Die Brücke über die Bahn in der Rheinstraße ist in keinem guten Zustand mehr – ein Neubau ist alternativlos. Foto: Köhler

Die Ausgaben in Höhe eine halben Million Euro, um so lange wie möglich den Status quo in der Rheinstraße zu erhalten, sind alternativlos. Das war der Tenor im Lahrer Rat.

Eine Machbarkeitsstudie für 70.000 Euro, ein Monitoring für 50.000 Euro, 76.000 Euro für neue Schilder und „Sonstiges“ sowie 310.000 Euro für ein Wiegesystem: Der Gemeinderat bewilligte am Montagabend die außerplanmäßigen Haushaltsausgaben für die Bahnbrücke in der Rheinstraße. Wie berichtet, ist ein Neubau langfristig alternativlos. Bis dahin, da waren sich Räte und Verwaltung einig, soll eine Sperrung der Brücke so lange wie möglich vermieden werden.

 

Zunächst informierte Baubürgermeister Tilman Petters jedoch über den Sachstand – und hatte einige neue Informationen in petto. „Die Brücke könnte ohnehin nicht so bleiben“, teilte er mit. Grund sei die Ertüchtigung der Bahngleise im Rahmen des Rheintalbahnausbaus. Neue Regelungen würden dann eine um drei Meter höhere Brücke vorschreiben. Diese könne nicht an gleiche Stelle gebaut werden, da die Straße sonst wohl zu steil würde. Das wäre für Fahrradfahrer problematisch sei und würde die ohnehin schwer einzusehende Situation am Abzweig zur Alten Rheinstraße noch verschärfen. „Man muss eigentlich nebendran bauen“, so Petters. Durch eine Verlagerung nach Norden würde die Fahrstrecke verlängert – und der Anstieg so nicht allzu steil.

Wie genau aussehen könnte, soll die Machbarkeitsstudie überprüfen. Ein Vorteil wäre, dass man die bestehende Brücke als auch die Bahn wohl nur wenige Wochen vollständig sperren müsste. Das gehe aber nur, wenn man die alte Brücke „so lange wie möglich am Leben“ lässt.

Räte wollen kein Risiko eingehen

Die Räte stimmten der Vorgehensweise zu. „Wir möchten kein Risiko eingehen. Das ist das allerwichtigste“, sagte etwa Dorothee Granderath (Grüne). Sven Haller (AfD) befürwortete die Prüfung der Lage via Machbarkeitsstudie. „Wir haben keine Alternative. Die Stadt wäre sonst abgeschnitten, wenn die B 415 gesperrt ist“, sagte Roland Hirsch (SPD). Jörg Uffelmann (FDP) wies auf die „extrem angespannte Haushaltslage“ hin und dass das Problem mit der Brücke zu einem „ungünstigen Zeitpunkt“ komme.

Eberhard Roth (Freie Wähler) hakte nach, wer die Kosten zu tragen habe, sobald eine neue Brücke gebaut wird. Petters entgegnete, dass sich die Verwaltung und die DB wohl viel gegenseitig in Rechnung stellen würden: „Die zusätzlichen drei Meter zahlt sicher nicht die Stadt.“ Während das vorwiegende Interesse der Bahn sei, dass die Züge fahren, liege das Augenmerk der Stadt auf den funktionierenden Straßenverkehr. Deshalb werde man sich einen Rechtsberater an die Seite stellen.

Unglück in Dresden machte die Stadt Lahr hellhörig

Rudolf Dörfler (CDU) erkundigte sich nach Alternativen. Man wisse schließlich noch nicht sicher, ob der Ausbau der Rheintalbahn überhaupt vonstatten gehen wird. Dörfler brachte daher eine Stahlstützkonstruktion ins Spiel, die die Brücke im Bestand sichern solle. Petters versicherte, dass dies im Rahmen der Machbarkeitsstudie geprüft werde. Dörflers Fraktionskollege Harald Günther interessierte sich dafür, wie häufig die Statik der Brücke in der Vergangenheit überprüft wurde. Hier erklärte Roland Richter, Abteilung Tiefbau, dass alle sechs Jahre eine Hauptprüfung detaillierte Aufschlüsse über den Zustand gebe. Diese fand zuletzt vor Weihnachten statt – „jetzt haben wir das Dilemma“. Petters erinnerte an das Unglück der Carola-Brücke in Dresden, durch das man in Lahr hellhörig geworden sei. Die Bahnbrücke in der Rheinstraße sei auf ähnliche Weise gebaut worden.

Hirsch wollte wissen, ob Verstöße gegen die Tonnagebeschränkung mit Bußgeld geahndet würden. Petters bestätigte dies. Wer die Regelungen missachte, müsse zudem mit Punkten im Fahreignungsregister rechnen.

Kritik an Schnellschuss

Eberhard Roth und andere Räte sprachen den „Schnellschuss“ der Verwaltung an, die am 9. April zunächst die komplette Sperrung verkündet hatte. Eine Stunde später ruderte sie zurück und gab lediglich neue Einschränkungen bekannt. Roths Bitte: „Schnellschüsse vermeiden“, bevor die Information für Unsicherheit sorgt. Petters bat um Verständnis: „Es mag wie Rumgeeier gewirkt haben, aber das war das Ergebnis des Bemühens, einen sicheren Zustand zu schaffen.“ Erste Aussagen hätten die Vollsperrung nahegelegt, dann habe das Ingenieurbüro doch die Möglichkeit einer weiteren Tonnagebeschränkung in Aussicht gestellt.