Die Deutsche GigaNetz GmbH baut das Glasfasernetz aus – wenn genügend Verträge zusammenkommen. Foto: Lena Knöller

Die Deutsche GigaNetz GmbH plant, im ganzen Stadtgebiet von Calw Glasfaser zu verlegen. Der Haken: 35 Prozent der Haushalte sollten bis zum Ende der Vorvermarktung dabei sein, nun wurden allerdings nur 23 Prozent erreicht. Und jetzt?

Viele Menschen rühmen Glasfaser als „die einzige zukunftsfähige Internetlösung für Bürger aber auch Unternehmen“ – darunter Calws Oberbürgermeister Florian Kling.

 

Entsprechend zufrieden zeigte sich Kling, als vor rund einem Jahr die Kooperation mit der Deutsche GigaNetz GmbH (DGN) zustande kam.

Rund 50 Millionen Euro Invest

Die DGN plant, im gesamten Stadtgebiet von Calw den Glasfaserausbau in die Hand zu nehmen – auf eigene Kosten. Eine Investition in Höhe von rund 50 Millionen Euro.

Wer mit der DGN einen Vertrag über Internet und Telefon abschließt, bekommt den Glasfaseranschluss, inklusive Anschluss und Bau, umsonst. Ein solcher ist üblicherweise für Kosten im vierstelligen Bereich zu haben.

Oberbürgermeister zeigt sich enttäuscht

Damit die DGN auch etwas davon hat, gibt es aber eine Voraussetzung: Etwa 4400 Wohneinheiten, rund 35 Prozent der Haushalte, müssen mitmachen. Nun kommt das große Aber: Die Vorvermarkungsphase endete in dieser Woche. Und „aktuell liegt die Gesamtquote für Calw bei 23 Prozent“, teilt Inken Gärtner, PR und Communication Managerin der DGN, auf Anfrage unserer Redaktion mit. Calws Oberbürgermeister zeigte sich darüber enttäuscht. Viele Bürger hätten ihm stets signalisiert, wie wichtig schnelles und zukunftsfähiges Netz sei. Der Komplett-Ausbau, so unterstreicht er, sei „eine riesige Chance für ganz Calw und alle Bewohner“.

Die Quote wurde nicht erreicht – wie geht es jetzt weiter? „Die Nachfragebündelung ist nun abgeschlossen. Als nächster Schritt folgt jetzt eine umfassende Prüfungsphase, die wenige Wochen in Anspruch nehmen wird. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir in dieser Phase keine Angaben über den weiteren Verlauf des Projektes machen können“, führt die Sprecherin der DGN aus. Alle bis zum Stichtag abgeschlossenen Verträge würden nun berücksichtigt. „In Abhängigkeit der dann erreichten Quote wird die Entscheidung über die nächsten Schritte getroffen“, heißt es weiter. Stehe das fest, würden die Kunden sowie die Öffentlichkeit darüber informiert. Oberbürgermeister Kling erklärt indes, die Vorvermarkungsphase werde in Rücksprache mit der Giganetz verlängert und die Kommunikation verbessert.

Diese Möglichkeit hatte auch Sebastian Bergmann, Regionalleiter Süd bei der Deutschen GigaNetz, vor rund einem Jahr aufgeführt.

Im westlichen Teil Calws sei laut Kling zudem erst vor wenigen Tagen mit den Hausbesuchen begonnen worden, „das hat auch dazu geführt, dass hier bisher deutlich zu wenig Verträge abgeschlossen wurden“, so der Oberbürgermeister.

Besteht jetzt noch die Chance auf einen kostenlos Anschluss? „Solange wir die Aufträge in die laufende Bauplanung integrieren können, haben die Bürgerinnen und Bürger noch die Chance auf einen kostenlosen Hausanschluss“, erklärt Gärtner. Wer bislang noch keinen Vertrag abgeschlossen habe, solle jedoch nicht mehr zu lange warten. Spätere Anschlusskosten würden sich auf bis zu 1990 Euro belaufen.

Wenn die Entscheidung für einen Ausbau fällt: Wann geht es los? Und wie lange wird das dauern? „Aktuell ist unser Plan, den Ausbau in Calw noch Ende des Jahres 2024 zu beginnen“, berichtet die DGN-Sprecherin.

Ein konkretes Datum für das Bau-Ende lasse sich aber noch nicht benennen. „Externe Einflussfaktoren wie beispielsweise die Witterung oder zunehmend regulatorische Anforderungen seitens der Behörden können zu einer Verzögerung des Ausbaus führen“, erläutert Gärtner. Calw gehöre zu den größeren Infrastrukturvorhaben, es sei mit einer Bauzeit von bis zu drei Jahren zu rechnen.

Was wäre, falls es doch nicht klappt? Schnelles Internet sei ein wesentlicher Standortvorteil für die Stadt, bekräftigt Kling – „und wenn diese Chance nicht ergriffen wird, werden wir absehbar auf viele Jahre keine neue Chance bekommen“, fügt er hinzu. Der Grund: Ohne Fördermittel könnte Calw einen Glasfaser-Ausbau keinesfalls alleine stemmen. Bis die Stadt Fördermittel bekommen könnte, würden jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach Jahre vergehen. Ein Ausbau wäre, wenn überhaupt, wohl erst in den 2030er-Jahren denkbar – oder sogar später.

Mit welchen Argumenten wirbt der Oberbürgermeister, sich für Glasfaser zu entscheiden? Mit einem Vertragsabschluss, so betont Kling, würden Bürger zunächst kein Risiko eingehen. Dieser werde erst gültig, wenn der Ausbau komme.

Wer sich jetzt für Glasfaser entscheide, habe nicht nur für sich selbst in Sachen Internet „ausgesorgt“, sondern auch für nachfolgende Generationen – zu Hause (nicht zuletzt fürs Homeoffice) und im Unternehmen. Zudem steigere sich der Wert des Hauses durch den Anschluss, der zudem kostenlos erfolge. Günstiger werde es in Zukunft wohl nicht.

Auch wer momentan meine, gut versorgt zu sein, könne künftig Probleme bekommen, „denn die Technik wird immer mehr Bandbreite benötigen und diese Geschwindigkeiten sind mit den alten Kupferkabeln nicht mehr zu machen“, erklärt der Oberbürgermeister.

Kling fürchtet, Calw könne „als starkes Mittelzentrum hinter die umliegenden Gemeinden zurückfallen“. Diese Ortschaften hätten sich bereits für Glasfaser entschieden – „nur bei uns ist diese Quote notwendig, weshalb wir als Stadt alle an einem Strang ziehen sollten“.

Denn „ohne ein gutes und verlässlich schnelles Internet werden wir in Calw zukünftig abgehängt – und das, wo Deutschland allgemein bereits ziemlich hinterherhinkt“, hebt Kling abschließend hervor.