Superfood wie Quinoa, Chia oder Acai stammt meist aus fernen Ländern. (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Pond5 Images/IMAGO/xyuliafurmanx

Sie haben oft einen langen Transportweg hinter sich, sind teuer, aber gleichzeitig auch gesund und lecker: „Superfood“ wie Quinoa, Chia oder Acai. Was man über die Lebensmittel wissen sollte, worauf man beim Kauf achten kann und was es für Alternativen gibt.

Eine Acai-Bowl zum Frühstück, als Topping Chia-Samen und Goji-Beeren. Oder doch lieber eine herzhafte Quinoa-Bowl? Wer gern die neusten Food-Trends ausprobiert, dem dürfte all das ein Begriff sein. Diese sogenannten „Superfoods“ haben jedoch nicht nur gemeinsam gerade im Trend zu sein, sie stammen vor allem oft ursprünglich aus fernen Ländern.

 

Superfood und seine Ökobilanz

Quinoa, Chia, Goji-Beeren, Acai – die Liste an Superfood ist lang. Doch wie kommen sie überhaupt zu dem Namen? „Als „Superfood“ preisen Hersteller und Handel (meist exotische) Lebensmittel an, in denen viele wertvolle Inhaltsstoffe stecken. Die wissenschaftlichen Belege für diese gesundheitlichen Wirkungen fehlen jedoch meist“, schreibt die Verbraucherzentrale. Auf was sollte man beim Kauf achten und gibt es Alternativen? Ein paar Beispiele:

1. Quinoa

Im weit entfernten Peru und Bolivien liegt in der Hochebene der Anden der Titicaca-See, der größte Süßwassersee Südamerikas. Er ist mehr als 15-Mal so groß wie die der Bodensee. Aktuell macht er jedoch nicht wegen seiner Größe auf sich aufmerksam, sondern wegen seines historisch niedrigen Pegelstandes. Aus diesem Grund und wegen der schlechten Wasserqualität ernannte die Umweltschutzorganisation Global Nature Fund den See sogar zum bedrohten See des Jahres 2023. Was aber hat das mit Quinoa zu tun?

Neben der Fischerei ist die Region um den Titicacasee vor allem auch Anbaugebiet für Kartoffeln, Gerste, Mais – und Quinoa. Während das „Gold aus den Anden“, wie man es auch nennt, in Europa immer mehr zum Trend wird und in hippen Cafés in Bowls verkauft wird, kämpfen die Bauern vor Ort mit schwierigen Bedingungen, auch wegen wachsender internationaler Konkurrenz. Im Sommer 2023 ist die Ernte teilweise um 90 Prozent eingebrochen, so berichtet der Radiosender RPP unter Berufung auf die Handelskammer der Region Puno. Das spüren wir folglich auch an den Preisen.

Südamerika ist auch noch heute das Hauptanbaugebiet. Jährlich werden weltweit rund 150 000 Tonnen Quinoa produziert, rund 95 Prozent davon in den Andenländern Bolivien und Peru. Es gibt aber zumindest einige Fairtrade Produkte im Sortiment, bei denen die lokalen Bauern unterstützt werden.

Beim Thema Ökobilanz von Quinoa gibt es gute Nachrichten: Auch in Deutschland wird die Pflanze seit einiger Zeit vermehrt angebaut. Vielleicht findet sich also zukünftig heimischer Quinoa in den Supermarktregalen. Es gibt aber auch eine heimische Alternative, die ebenfalls glutenfrei ist: Hirse. „Auch Hirse verfügt über wertvolles Protein und reichlich Eisen. Sie wächst zudem in Europa, unter anderem in Deutschland“, informiert die Verbraucherzentrale. Ebenfalls reich an Ballaststoffen und Eiweiß sind Haferflocken.

2. Heidelbeeren statt Acai

Acai-Beeren sind die Früchte der Kohlpalme, die im südamerikanischen Amazonasgebiet heimisch ist. Hierzulande gibt es sie nur in verarbeiteter Form, weil die frische Beere den langen Transportweg nicht überstehen würde. Die blauen Beeren „gelten vor allem aufgrund des hohen Gehalts an Anthocyanen als Superfood. Anthocyane sind blaue Pflanzenfarbstoffe, die den Körper vor schädigenden Oxidationsprozessen schützen können“, wie die Verbraucherzentrale auf ihrer Website schreibt. Der hohe Fettanteil macht Acai außerdem zu einem wertvollen Energielieferanten und ist bei Sportlern sehr beliebt.

