Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Radsport "Trainieren mit einem Lächeln"

Von
An Albstadt hat Pauline Ferrand Prévot gute Erinnerungen. Foto: Schwarzwälder Bote

Es ist nicht ganz einfach, mit Pauline Ferrand Prévot einen Termin zu bekommen. Die Französin hat einiges zu erzählen und tut es in einer sehr freundlichen und gleichzeitig souveränen Art und Weise.

Pauline, Sie hatten Anfang des Jahres eine zweite Operation wegen der Endofibrose. Wie hat sich das bis jetzt entwickelt?

Die Operation ist gut verlaufen. Es ist wieder alles auf meinem alten guten Niveau.

Sie wurden im September Weltmeisterin, zuerst im Cross-Country und dann im Marathon. Haben Sie da noch nichts gespürt?

Nein, bei der WM war es immer noch okay. Aber als ich aus dem Trainingslager in Südafrika zurück war, hatte ich wieder Schmerzen in meinem Bein.

Ihre Eltern waren Radsportler. So war Ihr Weg ein wenig vorgezeichnet, zumindest in Richtung Straßenradsport. Sie haben aber auch das Mountainbike für sich entdeckt.

Ich habe mit Straße begonnen, weil meine Eltern auch Straßenfahrer waren. Aber mit acht Jahren habe ich mit Mountainbiken begonnen. Meine Eltern sind dann mit mir auch Mountainbike gefahren. Ich habe also schon sehr jung alles gemacht, und ich wollte auch immer alle Disziplinen ausüben.

In Frankreich ist Straßenradsport ein Volkssport und viel populärer als Mountainbiken ...

... ja, vor allem wegen der Tour de France.

Haben Sie das Gefühl, dass die Leute heutzutage mehr Respekt auch vor den Mountainbikern haben?

Hmm, ich weiß nicht. Straße ist wirklich groß in Frankreich. Durch die Goldmedaillen von Julien (Absalon) und Julie (Bresset) hat es sicher mehr Anerkennung gewonnen, und die Leute haben mehr Interesse.

Sie haben entschieden, sich auf das Mountainbike zu konzentrieren. Hat man Sie in Frankreich nicht gefragt, warum Sie sich nicht auf die Straße fokussieren? Dort gibt es doch mehr Ruhm zu ernten.

(Schmunzelt). Ja, aber ich fahre nicht Rad, um berühmt zu werden. Ich will einfach machen, was ich liebe. Im Moment motiviert mich am meisten, Olympiasiegerin zu werden. Das ist der einzige Titel, der mir noch fehlt. Ich musste mich zwischen Straße und Mountainbike entscheiden. Ich denke, du kannst nicht beides machen. Ich muss bekennen, dass ich Mountainbiken sehr mag, wegen der Atmosphäre, dem Anforderungsprofil. Du musst eineinhalb Stunden Vollgas geben, und ich mag es alles aus mir herauszuholen. Was ich auch mag, ist der Respekt unter all den Fahrerinnen.

Die Schweizerin Jolanda Neff ist eine ihrer großen Konkurrentinnen. Mit ihr verbinden Sie viele Duelle, aber auch zwei Zwischenfälle, über die viel diskutiert wurde. In St. Wendel bei der U23-EM und beim Cyclo-Cross-Weltcup in Hoogerheide 2018.

Für mich ist das einfach Wettkampf. Jolanda ist eine große Wettkämpferin, und ich bin das auch. Wir wollen beide gewinnen, und wir sind beide sehr starke Charaktere. Ich habe nichts gegen Jolanda. Für mich ist sie die beste Mountainbikerin der Welt. Wir sind eben sehr ehrgeizig und lieben es zu gewinnen.

Das Jahr 2016 verlief sehr enttäuschend für Sie und gipfelte in der Aufgabe bei Olympia in Rio. Danach sprachen Sie gar davon, dass sich der Radsport für Sie zu einem Alptraum entwickelt habe. Was haben Sie für sich daraus gelernt?

