Bei der Burladinger Stadtverwaltung und bei der Gauselfinger Ortsvorsteherin Silvia Roos herrscht Rätselraten. Es geht um das größte Wohnbauprojekt der vergangenen Jahre.
In Gauselfingen sollte in der Gauzolfstraße schon längst die Abrissbirne schwingen und statt der alten Ritter-Fabrik, der sehr unansehnlichen und verfallenen Textilbrache, auf rund 7000 Quadratmetern neue Wohnungen und Stadthäuser für Familien entstehen. Das Landratsamt hat die Baugenehmigung schon vor geraumer Zeit erteilt. Allein: Der Investor scheint abgetaucht.
Geplant hatte dort seit dem Jahr 2022 die österreichische Firma Riva Home mit Sitz in Dornbirn. Riva-Gründer Wilfried Hefel war dazu eigens zu einer Ortschaftsratssitzung mit Info-Veranstaltung angereist und hatte das Konzept dem Rat und den Bürgern vorgestellt.
Geplant war, alsbald die Abrissbirne zu schwingen
Entstehen sollen vier neue Gebäude. In zweien davon sind sogenannte Townhouses, zweigeschossige Wohnungen mit Dachterrasse für junge Familien geplant. In zwei gegenüberliegenden Gebäuden sollen barrierefreie Zwei- bis Vier-Zimmerwohnungen für ältere Menschen entstehen.
Dort ist ein Aufzug vorgesehen, in den Townhouses ist wenigstens der Schacht vorsorglich auch schon mal eingebaut. Insgesamt waren 32 Wohnungen geplant, nach der Überarbeitung der Pläne blieben noch 28 davon übrig.
Mit Photovoltaik und Wärmepumpe
Hefel sprach seinerzeit von „Ikea-Chic“ bei den Townhouses, einer sparsamen und funktionalen Bauweise. Die laufenden Kosten sollten durch Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern und Wärmepumpen gesenkt werden. Außerdem sollte es ein Mietkauf-Modell geben, das jungen Familien den eigenen Wohnraum erschwinglich macht.
Im Mai des Jahres 2024, nachdem die Baugenehmigung vom Landratsamt längst vorlag, sprach unsere Redaktion mit dem zuständigen Riva-Home Architekten Benjamin Gaugelhofer. „Wir sind jetzt in der Ausführungsplanungsphase“, erläutert der damals den Stand der Arbeiten.
Geplant war, alsbald die Abrissbirne zu schwingen. Noch im Jahr 2024 sollten die Bagger anrücken, um das alte Ritter-Gebäude komplett zu beseitigen. Wenn die einstige Fabrik abgerissen wäre, dann, so Gaugelhofer, könne der Baugrund vorbereitet werden und dann solle bis 2025 der Baubeginn erfolgen. Vergeben werden sollten die einzelnen Gewerke an lokal ansässige Handwerksbetriebe aus der Region, so Architekt Gaugelhofer damals.
Kontaktaufnahme mit der Firma läuft ins Leere
Allein: Passiert ist bislang noch nichts. Die unansehnliche Brache steht immer noch, und von einem Baubeginn kann bis jetzt, im Dezember 2025, keine Rede sein. Merkwürdig: Die Firma Riva Home scheint abgetaucht. Weder die Burladinger Stadtverwaltung, noch die Gauselfinger Ortsvorsteherin Silvia Roos erreichen im österreichischen Dornbirn derzeit einen Ansprechpartner. Beim letzten Kontakt ging es um Zuschüsse, die der Investor beantragen wollte und die offensichtlich gewährt wurden.
Eine Anfrage blieb unbeantwortet
In der vergangenen Woche stellte auch unsere Redaktion eine schriftliche Anfrage an den laut Internetauftritt zuständigen Pressesprecher. So wollten wir unter anderem wissen, warum sich der Abriss und Neubau verzögert und ob sich an den ursprünglichen Plänen etwas geändert habe, wie viel Zeit für Abriss und Schuttbeseitigung benötigt werde und ob diese Arbeiten bereits ausgeschrieben oder gar vergeben sind.
Auch nach sieben Tagen blieb unsere Anfrage unbeantwortet. Anrufe bei den im Internet veröffentlichten Telefonnummern liefen ins Leere. Die Nummern seien nicht bekannt, wird per automatischer Ansage mitgeteilt. Auch Silvia Roos und der Burladinger Bürgermeister Davide Licht sind mit ihren Versuchen, Kontakt mit der Firma Riva Home aufzunehmen, weiter glücklos geblieben. Das Rätselraten geht also vorerst weiter.