Es war ein langer Weg zu sich und einem Leben ohne Brust. Nun ist Antje Proft glücklich und will anderen Frauen Mut machen. Ihre Radtour beginnt in VS.
Noch sind es sieben Wochen, bis sich die 54-Jährige auf den Weg von Leipzig in den Südwesten macht, um eine besondere Radtour in Villingen-Schwenningen zu starten, ihre Mutmach-Tour, wie sie es auch im Telefonat mit unserer Redaktion nennt. Denn seit 2012 lebt Antje Proft mit Brustkrebs, über Jahre mit Silikonkissen, das sie aber nicht wirklich annehmen konnte: „Es war wie ein Fremdkörper für mich“, erzählt sie. „Ich trage ja nicht einmal Schmuck“, fügt sie hinzu. Als sie im Jahr 2021 zum vierten Mal an Brustkrebs erkrankte, befasste sie sich zum ersten Mal mit dem Thema, „ohne Brust zu leben“ und machte sich auf die Suche nach Frauen, für die das bereits Lebensgeschichte und Realität war.
Kontakte mit betroffenen Frauen bestärkten sie in ihrer Wahrnehmung und späteren Entscheidung. Seit Oktober 2021 lebt auch sie ohne rechte Brust. Für alle sichtbar, denn sie kaschiert dies weder durch Epithese, einer aus Silikon gefertigten Prothese, noch durch Brustaufbau. Bei ihrem Entschluss wurde sie durch den Verein „Ablatio mammae – Selbstbewusst ohne Brust“ (AMSOB) unterstützt. Dem Verein ist es wichtig, „dass auch die Option ‚brustlos zu sein‘ in der Beratung durch medizinisches Personal Platz findet sowie gesellschaftliche Akzeptanz erfährt“.
Entscheidung nicht bereut
Die Bauingenieurin aus Sachsen hat ihre Entscheidung nicht bereut. „Ich bin wieder ich und bin glücklich“, erzählt sie. Und dieses Lebensgefühl möchte sie auch anderen mitgeben. Was ihr auch ein großes Anliegen ist: Viel zu wenig werde die Alternative, „brustlos zu leben“, in Beratungsgesprächen mit betroffenen Frauen erwähnt. Deshalb will Antje Proft auf ihrer ausgedehnten Radtour Brustzentren an der Donau besuchen, unter anderem plant sie, in Tuttlingen, Sigmaringen und und auch in Passau Halt zu machen, wo sie ihre Deutschlandtour am 1. September beendet, berichtet die 54-Jährige, die leidenschaftlich gerne Rad fährt.
Wie viele Einladungen hat sie schon auf ihre E-Mails an die Brustzentren im Süden erhalten? Bisher nur aus Neuulm, berichtet sie. Steht das Schwarzwald-Baar-Klinikum noch nicht in ihrem Terminkalender? Das Klinikum in VS habe noch nicht reagiert, meint sie. „Vielleicht kommt ja noch eine Reaktion“, ist sie zuversichtlich. Die Donautour, die sie bis Wien führen soll, ist nicht die erste.
Zuvor war sie an Elbe und Rhein unterwegs, hatte viele bereichernde Gespräche, ob in Dresden, Hamburg oder Freiburg und Heidelberg. Antje Proft radelt weiter, aber nie ohne ihr Motto im Gepäck: „Trau Dich einfach, authentisch zu sein.“