Die Zuschauer verfolgten die Geschichten und beeindruckenden Bilder von Pfaffs Radreise um die iberische Halbinsel. Foto: Privat

Mehr als 240 begeisterte Zuhörer: Klaus Pfaff nahm im Mehrzweckraum der Josef-Merz-Halle sein Publikum mit auf seine außergewöhnliche Reise rund um die iberische Halbinsel.

Von der ersten Minute an lauschten die Besucher gefesselt und gebannt den Geschichten, Bildern und Anekdoten seiner mehr als 7300 Kilometer langen Radreise.

 

Was ursprünglich „nur“ bis zum Cabo de São Vicente, dem südwestlichsten Punkt Europas, führen sollte, entwickelte sich zu einem größeren Abenteuer. Gestartet war Pfaff im Mai – mit fast dreiwöchiger Verspätung und auf einem mehr als 30 Jahre alten Mountainbike – von Aichhalden aus. In Portugal angekommen, stellte er sich die Frage: „Warum eigentlich aufhören?“ Und so wurden aus der geplanten Tour viele zusätzliche Kilometer und Erlebnisse.

Beeindruckende Zahlen

Am Ende standen beeindruckende Zahlen: 57 Tage war er unterwegs, davon 53 Tage im Sattel. Er durchquerte vier Länder, legte 7333 Kilometer zurück und bewältigte dabei knapp 57 000 Höhenmeter. Sein beladenes Fahrrad wog 35,4 Kilogramm – und ganz nebenbei verlor er mehr als fünf Kilogramm Körpergewicht. Auf seiner Route erreichte er nicht nur den südwestlichsten, sondern auch den südlichsten und westlichsten Punkt auf Europas Festland.

Die Reiseroute hatte es in sich. Foto: Privat

Die Übernachtungen wurden immer wieder zu Abenteuern. So mancher Hotel-Check-in erinnerte eher an einen Escape Room: undurchsichtige oder nicht funktionierende Zahlungsmethoden, Schlüsselübergaben ohne persönlichen Kontakt, oft verbunden mit Codes, Kombinationen und sonstigen Hindernissen, oder Unterkünfte, die sich erst nach längerer Suche offenbarten. Wenn es unterwegs zu kompliziert wurde, musste oft das Zelt als treuer Diener herhalten. Und so wurde er am Folgetag häufig mit einem grandiosen Sonnenaufgang am Strand belohnt.

So wachte Klaus Pfaff auf. Foto: Privat

Auch eine Reihe von Pannen blieb nicht aus – das betagte Fahrrad machte seinem Besitzer mehr als einmal deutlich, wie viel Geschichte bereits in ihm steckte.

Große Unterschiede

Eindrucksvoll schilderte Pfaff die Unterschiede zwischen den Ländern. Während man sich in Frankreich als Radfahrer fast wie ein König fühlt – dank hervorragender Infrastruktur mit Radwegen, Brücken und Rücksichtnahme – musste er sich in Spanien eher „entschuldigen“, überhaupt mit dem Rad unterwegs zu sein.

Am Meer machte er Station. Foto: Privat

Stationen wie Tarifa, der südlichste Punkt des europäischen Festlands, oder Santiago de Compostela hinterließen bleibende Eindrücke. Letzteres sei zwar wunderschön, aber vom Massentourismus geprägt. Pfaff entschied sich, den berühmten Pilgerweg gegen den Strom zurück Richtung Nordspanien zu fahren – weg von den Gruppen, hin zur Ruhe.

Hitze als Herausforderung

Eine der größten Herausforderungen war die Hitze, die er unterschätzt hatte. Besonders in Nordspanien zeigte sich zudem, wie ländlich und dünn besiedelt ganze Regionen sind – mit kaum vorhandener Infrastruktur. Umso beeindruckender empfand er später Portugal, das für ihn landschaftlich der schönste Teil der Reise war.

Immer wieder betonte Pfaff, wie intensiv man eine Reise mit dem Fahrrad erlebe. Man sei mitten in der Natur, erreiche Orte, an die man sonst nie käme, und entdecke Dinge, von denen man vorher nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Unzählige Begegnungen mit Menschen unterwegs wurden zu prägenden Momenten, beeinflussten seinen Weg und bereicherten die Reise nachhaltig.

Anstrengender als gedacht

Der Abend machte deutlich: Diese Tour war nicht nur voller schöner Momente, sondern auch anstrengender als gedacht. Doch gerade darin lag für Pfaff der Reiz.

Wer sich auf den Weg macht, erlebt nicht nur neue Landschaften, sondern auch sich selbst auf eine neue Weise. Und manchmal kommt es eben anders – und genau darin liegt das größte Abenteuer.