2009 war das Jahr der Abwrackprämie, 2010 wird das der Rabatte: Neuwagenkäufer können dieses Jahr manches Schnäppchen machen.

Stuttgart - 2009 war das Jahr der Abwrackprämie, 2010 wird das der Rabatte: Neuwagenkäufer können dieses Jahr manches Schnäppchen machen, unter anderem mit Kombiangeboten aus Finanzierung, Versicherung und Garantie. Allerdings ist die Höhe der Ersparnis für die Kunden schwer zu durchschauen. Mit über 40 Prozent Nachlass auf den Listenpreis war der Peugeot 308 im Dezember das Schnäppchen schlechthin. Im Januar halten sich Autohäuser und Hersteller mit spektakulären Aktionen bisher zurück - aber nicht mehr lange, glaubt Ferdinand Dudenhöffer, der Autoexperte der Universität Duisburg-Essen. "Bei Schnee und Eis kauft keiner ein Auto, im Frühjahr dürften die Rabatte wieder anziehen." Dann wird laut Dudenhöffer auch mancher deutsche Hersteller mit Nachlässen von um die 20 Prozent um Kunden werben.

Solche Größenordnungen waren in den vergangenen Monaten vorwiegend ausländischen Autobauern vorbehalten. Dudenhöffer erstellt jeden Monat eine Rabattliste für Neuwagen, Audi-, BMW-, Mercedes- und VW-Modelle rangierten zuletzt mit einer Ersparnis zwischen 6,5 und 14,5 Prozent auf den hinteren Plätzen. Deutlich höhere Nachlässe gewährten neben Peugeot vor allem Citroën, Nissan, Ford und Toyota.

Auffällig bei aktuellen Rabattangeboten ist der Trend zu Kombi-Produkten. Citroën nennt sein Angebot aus Finanzierung, Wartung und Versicherung "Doppel-Flat", Toyota wirbt fürs "Komplett-Paket", Ford für die "Ford-Flatrate". Dahinter verbirgt sich eine Kreditfinanzierung samt Versicherung, Wartung und Mobilitätsgarantie für vier Jahre. Einen ähnlichen Rundum-Service bietet VW als "All-inclusive-Paket" an. Die Kreditzinsen fallen dann besonders niedrig aus, wenn Kunden ihren Neuwagen auch über den Wolfsburger Konzern versichern lassen.

Für die Autobauer haben solche Angebote gegenüber reinen Preisnachlässen den Vorteil, dass sie unauffälliger sind. Zudem werden Kunden über Versicherungen und Serviceverträge langfristig an einen Hersteller und dessen Vertragswerkstätten gebunden. Der Kunde wiederum muss in den ersten paar Jahren keine unvorhergesehenen Reparaturkosten fürchten. Allerdings raten Experten bei den Kombi-Angeboten zur Vorsicht. "Je mehr drinsteckt, umso intransparenter wird das Produkt für den Kunden", sagt Jochen Oesterle, Experte für Finanzdienstleistungen beim Automobilclub ADAC. Nur wer die einzelnen Komponenten getrennt betrachte, wisse, ob und wie viel er tatsächlich spart. Manches vermeintliche Schnäppchen entpuppt sich dabei als nur durchschnittlich, oft wird im Paket laut Oesterle weniger Leistung gewährt als beim Einzelabschluss. Der ADAC-Experte weist zudem darauf hin, dass jeder Service an Bedingungen geknüpft ist. Die Ford-Flatrate etwa beinhaltet eine Verlängerung des Garantie-Schutzbriefs auf vier Jahre. Der Ford-Händler wird diese Garantie aber nur übernehmen, wenn der Kunde alle vorgeschriebenen Inspektionen vorweisen kann.

Dudenhöffer bezweifelt, dass sich das Gros der Kunden die Mühe macht, die Angebote nachzurechnen, vielmehr verlasse man sich aus Bequemlichkeit auf den Verkäufer. Dabei ist ein Vergleich angesichts der angespannten Lage der Autoindustrie durchaus ratsam: Getrieben von den 2500 Euro Staatsbonus beim Neuwagenkauf, verkaufte die Branche vergangenes Jahr 3,8 Millionen Fahrzeuge, für 2010 rechnen Experten mit gut einer Million weniger. "Wenn die Zahlen einbrechen, werden wir einige abenteuerliche Angebote sehen", prognostiziert Oesterle. Dudenhöffer schließt nicht aus, dass sich mancher Hersteller ein Kombiprodukt "schönrechne".

Willi Diez vom Geislinger Institut für Automobilwirtschaft erwartet die höchsten Rabatte auch künftig von den Importeuren - diese haben am stärksten von der Abwrackprämie profitiert und versuchen nun, ihren Absatz mit hohen Nachlässen zu stabilisieren. Dagegen setzten die deutschen Premiumhersteller BMW, Mercedes und Audi eher auf Aufträge für Firmenflotten, statt "in die Rabattkiste zu greifen". Die Massenhersteller VW und Opel vertrauten in erster Linie auf Rundum-Angebote zur Kundenbindung.

Rabatte winken Neuwagenkäufern darüber hinaus, wenn sie bar zahlen oder bei Portalen wie autohaus24.de, meinauto.de oder netcar.de einkaufen. Die Auto-Vermittlung per Internet wird immer attraktiver, bei den 25 meistgekauften Fahrzeugen in Deutschland lassen sich heute Rabatte von 16 Prozent im Schnitt erzielen, hat Dudenhöffer errechnet. Je nachdem, welche Händler mit den Portalen kooperieren, muss das Wunschfahrzeug allerdings Hunderte Kilometer entfernt abgeholt werden. Dafür bekommt der Kunde aber sogar einen 1er-BMW oder Audi A3 über 15 Prozent unter Listenpreis. Mercedes-C- und -A-Klasse-Modelle kosten im Internet meist um die zehn Prozent weniger.

Das galt für Dezember - Tendenz steigend. Auch ohne den Umweg übers Internet sind zwölf bis dreizehn Prozent Nachlass "das untere Ende der Fahnenstange", sagt Susanne Wurzel, Analystin beim Auto-Dienstleister Carplus. Den Ford Focus gibt es als Editionsmodell mit Tageszulassung rund 30 Prozent billiger, manches Audi-, VW- und Mercedes-Modell ist auch beim Händler nebenan mit 13 Prozent Nachlass erhältlich. Der Dezember-Rabattsieger Peugeot hat im Januar noch mal nachgelegt. Kunden, die sich bis Monatsende für einen 308 entscheiden, schenkt der Autobauer zusätzlich zum Rabatt die ersten drei Leasingraten.

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