Luca Schwarzbauer und Florian Lipowitz trainieren ab und an gemeinsam – und fahren derzeit erfolgreich Rad. Wie blickt der deutsche Mountainbike-Meister auf den Jungstar der Tour?
Luca Schwarzbauer ist der aktuell erfolgreichste deutsche Mountainbiker – und teils Trainingspartner des Shootingstars bei der Tour de France, Florian Lipowitz. Wie blickt er auf die jüngsten erfolgreichen Tage?
Herr Schwarzbauer, Sie sind mit gleich zwei Meistertrikots von den nationalen Meisterschaften zurückgekehrt – nach den Siegen auf der Kurzstrecke und im Cross Country. Glückwunsch dazu.
Vielen Dank. Ich bin wirklich sehr zufrieden mit meinen Leistungen am vergangenen Wochenende und freue mich, weiter im Trikot des deutschen Meisters fahren zu dürfen.
Wie läuft die Saison abseits dieser nationalen Rennen bisher?
Ich fahre weiterhin konstant in den Top Ten im Weltcup – und es gibt gar nicht so viele andere Fahrer, denen das so gelungen ist in den vergangenen Jahren. Viele konzentrieren sich mittlerweile auf einzelne Events und bereiten sich ganz konsequent darauf vor. Umso schwerer ist es, jeweils ganz vorne reinzufahren.
Was aber weiter Ihr Ziel ist?
Sicher. Daher fasse ich meine bisherige Saison auch so zusammen: oft eine Zwei, aber eben selten eine Eins. Aber: Die Saison ist ja noch lange nicht vorbei, es gibt noch einiges zu gewinnen – und ich werde nun noch einmal neue Reize setzen.
Inwiefern?
Ich habe bislang kaum auf das Thema Höhentraining gesetzt – aus unterschiedlichen Gründen. Das möchte ich nun einmal austesten mit Blick auf die weiteren Saisonhöhepunkte, vor allem die WM in einigen Wochen in Crans Montana.
Sie reisen also in die Höhe?
Nein, das nicht. Aber ich habe mir zu Hause entsprechende Möglichkeiten geschaffen, die Höhe zu simulieren. Zunächst stehen nach einer sehr intensiven ersten Jahreshälfte ein paar trainingsfreie Tage an.
An denen Sie dann ja die entscheidenden Etappen der Tour de France schauen können.
Klar, das ist möglich. Aber ich war auch in den vergangenen Tagen schon ganz gut informiert – auch, wenn ich nicht jede Etappe anschauen konnte. Und ich bin auch immer wieder in Kontakt mit Florian Lipowitz.
Der für viele überraschend mit den Besten die Berge hinauffährt, bester Jungprofi ist und auf Gesamtrang drei steht. Sie kennen Florian Lipowitz von gemeinsamen Trainingsfahrten auf und am Fuße der Schwäbischen Alb. Sind Sie auch überrascht?
Auf diese Frage gibt es für mich zwei Antworten.
Welche beiden?
Einerseits, nein. Denn bei der Dauphiné-Rundfahrt vor einigen Wochen hat man ja schon gesehen, wie stark und gut in Form er ist. Andererseits, ja. Denn er ist bei der Tour ja ein Neuling. Und dass er derart unbeeindruckt mit den Anforderungen, aber auch mit dem Rummel um dieses Rennen umgeht, konnte man nicht einfach erwarten. Aber das bestätigt einfach den Eindruck, den ich von ihm ganz generell habe.
Welcher ist das?
Flo ist ein absolut bodenständiger und bescheidener Typ, der sich nicht verrückt machen lässt von dem Trubel um seine Person und sich auch weiterhin nicht zu wichtig nimmt. Erst am Sonntagabend gab es dafür ein schönes Beispiel.
Welches?
Obwohl er derzeit sicher viel um die Ohren und wenig Zeit hat, war er einer der Ersten, die mir zur deutschen Meisterschaft gratuliert haben. Das hätte er logischerweise nicht machen müssen, hat es aber getan.
Gemeinsames Training kurz vor der Tour
Kurz vor der Tour sind Sie beide noch gemeinsam die Hepsisauer Steige auf die Alb hochgefahren – hat er da schon einen Top-Eindruck gemacht?
Er hat da noch mal Intervalle trainiert und ist eher hochgeflogen (lacht). Aber im Ernst: Natürlich hat er körperlich einen richtig guten Eindruck gemacht. Vor allem aber schien es so, dass er froh ist, dass die Tour nun endlich beginnt und die Vorbereitung darauf zu Ende ist.
Trauen Sie ihm zu, dass er Platz drei bis Paris verteidigt?
Wie gesagt: Mit den Vorleistungen und mit Blick auf die Konkurrenz hatte ich ihn schon vorab als einen Top-5-Fahrer der diesjährigen Tour auf dem Zettel. Durch seine bisherige Performance und den Ausstieg von Remco Evenepoel ist nun sogar mehr drin.