In Sulz und Dürrenmettstetten stehen dieses Jahr mehrere Einrichtungen auf dem Programm der GAL-Radtour. Das lässt den Teilnehmern kaum Zeit für eine Pause.
„Das ist unser Raum“, sagt Sabine Göhring. Die Gruppe steht im Tafelladen, der die erste Station der GAL-Radtour ist. Alles ist aufgeräumt, und sauber, die Kundschaft kommt erst dienstags. Dann aber ist Hochbetrieb im Erdgeschoss der ehemaligen Volksschule in der Bergstraße. 80 bis 90 Kunden seien es jedes Mal, erfahren die Besucher.
Wer kommt, hat ein niedriges Einkommen oder lebt sogar an der Armutsgrenze. Ein größerer Teil des Klientel stamme aus der Ukraine. Viele Rentnerinnen, aber auch alleinerziehende Frauen gehören auch dazu. „Wir hätten noch mehr, wenn die Scham nicht so groß wäre“, berichtet die Leiterin des Tafelladens.
Bereits um 8 Uhr brechen die Fahrer des Sulzer Tafelladens nach Oberndorf auf, um dort Lebensmittel zu holen, danach sind sie in Sulz zum Einsammeln unterwegs. Die Waren müssen ausgeladen, geprüft und hergerichtet werden. Es seien oft nicht die frischesten Produkte, manchmal knapp über dem Haltbarkeitsdatum. Doch es gibt eine einfache Regel: „Was wir noch essen würden, geben wir aus. Das andere kommt weg.“ Brot und Eier sind am schnellsten vergriffen. Obst und Gemüse sollten zumeist schnell verbraucht werden. Nach Ladenschluss ist fast nichts mehr da.
„Um 10 Uhr kommen die ehrenamtlichen Frauen, um 17 Uhr gehen wir wieder zur Tür hinaus. Es ist ein heftiger Tag“, erzählt Sabine Göhring. Da tut es gut, wenn von den Kunden immer wieder Dankbarkeit zurückkommt. Allerdings wünschte sich die Leiterin des Tafelladens, dass der ehrenamtliche Einsatz mehr in der Stadt anerkannt würde. Zumal Helfer immer gesucht sind, vor allem würden Fahrer benötigt. Die „GAL-ier“ sind nicht mit leeren Händen gekommen: Zum Abschied erhält Sabine Göhring eine Spende über 150 Euro.
Akku schonen
„Fahren wir die Kappel hoch?“ Mit dem E-Bike eigentlich kein Problem, doch auf diesem steilen Weg zur Schillerhöhe zu radeln, kostet Energie. Gabriele Brucker denkt an ihren Akku, sie will lieber auf der Straße bleiben. Es ist an diesem Tag ja auch nicht die einzige Steilstrecke.
Die Jugend-Wohngruppe im früheren Pflegeheim auf der Schillerhöhe ist die zweite Station. Leiterin Sarah Schaller empfängt die Radfahrer und Radfahrerinnen mit Kaffee und Brezeln. „Wir haben von der Wohngruppe schon gehört, waren aber noch nie da“, gesteht GAL-Stadträtin Johanna Schrön-Dinkelaker. Diese Einrichtung ist in Sulz vor zwei Jahren unter der Trägerschaft des Diasporahauses Bietenhausen eröffnet worden. Die Wohngruppe umfasst acht Regelplätze und einen „Inobhutnahmeplatz“. Belegt werden sie mit Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis 16 Jahren auch aus Nachbarkreisen. Das Haus beherbergt außerdem eine Wohngemeinschaft mit unbegleiteten Jugendlichen aus dem Ausland. Sie lebten relativ selbstständig. Zwei von ihnen machen gerade eine Ausbildung.
Vorbereitung auf selbstständiges Leben
Die Kinder und Jugendlichen der Wohngruppen besuchen die Schulen in Sulz, Vöhringen und Oberndorf. Sie haben einen festen Tagesablauf, zu dem die Essens- und Lernzeiten gehören. „Struktur ist ganz wichtig“, erklärt Sarah Schaller. Am Schluss besichtigen die Besucher im Erdgeschoss das Appartement einer 16-Jährigen, die sich hier auf ein selbstständiges Leben vorbereiten kann.
