Das Fass ist für viele Menschen in der Region kurz vorm Überlaufen – die Standortsuche für ein Atommüll-Endlager beschäftigt sie sehr. Das Bild zeigt ein Fass mit einem aufgemalten Atom-Zeichen – Symbol einer Protestaktion, hier in Niedersachsen. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Sie ist langwierig und für Anrainer zermürbend, die Standortsuche für radioaktive Abfälle. Gleich doppelt betroffen ist davon der Schwarzwald-Baar-Kreis, denn nicht nur Deutschland sucht, sondern auch die an die Region angrenzende Schweiz.

Wohin mit den radioaktiven Abfällen? Diese Frage stellt man sich in der Schweiz und in Deutschland gleichermaßen.

 

Der Weg zu einer Antwort fällt zwar ganz unterschiedlich aus, das Ziel könnte jedoch in beiden Fällen nahe liegen: in der Grenzregion Deutschland/Schweiz und damit nur einen Steinwurf vom Schwarzwald-Baar-Kreis entfernt.

Die Schweiz sucht bereits seit 2008

Seit 2008 sucht die Schweiz nach einem geeigneten Endlagerstandort, um radioaktives Material dauerhaft sicher zu entsorgen. Zuletzt hatte die NAGRA im Herbst 2022 ein geologisches Tiefenlager am Standort Nördlich Lägern im Kanton Zürich sowie eine Verpackungsanlage beim bestehenden Zwischenlager in Würenlingen, Kanton Aargau, vorgeschlagen. Die Krux aus deutscher Sicht: Beide Standorte liegen in unmittelbarer Grenznähe zu Deutschland.

Der aktuelle Zeitplan verschafft viel Luft

Mit Spannung erwartet wird der nächste Step im Suchverfahren im November 2024: Dann will die NAGRA die Genehmigungsunterlagen für beide Vorhaben beim Schweizer Bundesamt für Energie einreichen, danach erfolgt die Überprüfung durch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat und weitere Behörden. 2027, so rechnet man, sollen die Gutachten und Stellungnahmen vorliegen. Vor 2029 sei nicht mit einer Entscheidung des Bundesrats zu rechnen, so die Einschätzung der Kreisverwaltung Schwarzwald-Baar. „Bis die ersten Abfälle eingelagert werden, dauert es noch rund 30 Jahre.“

Deutsche Suche tangiert die Region

Und auch die Standortsuche in Deutschland, um auch hier ein Endlager für hochradioaktive Abfälle einzurichten, wird sich noch lange hinziehen. Aktuell befindet sie sich in der ersten von insgesamt drei Phasen. Der erste Schritt ist getan: Das Unternehmen BGE wurde mit der Suche beauftragt und sammelt in der ganzen Republik Daten, die nun ausgewertet werden. 2020 gab es bereits einen ersten Zwischenbericht. Fazit: 54 Prozent der Landesfläche Deutschlands und 47 Prozent der Landesfläche Baden-Württembergs gelten als prinzipiell geeignet für ein solches Endlager. Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist mit zwei Teilgebieten betroffen – dem sogenannten Teilgebiet Kristallin und dem Teilgebiet Ton.

Die Sache mit der Gerechtigkeit

In Fachkonferenzen brachte unter anderen der Erste Landesbeamte Martin Seuffert die Interessen der Region ein – und auch auf eine gerechte Lastenverteilung wurde gedrängt.

Gerade Letztere liegt dem Schwarzwald-Baar-Kreis, aber auch der Region Waldshut besonders am Herzen, denn beide Regionen sind nicht nur von der Endlagersuche auf deutscher Seite, sondern auch von der auf der Schweizer Seite in besonderem Maße tangiert.

Da von mit der Standortentscheidung in der Schweiz hauptsächlich der Landkreis Waldshut betroffen ist, hat der Schwarzwald-Baar-Kreis dort keine Karten mehr im Spiel – er nimmt auch an den Ausschusssitzungen der Kantone nicht mehr teil. Aber: Der Landkreis Waldshut vertrete die hiesigen Interessen mit, betont die Kreisverwaltung. Und: Der Schwarzwald-Baar-Kreis begleite das Verfahren weiter und unterstütze bei Bedarf die Interessen auf der deutschen Seite.

Spannung vorm vierten Quartal

Für die deutsche Standortsuche rechnet man bis 2027 mit einer Eingrenzung auf insgesamt zehn Standortregionen – „die Verwaltung hofft daher, sukzessive Erkenntnisse zur Betroffenheit unserer Region zu erhalten, wenn die Arbeitsstände zu den relevanten vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen ab dem vierten Quartal in einer jährlichen Aktualisierung veröffentlicht werden“, machte die Kreisverwaltung deutlich.

Am 9. Dezember wird das Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung, BASE, gemeinsam mit dem Landkreis Waldshut eine Info-Veranstaltung ausrichten – auch der Schwarzwald-Baar-Kreis nimmt daran teil. Aber, stellte Landrat Sven Hinterseh jüngst im Umweltausschuss des Landkreises klar: Die „Möglichkeit der Einflussnahme“ sei doch sehr begrenzt.