Auf dem Kartenmaterial von Google Maps ist mitten im Tannheimer Wald eine „geheiligte Stätte“ eingezeichnet. Als Name wird Urchläb angegeben.
Aber wie könnte das denn heißen, etwa Ur-Chläb, wie alemannisch für Kleber, oder gar Ur-Leim oder Ur-Suppe. Es ist Spekulation.
In zwei Rezensionen zu diesem Eintrag auf Google Maps von vor zwei Monaten wird Folgendes gesagt: „Ich bin extra aus Kanada angereist, und habe diese geheiligte Stätte mit großer Hoffnung besucht. Tatsächlich habe ich hier eine Wendung erlebt, die ich nur als Wunder bezeichnen kann.“
Der zweite Bericht lautet: „Urchläb hat mich von meinen jahrelangen Rückenschmerzen geheilt! Ich bin dankbar für diesen mystischen Ort.“
Ein magischer Ort?
Also ein magischer Ort, an dem Wunder geschehen oder geschehen können, eine Art Wallfahrtsort oder eine religiöse Kultstätte. Schaut man sich die Landkarte etwas genauer an, dann kann es nur das Gebiet sein, in dem der Städtische Forst in den vergangenen Jahren die Wasserquellen des Tannheimer Waldes im Gebiet zwischen Franzosenweg und Raudobelweg generalüberholt und mit einem Sammelbehälter ausgestattet hat.
Man könnte jetzt sagen, Wasserquellen gelten seit der Steinzeit und in vielen Kulturen als geheiligte Orte, oft verehrt als Geschenk der Götter, Quelle des Lebens oder Orte mit heilender Wirkung. Sie verbinden oft den Volksglauben mit christlicher Tradition, wobei viele Quellen heute als Wallfahrtsorte oder Kraftplätze dienen.
Was spielt sich im Tannheimer Wald ab? Seltsam, dass in Tannheim bis dato noch niemand von dieser Gegebenheit wusste. Ortsvorsteherin Anja Keller wurde darauf aufmerksam gemacht. Ihre ersten Gedanken waren: „Gibt es da etwas Okkultes bei uns?“ Und auch in der katholischen Kirchengemeinde Engagierte waren äußerst verblüfft über diese Neuheit.
Betrachtet man das bei Google Maps beigefügte Foto, so ergibt sich ein anderes Bild, das an der Authentizität mit dem Tannheimer Wald zweifeln lässt. Im Foto ist eine Steinumfriedung zu sehen, die an Stonehenge oder an Menhire wie in Carnac erinnert.
Gewöhnliche Findlinge
Im Tannheimer Wald haben die Quellzonen eine gepflegte Freizone, damit das Gelände wegen der Quellen offen bleiben kann und nicht mehr zuwuchert. Dieses Gelände ist denn auch mit einer Steinumfriedung zum übrigen Wald hin abgegrenzt.
Dies sind jedoch keine menhirartige Steine wie auf dem Google-Maps-Foto, sondern gewöhnliche Findlinge, wie sie fast überall zu finden sind. Und auch das Wald- und Buschwerk im Hintergrund unterscheidet sich ganz grundlegend.
Fazit: Was in Google Maps mit Tannheim in Verbindung gebracht wird, kann so mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Es sei denn, es gibt noch Informationen und Zusammenhänge, auch spirituelle, die sich dem Betrachter bislang entzogen haben.