Johanna Schrön-Dinkelaker drängt zum Aufbruch. Um die Mittagszeit muss die Gruppe in Dürrenmettstetten sein. Knapp eine Stunde Zeit bleibt dafür. Es geht weiter, das Glatter Täle hinunter und in Glatt den Priorberg hinauf. Tatsächlich kommen alle neun Teilnehmer gleichzeitig beim Hofladen Frey an. Hier wird das Vesper fürs Picknick in der wunderschönen Blockhütte des Mettstetter Wandervereins eingekauft.
Keine Zeit für lange Pausen
Der Platz rund herum ist gerade frisch gemäht worden. Überhaupt ist die Anlage in einem sehr gepflegten Zustand. Da würde es sich lohnen, ein bisschen länger zu verweilen. Wenn nicht noch mehr auf dem Programm stünde: So werden die Vesperreste in den bereitgestellten Tonnen entsorgt oder mitgenommen, die Flaschen vom Automaten in die Kiste gestellt. Die Touristenattraktion in Dürrenmettstetten, der Aussichtsturm mit seiner fantastischen Aussicht, aber auch seinen vielen Treppenstufen, will niemand mehr besteigen.
Die GAL-Gruppe setzt ihre Tour zum Lebenshof Siegel in Dürrenmettstetten fort. In fünfjähriger Bauzeit ist aus einem Bauernhaus eine Einrichtung für Tagespflege und betreutem Wohnen entstanden. „Es war eine Herausforderung“, gestand Volker Siegel.
Das Gebäude bietet 25 Tagespflegeplätze und 15 Mietwohnungen. Diese seien alle belegt. Die Bewohner kommen nicht nur aus der Umgebung, sondern auch von weiter her, unter anderem aus Triberg, Waiblingen oder Leutkirch. Die Besucher staunen über die gemütlichen Aufenthaltsräume. Die Tagespflegegäste, die von daheim abgeholt werden, nehmen hier an einem Tagesprogramm mit Bewegung, Singen oder Erzählrunden teil. Der Ruheraum ist mit bequemen Sitzgelegenheiten ausgestattet. Dort steht auch ein Klavier. Bei schönem Wetter genießen die Gäste den Sinnesgarten mit einem kleinen Zoo, in dem sich Laufenten und Hühner tummeln.
Aber auch in kultureller Hinsicht macht Dürrenmettstetten von sich reden. Die GAL trifft sich im Dorfgemeinschaftsraum mit Stephan Braun und Ortsvorsteher Siegfried Dölker. Zuletzt fand in der Gemeindehalle ein restlos ausverkauftes Folk- und Jazzkonzert mit der Gruppe „Foaie Verde“ statt.
Braun, der vor drei Jahren nach Dürrenmettstetten gezogen ist, hat den Kontakt zu den Musikern hergestellt, sich um Sponsoren und Fördermittel gekümmert. Vorausgegangen waren im Dorfgemeinschaftsraum bereits sehr gut besuchte Lesungen, unter anderem mit Herbert Noack aus Vöhringen. Er las aus seinem neuen Rottweil-Krimi. Vier bis fünf Lesungen pro Jahr seien geplant, teilt Braun mit. Im Oktober möchte er wieder Musik nach Dürrenmettstetten bringen – „Swing zum Abtanzen“, kündigt er an.
Es gebe keine Kneipen mehr, daher müsse man Ereignisse schaffen, sagt Braun. Kultur habe es aber schon vorher im Ort gegeben, betont er. Seine Initiative „Kultur in Mettstett“ sehe er als Ergänzung. Vom Ortsvorsteher erhält er dabei die volle Unterstützung. „Den Ruf eines Bauernfleckens haben wir nicht mehr“, stellt Dölker fest.