Auf einer Art Altar hat das Bauhof-Team den Grabschmuck, der an Urnentürmen nicht gestattet ist, platziert. Ihren Engel aber vermisst unsere Leserin. Foto: Stadt Meßstetten/Volker Bitzer

Ein Engel, den eine Meßstetterin am Urnenturm-Grab eines Freundes aufgestellt hatte, ist mit weiterem Grabschmuck abgeräumt worden. Auf dem „temporären Altar“, wo das Bauhof-Team den Grabschmuck platziert hat, steht er nicht. Die Frau ist fassungslos.

„Große Fassungslosigkeit“ hat eine Meßstetterin am vergangenen Mittwoch erfasst, wie sie an unsere Redaktion schreibt, als sie auf den Friedhof kam: Auf der Steinplatte am Urnenturm sei nichts mehr gewesen: „Weder die Urnenvase noch die Rose – auch der Engel, alles war weg.“

 

Als Trauernde hatte sie eine Engelsfigur, die für sie eine besondere Bedeutung hat, an der Urnenkammer eines Freundes platziert. Doch diese und andere Erinnerungen, die Angehörige und Freunde von Verstorbenen auf der Steinplatte am Urnenturm hinterlassen hätten, seien einfach abgeräumt worden – ohne dass die Stadtverwaltung einen Hinweis an den Urnentürmen hinterlassen hätte, beklagt die Meßstetterin. „Wenn ein Grabfeld nach der Ruhezeit aufgelöst wird, gibt es Hinweisschilder, sogar noch zusätzlich einen Zettel auf dem Grabstein“, betont sie. „Für uns gab es keine Info seitens der Stadt – es wurde uns nicht die Möglichkeit gegeben, unsere Erinnerungsstücke, die wir mit unseren Verstorbenen in Verbindung bringen, selbst zu entfernen.“

Vor vier Jahren sei es die Aussage der Stadtverwaltung gewesen, dass es nicht erlaubt sei, an Urnentürmen etwas zu hinterlegen, doch es sei seit Jahren geduldet worden, schreibt sie. „Und dann so eine Aktion.“ Zwar habe sie in Erfahrung gebracht, dass alle Erinnerungsstücke auf einer Auslage lägen, wo sie sich ihre persönlichen Dinge zusammensuchen könne, doch zwei ihrer Andenken waren nicht dabei: „Sie sind weg, und das für immer!“

Den Engel, der ihr so viel bedeutet, entdeckte sie nicht, aber dafür zwei, die identisch seien: „Ja sollen die Betroffenen einmal würfeln, für welchen sie sich dann entscheiden“, wundert sie sich. „Was dies für mich und viele andere bedeutet, kann nur einer verstehen, der ebenfalls betroffen ist.“ Hinter diesen Steinplatten seien Schicksale verborgen, gibt die Frau zu bedenken und beklagt „null Respekt und Mitgefühl den Hinterbliebenen gegenüber, die einen geliebten Menschen verloren haben.“

Die Stadtverwaltung verweist auf Anfrage unserer Redaktion auf den „desolaten Zustand“, in dem das Urnenturm-Feld sich dieser Tage präsentiert habe: „Mit Menschenwürde an einem Ort der Ruhe und Erinnerung hatte das nichts mehr zu tun“, heißt es in einer Stellungnahme. Die „Ausreißer“ hätten sich gemehrt.

„Bauhof-Team geht mit Fingerspitzengefühl vor“

„So wickeln Hinterbliebene beispielsweise LED-Lichterketten, welche die ganze Nacht leuchten, um die Urnennische; andere befestigen selbstgebastelte Vasen mit Silikon am Turm; nicht wenige haben Weihnachtsgestecke oder Blumen vor die Grabstätten gelegt; diese sind längst verdorrt, aber nicht weggeräumt.“

Das Bauhof-Team, in dessen Zuständigkeit die Friedhofspflege falle, gehe bei „Verstößen“ gegen die Friedhofsordnung, die „das Anbringen von Blumenschmuck, Kerzen oder Ähnlichem an den Abdeckplatten“ untersage, „selbstverständlich mit größtem Fingerspitzengefühl“ vor, zumal „einzelne Angehörige sehr sorgsam, pfleglich und zurückhaltend mit Grabschmuck an Urnentürmen“ umgingen. Andere aber eben nicht.

Deshalb habe das Bauhof-Team „sämtlichen Grabschmuck an den Urnentürmen entfernt, diesen aber natürlich nicht entsorgt, sondern feinsäuberlich auf einer Art Altar an der Friedhofsmauer gesammelt.“ Dort könnten die Angehörigen ihre Erinnerungsstücke mit nach Hause nehmen.

Der Engel unserer Leserin freilich ist nicht dabei. Aber vielleicht hat ihn jemand versehentlich verwechselt – und stellt ihn wieder zurück.