zu. Das dürfte den Konsum und damit die Konjunktur stützen.“ Positiv auch: Die EZB hat die Zinsen gesenkt.
Die Raiffeisenbank Geislingen-Rosenfeld stehe ihren Kunden in dieser herausfordernden Zeit zur Seite. Man wolle den regionalen Mittelstand unterstützen, so Merz.
Gebühren steigen
Auch einen Erfolg vermeldete der Vorstandssprecher: Beim Vertrieb von Geldanlagen habe man bundesweit den zweiten Platz unter den Banken ähnlicher Größe erreicht.
Weniger erfreulich: Erstmals seit 2019 müssen die Kontoführungsgebühren erhöht werden. Grund dafür sind laut Merz gestiegene Kosten für Personal und digitale Technik.
Am Engagement der Raiba für die Gemeinschaft hat sich nichts geändert: 2023 erhielten 33 Vereine insgesamt mehr als 30 000 Euro Förderung. 2024 kommt als neues Projekt die Unterstützung der örtlichen Imker bei Tests auf die Bienenseuche Amerikanische Faulbrut hinzu.
Der Umfang von Geschäftsanteilen im Besitz von Genossenschaftsmitgliedern ist 2023 auf 4,4 Millionen Euro gewachsen. Jedes Mitglied darf bis zu 30 Anteile á 150 Euro besitzen.
Zinsen und Kredite
Vorstand Peter Ramsperger informierte über den Jahresabschluss 2023 und hielt fest: „Diese Zahlen haben im Oktober leider nicht mehr die gewünschte Aktualität.“
Deutschland und die Welt hätten den Krisenmodus nicht verlassen. Die Inflation erreichte ihren Höhepunkt im Oktober 2022 mit 10,6 Prozent. Die Europäische Zentralbank erhöhte die Zinsen insgesamt zehn Mal, um diese Entwicklung zu bremsen.
Für die Raiba bedeutete dies, dass auch sie weniger Kredite vergeben hat. Geld floß deshalb überwiegend in Anleihen mit fester Laufzeit, die bei höheren Zinsen an Kurs verlieren. Dass die Bank diese Verluste nicht abschrieb, schlug sich in der Bilanz nieder: 2022 und 2023 zusammengerechnet habe man ein Ergebnis von 0,13 Prozent über dem Durchschnitt des Genossenschaftsverbands, so Ramsperger. Isoliert für das Geschäftsjahr 2023 betrachtet lag das Ergebnis 0,32 Prozent unter dem Durchschnitt. Ramsperger ist aber zuversichtlich, dass wegen der fallenden Zinsen die Ergebnisse wieder deutlich besser werden.
„Noch zufriedenstellend“
Die Zusammenfassung des Prüfungsberichts verlas Florian Kiefer vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband. Demnach war die geschäftliche Entwicklung durch höhere Kundeneinlagen geprägt. Die Vermögenslage der Raiffeisenbank sei „geordnet“, die gebildete Risikovorsorge „angemessen“, die Ertragslage „noch zufriedenstellend“. Daher gebe der BWGV eine „uneingeschränkte Bestätigung“.
Jahresüberschuss
Vom Jahresergebnis 2023 blieb nach Abzug von Steuern und Risikofonds-Einlage ein Überschuss von rund 360 000 Euro verfügbar, nach Rücklagen noch rund 172 000 Euro. Dieser Betrag wird nach einstimmigem Beschluss der Versammlung als Dividende von vier Prozent ausgeschüttet und rückwirkend ab 1. Juli 2024 verzinst.
„Hervorragend behauptet“
Geislingens Bürgermeister Oliver Schmid befand in seinem Grußwort: „Unsere Bank hat sich am Markt hervorragend behauptet.“ Die Raiba sei ein verlässlicher Partner der Stadt, wirtschaftlicher Motor und Unterstützer der Gemeinschaft.
Er warf einen Blick auf die Wirtschaft in Geislingen: 1,8 Millionen Euro mehr aus der Gewerbesteuer erwartet die Stadt 2024. Leider sei das nur ein Einmaleffekt. Positiv aber: Die Stadt erwarte einen ausgeglichenen Haushalt. Damit ist Geislingen in der Minderheit: 80 Prozent der Kommunen gelinge das nicht, sagte Schmid.
Wahlen zum Aufsichtsrat
Turnusgemäß standen zwei Aufsichtsratsposten zur Neubesetzung: Bärbel Kramer und Harald Firmenich, beide aus Leidringen, standen weiter zur Verfügung und wurden für drei Jahre wiedergewählt.
Zahlen
Bilanzsumme
261,8 Millionen Euro (plus 1,4 Millionen Euro/4,5 Prozent)
Kreditvolumen
113,9 Millionen Euro (minus 34,1 Millionen Euro/23,1 Prozent)
Liquide Mittel
21,4 Millionen Euro (plus 6,1 Millionen Euro/39,8 Prozent)
Kundeneinlagen
211 Millionen Euro (minus 67 Millionen Euro/24,1 Prozent)
Eigenkapital
11,2 Millionen Euro (minus 12,6 Millionen Euro/52,9 Prozent)
Genossenschaftsmitglieder
3790 (minus 17/0,4 Prozent)
Bilanzgewinn
360 193 Euro (Vorjahr: 371 000 Euro)
Jahresüberschuss
172 000 Euro
Dividende
vier Prozent (Vorjahr: 2,75 Prozent)
Kundengelder
, die nicht für die Bilanz wirksam sind, haben von 76,4 auf 98,5 Millionen Euro zugelegt, ein Plus von 29 Prozent. Dieses Wachstum kommt vor allem aus dem Wertpapierbereich: Die Zahl der Depots hat sich um 62 auf 394 erhöht.