Roberto Chiari nahm im Januar 2022 auf dem Chefsessel des Rathauses Platz. Foto: Fritsch

Der erkrankte Bad Liebenzeller Bürgermeister hätte Anfang März zurückkehren sollen. Doch auch in den kommenden Wochen muss sein Stellvertreter den Job übernehmen. Und dann?

„Die Diagnose lautet Erschöpfungssyndrom“, sagte Bürgermeister Roberto Chiari vor einem knappen Jahr im Gemeinderat. Zuvor war er mehrere Wochen krankheitsbedingt ausgefallen. Er fehlte im Rathaus vom 17. März bis zum 2. Mai 2025.

 

„Körperliche Gesundheit ist messbar – seelische Belastung weniger. Aber sie ist genauso real“, sagte Chiari, als er dann zurückkehrte. Er sprach damals auch von einer in Teilen schwer belasteten Arbeit im Gemeinderat. Es gebe dort Kräfte, die sein politisches Aus zum Ziel hätten.

Doch Chiaris Rückkehr war nur von kurzer Dauer. Bereits ab dem 16. Mai fehlte er erneut. Chiari sei wieder krankgeschrieben, sagte sein Stellvertreter Sebastian Kopp (UL) damals. Der führt seither die Amtsgeschäfte. Da der Stellvertreterposten ein ehrenamtlicher Job ist und Kopp nebenher seinem normalen Beruf als Bestatter nachgehen muss, stellte ihm der Gemeinderat Andreas Hölzlberger an die Seite. Haiterbachs Alt-Bürgermeister fungiert seit Juli als interner Verwaltungsleiter und entlastet Kopp.

Kritik aus dem Gemeinderat Seit über einem halben Jahr leitet dieses Duo nun schon die Geschicke der Stadt. Oft kam im Gemeinderat die Frage nach der Rückkehr Chiaris auf. Kopp gab dabei kaum Auskunft. Er erklärte jeweils, dass er lediglich wisse, dass der Bürgermeister noch immer krankgeschrieben sei.

Der stellvertretende Bürgermeister Sebastian Kopp (links) leitet die Amtsgeschäfte im Liebenzeller Rathaus. Andreas Hölzlberger übernimmt die Leitung der internen Verwaltung. Foto: Biermayer

Zwischenzeitlich tauchte Chiari, der auch für die CDU im Kreistag sitzt, zur Wiederwahl von Landrat Helmut Riegger im Landratsamt auf. Im Gremium, dass keine offiziellen Informationen über Chiaris Verbleib bekommt, kam das sehr schlecht an. Das wurde auch deutlich, als sich das Gremium damit beschäftigte, Hölzlbergers im Dezember auslaufenden Vertrag bis Ende März zu verlängern. Aus CDU und AfD wurde Kritik an den Kosten laut, die Hölzlbergers Beschäftigung bei der Stadt verursacht.

„Wir können uns keine zwei Bürgermeister leisten“, sagte Norbert Maier (AfD). Dietmar Fischer (CDU) wollte einen Brief ans Landratsamt senden, um von dort mehr Informationen über Chiaris Verbleib zu bekommen. Das Landratsamt ist die Dienstaufsichtsbehörde für Bürgermeister. Hölzlbergers Vertrag einfach zu verlängern, baue wenig Druck auf, so Fischer. Doch der Gemeinderat stimmte für Hölzlbergers Weiterbeschäftigung bis Ende März. Bis Ende März deshalb, weil Chiari bis zum 6. März krankgeschrieben war. Nach Rückkehr und Wiedereingliederung könnte Chiari ab April die Amtsgeschäfte wieder voll leiten, so die Idee dahinter.

Der 6. März verstrich. Chiari kehrte nicht zurück. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Hölzlberger, dass Chiari „aus der stationären Maßnahme Ende Januar entlassen“ wurde. Am 6. März sei aber „eine weitere Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei der Stadtverwaltung“ eingegangen. Damit sei Chiari bis 31. März krankgeschrieben.

Mehrere Varianten möglich Doch wie geht es nun weiter? Wann Chiari zurückkomme, könne er nicht sagen, so Hölzlberger. „Im Beamtenrecht gibt es in Fällen von Langzeiterkrankung verschiedene Möglichkeiten der Vorgehensweise. Da ist jedoch nicht die Stadt Bad Liebenzell, sondern das Landratsamt als Dienstaufsicht die zuständige und entscheidende Stelle“, sagte er.

Im Grunde gibt es mehrere Möglichkeiten. Erstens könnte Chiari ab 1. April zurückkehren und die Amtsgeschäfte übernehmen. Zweitens könnte die Krankschreibung nochmals verlängert werden. Drittens könnte er per ärztlichem Gutachten für dienstunfähig erklärt werden. Viertens könnte Chiari jederzeit zurücktreten. In den beiden letzten Varianten müssten die Bad Liebenzeller in absehbarer Zeit einen neuen Bürgermeister wählen.

In jedem Fall wird den Gemeinderat das Thema in seiner Sitzung Ende März beschäftigen. Denn dann stellt sich wieder die Frage, ob Hölzlbergers Vertrag nochmals verlängert wird. Vielleicht kann die Verwaltung bis dahin mit belastbareren Informationen zur Zukunft des Bürgermeisterpostens aufwarten.