Die wiedererbaute Holzbrücke zwischen Erpfingen und Stetten über die Erpf verbindet den Zollernalbkreis mit dem Landkreis Reutlingen.
Zwar handelt es sich um einen Rad- und Wanderweg, doch Radfahren war auf der Erpfbrücke zwischen Stetten und Erpfingen vordem nicht erlaubt. Zum einen begrenzte kein Geländer den Steg – was den Sicherheitsbestimmungen widersprach.
Zum anderen wurde die Überquerung bei Gegenverkehr schnell zu eng. Eine Hinweistafel forderte deshalb dazu auf, abzusteigen und zu schieben. Wie gewissenhaft diese Anweisung befolgt wurde? Es sei einmal dahingestellt.
In schlechtem Zustand befand sich das Bauwerk aus der Zeit des Sonnenbühler Flurbereinigungsverfahrens nach 1996 ohnehin. Wohl fühlt sich ringsum allerdings eine Biberfamilie. Sie unterhöhlt fleißig das Gelände und sorgt verschiedentlich für Überschwemmungen.
Artenschutz verlangt sein Recht
Der Plan, die Brücke zu erneuern, wurde bereits vor vielen Jahren gefasst. Einen ersten Förderantrag brachte die Gemeinde Sonnenbühl 2019 auf den Weg. Doch so schnell ging das nicht. Unter anderem musste den Belangen der Biber Rechnung getragen werden. Viele Planänderungen waren notwendig; darin beständig eingebunden: der Biberschutzbeauftragte des Landkreises Reutlingen, Axel Tuor.
Der Bau gestaltete sich nicht nur aufgrund des Biberschutzes – der zugleich die Brücke schützt – aufwendig. So steht die neue Konstruktion auf 2000, vier Meter langen Stahlrohrschrauben, die in festere Erdschichten eingedreht werden mussten. Erst nach dieser „Gründung“ konnten die Mannen von Holzbau Gulde/Steinhilben zu Werke schreiten. Stets dabei hatten sie zwei Paar Schuhe oder Stiefel: Eins für Arbeiten im schlammigen Sumpfgelände, das andere, saubere Paar, wenn man anschließend auf der Brücke schaffte. „Sie sollte ja nicht schon zur Einweihung aussehen wie die S...“, meinte Firmenchef Josef Gulde bei der Übergabe. Mühe und Umsicht haben sich gelohnt. Das Bauwerk aus Douglasienholz darf man als ein wahres Schmuckstück bezeichnen. Funktionstüchtig und elegant in seiner geschwungenen Form.
Erhebliche Baukosten
Mit dem Bau wurde der Fuß- und Radweg von Erpfingen wie auch von Stetten her frisch asphaltiert. Insgesamt kostete das Projekt 425.000 Euro. 70.000 Euro steuerte die Stadt Burladingen bei. Zwar liegt die Brücke selbst auf Sonnenbühler Markung und im Kreisgebiet Reutlingen, doch der Fahrradverkehr und die Anbindung in den Nachbarkreis sind der Stadt Burladingen ein Anliegen. Zudem entfallen 700 Meter des insgesamt 1,4 Kilometer neu asphaltierten Weges auf das Gebiet der Stadt. Daher bezeichnete Bürgermeister Davide Licht, der zusammen mit der Stettener Ortsvorsteherin Sandra Schäfer der Übergabe beiwohnte, in seinem Grußwort Brücke und Weg als „interkommunales Projekt“. Es diene dem Tourismus ebenso wie dem Pendlerverkehr und mache Natur und Landschaft erlebbar.
Sonnenbühls Bürgermeister Michael Schmidt bedankte sich bei allen Beteiligten, vorneweg bei seinen Rathausmitarbeitern und Ortsbaumeister Hummel, zumal aber für die erhaltenen Fördermittel von Bund und Land. (Die Zuschüsse stammen aus dem Sonderprogramm Stadt und Land sowie aus der Förderung nach dem LGVFG, Verkehrsfinanzierungsgesetz).
Mit der Schere zu Werke
Gemeinsam mit Erpfingens Ortsvorsteher Dirk Brandner schritt man anschließend zur symbolischen Freigabe, zerschnitt das Flatterband, das Wanderer und Radler bis dahin noch von der Benutzung der Brücke abgehalten hatte. (Auch wenn sich offenkundig in den Tagen zuvor schon etliche darunter hindurchgemogelt hatten.)