Teilweise sehr teure und aufwändige Maßnahmen umfasst das Radverkehrskonzept in Oberndorf. Nun will man Prioritäten setzen. Eine Strecke sorgt besonders für Diskussionen.
Umgesetzt werden soll nun erst einmal, was den größten Nutzen verspricht und verhältnismäßig einfach zu realisieren ist – etwa, weil die Stadt die nötigen Flächen bereits besitzt. Fast alle sieben Maßnahmen auf der Prioritätenliste sollen noch in diesem Jahr geplant und soweit wie möglich begonnen werden, so die Ankündigung. Der Gemeinderat hatte noch Klärungsbedarf.
Der größte Diskussionspunkt: die Ost-West-Verbindung von Bochingen in die Kernstadt und dabei insbesondere die Boller Steige, momentan Priorität Nummer sieben. Auf dieser soll gegebenenfalls eine Fahrradstraße ausgewiesen werden, außerdem sind die Asphaltierung des wassergebundenen Abschnitts (Alte Steige) und eine radverkehrsverträgliche Lösung für die Schranke am Schützenhaus vorgesehen. Kostenpunkt Stand 2023: rund 207 000 Euro.
Kooperationsprojekt mit dem Land
Weitere geplante Maßnahmen in der Verlängerung Richtung Osten sind der Ausbau eines straßenbegleitenden Weges an der L 415 (Balinger Straße) mit 2,50 Metern Breite und Sicherheitstrennstreifen oder einer Leitplanke zur Landstraße (rund 84 000 Euro) sowie die Gestaltung des Knotenpunktes L 415 Balinger Straße/Bochinger Straße/Enger Schlattweg, möglicherweise mit einem Kreisverkehr (rund 66 000 Euro).
Mit im Boot sei das Land, das diese sehr große Maßnahme positiv bewerte. Das Regierungspräsidium habe sich das Stück von Boll bis zur Kernstadt „ausgeguckt“, erklärte Jana Wachter, Amtsleiterin im Bereich Öffentliche Ordnung und Bürgerservice.
Momentan lägen die weiteren Planungen dort aus finanziellen Gründen auf Eis. Die Stadt bleibe da aber dran, versicherte Wachter. Und das RP habe jedenfalls seinen Umsetzungswillen signalisiert, so Bürgermeister Matthias Winter.
Aus seiner Sicht sollten die drei Maßnahmen gestrichen werden, meinte Markus Danner (FWV) und wies unter anderem darauf hin, dass Asphaltierung der Boller Steige im Winter die Gefahr von Glätte und damit das Unfallrisiko deutlich erhöhen würde.
Viel Verkehr in der Rosenfelder Straße
Reiner Emmering (SPD) vermisste die Rosenfelder Straße auf der Liste. Die Hochbrücke sei da ein neuralgischer Punkt, erklärte Wachter, denn diese müsse irgendwann saniert werden. Bei der Ausführung gebe es viele tolle Ideen, um auch den Radverkehr zu berücksichtigen, gleichwohl werde das finanziell ein „großer Batzen“, kündigte sie an.
„Das Radverkehrskonzept ist eine Daueraufgabe“, meinte Bürgermeister Winter. Wann immer man Strecken saniere, werde man den Radverkehr bei der Planung einbeziehen, meinte er und verwies auf das Beispiel der Austraße. Im Sinne einer Kostenoptimierung sei bei Projekten wie der Hochbrücke Geduld erforderlich.
Auf der Hochbrücke wird’s eng
Mit Fortschreiten der Planungen werde ihm immer klarer, dass der Verkehrsraum mit diesem Projekt komplett überfordert würde, meinte Dieter Rinker (FWV) mit Blick auf den Bereich Rosenfelder Straße/Hochbrücke. Es stelle schlichtweg keine komfortable Lösung dar.
Wenn er an einzuhaltende Mindestabstände und Querungen denke, die noch gar nicht berücksichtigt seien, glaube er nicht, dass das irgendwie funktionieren könne. Rinker sprach angesichts dessen, dass man mal hier, mal da Maßnahmen vornehme, außerdem von Flickschusterei.
Alles auf einmal umsetzen könne man schon aus finanzieller Sicht nicht, machte Winter klar, dass es nur bausteinartig funktionieren könne. Man setze hier den Willen des Gremiums um – Radverkehr sei schließlich ein Baustein der Mobilität – und wolle dabei möglichst optimiert vorgehen. Und bei einer ohnehin fällig Sanierung der Hochbrücke böten sich solche Überlegungen an.
Tempo 30 in der Teckstraße
Ruth Hunds (SPD) äußerte Freude darüber, dass die Teckstraße bis zur Einmündung Werkstraße zur Tempo-30-Zone werden soll. Im Zuge dessen soll auch der Fahrrad-Schutzstreifen aufgelöst werden. Sie wunderte sich nur über die angesetzten Kosten in Höhe von 72 000 Euro.
Vermutlich wären das die Kosten für eine Fahrradstraße. Das sei eine alternative Idee gewesen, klärte Jana Wachter auf. Die Kosten müssten bei allen Maßnahmen in der Prioritätenliste noch auf den aktuellen Stand gebracht werden, erklärte sie.
Weg an der Spindel
Ganz oben auf der Prioritätenliste steht die Öffnung der Spindel am Bahnübergang (Bahnhofstraße) mit einer Anpassung der Geländerhöhe für den Radverkehr. Außerdem soll der Gehweg zwischen Spindel und Rosenbergstraße zu einem gemeinsamen Geh- und Radweg mit 2,50 Metern Breite ausgebaut werden (Kostenschätzung 2023: 36 000 Euro).
An dritter Stelle auf der Liste steht eine Ertüchtigung des gemeinsamen Geh- und Radwegs zwischen Hölderlin- und Dammstraße für rund 92 000 Euro. Momentan sei geplant, ihn in der aktuellen Ausführung zu asphaltieren, meinte Bürgermeister Winter auf Nachfrage von Bernhard Maier (BfO), der fand, dass der Weg breiter werden sollte. Details seien noch zu planen, so der Bürgermeister.
Jetzt soll es vorangehen
Die Prioritätenliste war am Dienstag lediglich zur Kenntnisnahme vorgesehen. Die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen werde jeweils noch beraten, kündigte Winter an.
Auf Reiner Emmerings Frage, was man 2026 schon umsetzen könne, meinte Wachter, man habe eine Pauschale in den Haushalt eingestellt. Ein Teil davon werde sicherlich noch für die Planung benötigt. Nun schaue man mal, wie weit man damit komme.