Die Radwegverbindung zwischen Mötzingen und Öschelbronn ist ein echter Dauerbrenner. Auf der Zielgeraden kochten im Mötzinger Gemeinderat allerdings noch mal die Emotionen hoch.
„Wir wollen heute final grünes Licht für die Umsetzung geben“, erklärte Bürgermeister Benjamin Finis mit Blick auf die veränderte Planung. Für reichlich Unmut im Gremium sorgte jedoch ein ursprünglich so nicht vorgesehener Eigenanteil der nicht förderfähigen Kosten von rund 55 000 Euro.
Geplant wird die Radwegverbindung zwischen Mötzingen und Öschelbronn parallel zur Kreisstraße K 1076 bereits seit 2019, doch die notwendigen Arten- und Naturschutzgutachten sowie die langwierigen Grundstücksverhandlungen mit den betroffenen Eigentümern zogen die Planung in die Länge. Denn auf einer Strecke von rund 700 Metern ist dabei auf Mötzinger Markung ein Trassenneubau erforderlich. Die bauliche Umsetzung ist im kommenden Frühjahr angedacht.
Weil der Ausbau des Radwegenetz ein erklärtes Ziel von Bund und Land ist, ergibt sich von diesen Seiten eine 90-prozentige Bezuschussung der förderfähigen Kosten, während der Landkreis Böblingen den verbleibenden Teil der förderfähigen Kosten durch ein eigenes Zuschussprogramm abdeckt.
Förderzusage von 1,34 Millionen Euro
Unterm Strich gibt es aktuell Förderzusagen über rund 1,34 Millionen Euro – was den förderfähigen Kosten entspricht. Nachdem sich die Gesamtkosten des Projektes zwischenzeitlich auf 1,49 Millionen Euro summieren, werden also Kosten in Höhe von 154 000 Euro als nicht förderfähig eingestuft. Darunter fällt die Deckensanierung des bestehenden Feldweges auf Markung Mötzingen ebenso, wie eine Verbreiterung auf 3,50 Meter, um die Nutzbarkeit des Weges für forstbetriebliche Maßnahmen sicherzustellen.
Für die Gemeinde Mötzingen ergibt sich nach Berechnung der Verwaltung voraussichtlich ein Eigenanteil von circa 55 000 Euro, wenn der Radweg in der geplanten Weise realisiert wird. Die Krux daran: Würde Mötzingen jetzt aus der Planung aussteigen, würde die Gemeinde auf bereits angefallenen Kosten von 83 000 Euro sitzenbleiben, weil deren Förderung dann natürlich entfallen würde.
„Wir fahren leichter, wenn wir den Eigenanteil mittragen, auch wenn das ursprünglich so nicht geplant war“, stellte der Rathauschef fest – und die Diskussion war eröffnet.
Hampel: Kein Fan des Radwegs
„Ich bin kein Fan dieses Radweges“, bekannte Daniel Hampel (Mötzinger Liste). Nachdem der Wald von Wegen durchzogen sei, auf denen man mit dem Rad nach Öschelbronn fahren könne, stellte sich für ihn die Frage, ob der Radweg Sinn mache. „Diese Diskussion kommt sechs Jahre zu spät“, erwiderte Finis, dass man mittlerweile keine Grundsatzdiskussionen mehr führe. Vielmehr drehe es sich um die Frage, „ob wir 83 000 Euro für Nichts ausgeben“ – oder eben 55 000 Euro für einen durchgehend nutzbaren Rad- und Wirtschaftsweg.
Wie Egon Stoll in Erinnerung rief, sollte das Projekt eigentlich kostenneutral für Mötzingen sein, auch wenn Synergieeffekte für den Forst erreicht würden. Zudem betonte er mit Blick auf den Landkreis: „So kann man mit den Gemeinden nicht umgehen und mich stört diese Vorgehensweise granatenmäßig“.
Aigner: Emotionales Thema
Von einem emotionalen Thema sprach MLi-Rat Alfons Aigner, doch dürfe man trotzdem nicht kurz vor dem Loch Nein sagen. „Wir sind so weit gegangen, und müssen jetzt auch über diese Hürde springen“, so Aigner. „Ich stimme zähneknirschend zu“, brachte Rainer Stefanek (MLi) die Befindlichkeit der Ratsmehrheit auf den Punkt. Bei der folgenden Abstimmung waren denn auch sieben Räte mit dem Vorschlag der Verwaltung einverstanden, drei stimmten dagegen und drei enthielten sich der Stimme.