Zumindest zur entsprechenden Jahreszeit kann aber auch auf heimische, regionale Produkte zurückgegriffen werden. Blaue und violette Obst- und Gemüsearten wie Heidelbeeren, Holunderbeeren, blaue Trauben oder Rotkohl stehen der exotischen Beere in nichts nach.

3. Leinsamen statt Chia

Auch Chia-Samen haben in den letzten Jahren einen Boom erfahren. Ob als Topping oder in gequellter Form als Pudding findet man sie in vielen Cafés. Sie sollen unter anderem die Verdauung fördern, den Blutzucker regulieren und Bluthochdruck senken. Die Pflanze ist vor allem in Zentral- und Südmexiko beheimatet, weshalb der Trend der kleinen schwarzen Samen auch oft kritisiert wird.

Es gibt aber auch hier eine heimische Alternative: Leinsamen übertreffen Chiasamen sogar beim Gehalt an Protein und Omega-3-Fettsäuren. Aber auch hier sollte nicht blind ins Supermarktregal gegriffen werden, sondern auf das Ursprungsland geachtet werden.

4. Goji-Beeren

Goji-Beeren werden nicht ohne Grund oft als Wunderbeeren bezeichnet. Die kleinen roten Früchte aus Asien sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen sowie den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen. Dennoch gibt es keine aussagekräftigen Studien, die die besondere Wirkung von Goji-Beeren belegen.

Daher kann man auch direkt zu günstigeren und umweltfreundlicheren Alternativen wie Schwarzen Johannisbeeren oder Sanddorn greifen. In ihnen steckt sogar noch mehr des wichtigen Vitamins C. Zudem kann man diese auch frisch oder als Saft genießen.

5. Avocado

Wenn etwas in den letzten Jahren einen Kauf-Boom erfahren hat, dann ist es die Avocado. Häufig wird die Avocado als Gemüsesorte gesehen, dabei handelt es sich um eine Beere, die an einem mehrjährigen Baum wächst und aus den feuchten Regenwäldern Südamerikas stammt. Heute werden sie jedoch in vielen verschiedenen Ländern wie Australien, Südafrika und den USA angebaut.

Wie bei vielen Superfoods hat der Trend auch hier seine Schattenseiten. Neben dem langen Transportweg wird oft der hohe Wasserverbrauch für den Anbau kritisiert. Bei der Bio-Variante wird zumindest auf Pestizide beim Anbau verzichtet.

Es lässt sich neben all der Kritik aber auch nicht leugnen, dass die Frucht gut für den menschlichen Körper ist. Die ungesättigten Fettsäuren sollen das Herz-Kreislaufsystem positiv beeinflussen und so zum Beispiel das Herzinfarkt-Risiko senken. Das kann aber nicht nur die Avocado: „Walnüsse haben einen höheren Gehalt an der einfach ungesättigten Fettsäure Ölsäure sowie an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Hinzu kommt, dass Walnüsse sehr gut in Deutschland wachsen können und lange lagerfähig sind“, so die Verbraucherzentrale.

Nie wieder Quinoa-Bowls?

Superfoods beinhalten viele wichtige Nährstoffe und sind damit in den richtigen Mengen gut für den Körper. Das lässt sie zumindest nicht gänzlich in schlechtes Licht stellen. Wer zudem auf Fairtrade-Produkte zurückgreift, unterstützt auch bestenfalls die Bauern in den Ursprungsländern, die auf die Nachfrage angewiesen sind.

Doch wie die Beispiele zuvor zeigen, gibt es auch Superfood, das nicht aus fernen Ländern importiert werden muss und den Speiseplan trotzdem aufwerten kann. Wie wäre es also zur Abwechslung mit Leinsamen und Walnüssen als Topping für ein Haferflocken-Müsli?