Ich habe gelernt, dass du glücklich sein musst, um Leistung zu bringen. 2016 gab es diese Verletzung. Aber es war auch mental hart, nachdem ich diese drei WM-Titel innerhalb eines Jahres gewonnen habe. In diesem Jahr war es kompliziert, damit fertigzuwerden. Ganz sicher war ich nicht glücklich auf meinem Bike und nicht in meinem Leben. Es war ein Alptraum für mich, ja. Aber ich habe eine Menge gelernt, und heute bin ich so viel stärker, auch in meinem Kopf. Ich will einfach glücklich sein und Rad fahren. Trainieren mit einem Lächeln und mit Spaß.

Und das gelingt Ihnen jetzt?

Ja. Ich bin sicher auch weniger hart mit mir selbst. Zuvor war ich sehr streng mit mir. Wenn ich im Training nicht das oder jenes gemacht habe, fühlte ich mich schlecht. Jetzt habe ich begonnen, mich selbst zu spüren, wenn ich Pause benötige.

Es war sicher auch ein körperliches Problem, aber Sie sagen, schwerwiegender war die mentale Seite ...

... ja, ganz bestimmt. In Frankreich heben sie dich in den Himmel, wenn du zu den Siegern gehörst. Ich war immer noch sehr jung, und alle haben von mir erwartet, dass ich in Rio die Goldmedaille gewinne. Aber ich war nicht bereit zu gewinnen. Im Kopf war ich immer noch sehr verletzlich. Es ist kompliziert, bereit zu sein, wenn die Leute so viel von dir erwarten.

Vor ein paar Jahren hat Julie Bresset gesagt, ihre Schwierigkeiten hatten damit zu tun, dass sie es nicht gelernt habe, Nein zu sagen.

Ja, genau. Ich kann das auch nicht. Es wird jetzt besser, aber früher war ich nicht in der Lage dazu. Deshalb habe ich jetzt jemand an meiner Seite, die bei Anfragen das Nein-Sagen für mich übernimmt. Ich bin nicht der Typ Mensch, der Nein sagt. Aber das hat mich in eine schwierige Situation gebracht.

Kommen wir wieder zu einem sportlichen Thema. Die UCI hat für September und Oktober ein massives Wettkampf-Paket geschnürt. Wie sehen Sie das?

(Lacht). Oh, es wird ziemlich anstrengend. Aber es ist für alle das Gleiche. Ich bin sehr froh, dass wir noch mal Rennen fahren können. Wenn man an die Situation im April denkt, das war wirklich schlimm. Es ist gut, dass wir noch mal fahren können. Für Sponsoren, Fahrer, für alle.

Die WM in Albstadt musste leider abgesagt werden, aber es könnte 2021 wieder ein Weltcup-Rennen dort geben. Wie ist Ihre persönliche Beziehung zu Albstadt?

Ich habe 2014 dort gewonnen, und es war wirklich ein Tag, den ich nie vergessen werde. Ich hatte eine Woche zuvor meinen ersten Weltcup in Nove Mesto gewonnen. In Albstadt war ich super nervös, weil die Leute von mir erwartet haben, dass ich wieder gewinne. Ich wollte mit großem Vorsprung gewinnen, einfach, um allen zu zeigen, dass ich zurecht da bin.

Das hat auch geklappt. Sie gewannen mit fast drei Minuten Vorsprung.

Ja, ich habe deshalb sehr gute Erinnerungen an Albstadt. Es ist physisch sehr anspruchsvoll, und wenn du in Albstadt gewinnst, dann bist du super stark. Das sind sehr gute Erinnerungen. Und die Atmosphäre mag ich natürlich auch. Es wäre toll, wenn es mit dem Weltcup klappen würde.   Die Fragen stellte Erhard Goller.

Artikel bewerten
0
loading

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.