Der "Multimodale Knoten" am Nägelesgraben: Hier sieht der Rahmenplan ein weiteres Parkhaus (links) gegenüber des Culinara Parkplatzes vor sowie einen Zentralen Umsteigeplatz (Oval oben), der damit vom Friedrichsplatz wegverlegt wird. Grünanlagen und Spielflächen werden neu gestaltet. Neben dem Dominikanermuseum entsteht eine Aussichtsplattform (rechts). (Skizze) Foto: Eble Messerschmidtl

Während man aktuell in Überlingen darauf wartet, die Tore der Landesgartenschau (LGS) endlich öffnen zu können, werden die Rottweiler Pläne für 2028 konkret: Der Gemeinderat hat am Mittwochabend den Rahmenplan beschlossen. Der Kostenrahmen liegt jetzt bei 56,5 Millionen Euro – 8,5 Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant.

Rottweil - Man kann es als Meilenstein bezeichnen: Das Grobkonzept für die Landesgartenschau 2028 steht: die Revitalisierung des Neckars, eine grundlegende Umgestaltung des Bereichs Nägelesgraben mit neuem Zentralen Umsteigeplatz (ZUP), einem weiteren Parkhaus und einer Aussichtsplattform mit Blick auf die Hängebrücke sowie neue Aufzüge, die die Stadt mit dem Neckar als Erholungsraum und dem Bahnhof verbinden – das sind einige der großen Pflöcke, die nun gesetzt sind.

Neckar-Renaturierung wird zu 100 Prozent gefördert

Oberbürgermeister Ralf Broß erinnerte eingangs an die Anfänge, als man sich zunächst völlig freie Hand gelassen und alle wünschenswerten Bausteine für die LGS zusammengetragen habe. Der Rahmenplan und die Kostenfortschreibung sind nun das Ergebnis einer Klausurtagung von Verwaltung und Gemeinderat Ende März. Alle Bausteine wurden inhaltlich und wirtschaftlich geprüft – im Nacken saßen den Teilnehmern die aktuellen Entwicklungen im Finanzhaushalt der Stadt.

Unter anderem hat man sich von den Überlegungen zu einer das Neckartal überspannenden Hochbrücke zwischen Spital und einer künftigen Quartiersentwicklung am Langen Berg verabschiedet. Inzwischen ist auch der bisherige Stand aus den Fördergesprächen eingeflossen. Allein, dass die Neckar-Renaturierung wohl zu 100 Prozent vom Land gefördert wird, führe zu einer deutlichen Entlastung der Stadt. Gerade hier, am Neckar, liege laut OB Broß ein "besonderes Juwel". Angesichts der aktuellen Fördermöglichkeiten könne auch der aufwendige Lückenschluss entlang der Straße Neckartal für Fuß- und Radverkehr zwischen Spittelmühle und Gewerbepark Neckartal näher betrachtet werden.

Stadtentwicklung durch LGS vorantreiben

Man habe die LGS nun noch stärker mit der Stadtentwicklung verknüpft, so Broß. Es sei der besondere Reiz, betonte Rudolf Mager, der in der Verwaltung die LGS-Fäden in der Hand hat, in das Konzept möglichst viele "Sowieso-Projekte" zu packen. Projekte, die die Stadt eben sowieso in Angriff hätte nehmen müssen. Diese werden nun umgesetzt, "garniert mit einer Landesgartenschau".

Verschiedene Büros zeigten in der Sitzung die Möglichkeiten auf, die sich bei den einzelnen Punkten ergeben. Ein Fokus lag dabei auch auf dem Friedrichsplatz, der durch die Verlegung des ZUP eine ganz neue Chance bekommt.

Der Rahmenplan bildet nun die Basis für die Wettbewerbsverfahren und die Vergabe von Planungsleistungen, die zeitlich versetzt bis 2025/26 abgewickelt werden sollen. Unter anderem sollen dann auch Lösungen für eine einfache Querung der Gleisanlagen und des Neckars gefunden werden.

Jetzt muss es zügig vorangehen. Angesichts der großen Pläne scheint der Zeitplan für die Umsetzung ambitioniert. "Ruhe bewahren", gab OB Broß als Devise aus. Aufgrund der Komplexität der Aufgaben zusätzlich zur sonst anfallenden Arbeit bei der Stadt, soll im Vorgriff auf den Stellenplan 2022 im Fachbereich 4 eine Personalstelle mit dem Schwerpunkt "Mobilität" geschaffen werden.

Für den Rahmenplan gab es viel Lob und ein einstimmiges Ja – dennoch aber einige Nachfragen und Anregungen (wir berichten noch ausführlich). Über die "Farbgebung der Tulpen" und wie die vielen Ideen der Bürger genau umgesetzt werden – das, so Oberbürgermeister Ralf Broß, wird zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt.

Info: Multimodaler Knoten

Zentraler Umsteigeplatz (ZUP):

ZUP mit Haltestellen für acht Busse, Mittelfahrgasse

4 Doppelhaltestellen in Längsaufstellungn 

2 Haltestellen für Reisebusse an der Nägelesgrabenstraße

Weiteres Parkhaus:

Zweischiffiges Parkhaus mit schräg abgesetzten Schiffen und Atrium, ca. 215 Stellplätze

EG teilweise mit Gewerbe/Car-Sharing

Städtebau und Freiraum:

Aussichtsplattform Richtung Hängebrücke

Anbindung Dominikanermuseum

Verbesserung der Anbindung zur Innenstadt

Aufwertung Schlachthofstraße

Neugestaltung Freiraum/Spielplatz

Historischer Grüngürtel

Stadtprägendes Element mit einer Fläche von mehr als 11 Hektar

Ziel: eine ganzheitliche Flächenstrategie, aufbauend auf einzelnen Bausteinen

Teilnehmende Büros sollen Ideen einbringen – im Blick steht dabei auch die künftige Pflegeintensität

Der Rosswasen wird zusammen mit den Gartenbesitzern und -pächtern entwickelt. Vorhandene Ideen und Potenziale sollen genutzt werden – von möglichen Entdeckerpfaden bis zur naturnahen Bewirtschaftung.

Historische Innenstadt

Verlegung des ZUP am Friedrichsplatz, Umgestaltung

Weitere Sanierung der mittelalterlichen Gassen

Reduzierung des Verkehrs

Stärkung von Handel und Gastronomie

Der Neckar

Revitalisierung des Neckars zwischen Schindelbrücke in der Au und Prim-Mündung

Ablass des 900 Meter langen Anstau-Bereichs oberhalb des ENRW-Wehrs und Aufgabe der Wasserkraftnutzung

Verlegung des Landespegels in den bisherigen Anstaubereich

Der Landesbetrieb Gewässer BW übernimmt Trägerschaft und Planung der gewässerökologischen Maßnahme

Barrierefreie Anbindung

Die barrierefreie Wegeverbindung der historischen Innenstadt zum Neckar und zum Bahnhof soll mit zwei Aufzugsstandorten weiterverfolgt werden

Jeweils eine Aufzugsanlage ist im Bereich der Hochbrücke/Grafengasse und im Bereich Viadukt/Altes Gaswerk vorgesehen

Weiter geprüft wird der neue Ringzughalt Stadtmitte