Querungshilfe für 30.000 Euro? Oder Tempo 30? Darüber diskutierten die Oberndorfer Stadträte im Fall der Von-Gunzert-Straße. Dabei stellt die gar keinen Unfallschwerpunkt dar.
37 Kilometer pro Stunde: So schnell wird durchschnittlich in der Von-Gunzert-Straße gefahren. Das ist das Ergebnis einer 17-tägigen Verkehrsmessung. Ob eine Temporeduzierung auf maximal 30 angezeigt ist oder sogar eine Querungshilfe gebaut werden sollte, diskutierten die Oberndorfer Stadträte nun. Dabei sprechen die Zahlen der Polizei eigentlich eine eindeutige Sprache.
Rund 36.760 Fahrzeuge wurden innerhalb der 17 Tage Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar in der Von-Gunzert-Straße gemessen, drei Prozent davon Lastwagen. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde überschritten 1,8 Prozent der Fahrzeuge – „eine sehr geringe Anzahl“, stellte Ordnungsamtsleiterin Jana Wachter fest.
Der Blick auf die Unfallstatistik der Polizei zeigt: In den vergangenen sechs Jahren gab es drei Unfälle in der Von-Gunzert-Straße. In einem Fall war ein Fußgänger beteiligt.
Fußgängerüberweg, Mittelinsel, Tempo 30?
Bürgermeister Matthias Winter erklärte im Ausschuss für Technik und Umwelt, man habe sich die Sache sowohl baurechtlich angesehen, als auch mit der Polizei gesprochen. Die habe einen Fußgängerüberweg angesichts der geringen Verkehrszahlen und der erforderlichen Sichtbeziehungen ausgeschlossen.
Auch eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Kilometer pro Stunde lasse sich laut Polizei mit Blick auf das geringe Unfallaufkommen nicht begründen.
Eine Alternative zum Fußgängerüberweg wäre eine Mittelinsel mit mindestens 2,50 Metern Breite. Dabei wären jedoch die Schleppkurven der ein- und abbiegenden Fahrzeuge zu berücksichtigen. Eine solche Querungshilfe würde laut Stadtverwaltung außerdem mit rund 30.000 Euro zu Buche schlagen und einen Fachplaner erfordern.
Verkehrlich angezeigt sei eigentlich keine der Maßnahmen, folgerte Bürgermeister Winter. Das Ergebnis der Untersuchung sei im Grunde eindeutig: Es handle sich offensichtlich um einen „unauffälligen Bereich“. Dennoch könne man bei Bedarf versuchen, für eine Temporeduzierung zu argumentieren.
Bürger gehen zu Fuß zu Rossmann und Sehne
Ein Tempolimit auf 30 Kilometer pro Stunde würde er begrüßen, meinte CDU-Stadtrat Wolfgang Hauser, sei die Strecke zwischen den Gehwegen doch weit. Zudem gelte gefühlt ohnehin fast überall auf dem Lindenhof bereits Tempo 30.
Für eine Geschwindigkeitsbegrenzung müssten gute Gründe vorliegen, erinnerte Jana Wachter. Es müsste sich beispielsweise um einen Unfallschwerpunkt handeln, oder sensible Einrichtungen wie Schulen oder Kitas müssten sich in unmittelbarer Nähe befinden.
Dieses Kriterium sei mit der WABE-Kita in der Nähe erfüllt, meinte SPD-Stadträtin Ruth Hunds. Sie gab zu bedenken, dass viele Bürger zu Fuß zum Drogeriemarkt Rossmann oder zur Bäckerei Sehne gehen würden. „Wir müssen auch an die langsamen Bürger denken.“ Man könne froh sein, dass bisher nicht mehr passiert sei.
Bisher ging es auch ohne
Winter erinnerte daran, dass bisher auch kein Bedarf für eine Querungshilfe geäußert worden sei, und die Erfahrung zeige, dass es bisher auch ohne gegangen sei. Und man könne die Umwelt aus seiner Sicht nicht an jeder Stelle so gestalten, dass nie irgendetwas passieren könne.
FWV-Stadtrat Thomas Hartmann sah das ähnlich und verwies auf die Eigenverantwortung eines jeden. Dass bislang wenig passiert sei, zeige, dass die Stelle sicher sei. Ruth Hunds räumte ein, dass die Situation schwierig sei, aber man doch zumindest überlegen müsse, ob man eine Lösung finden könne.
Querungshilfe nicht favorisiert
Wie viele Fußgänger tatsächlich in der Von-Gunzert-Straße unterwegs seien, dazu lägen der Stadt keine Zahlen vor, meinte Jana Wachter auf Nachfrage von Markus Danner (FWV), der bis auf Tempo 30 keinen Lösungsvorschlag für sinnvoll erachtete.
Als „nett gemeinte symbolische Geste“ bezeichnete Robin Jackl (FWV) die Lösungsvorschläge. Aus seiner Sicht könne man bei der Entscheidung für Tempo 30 mitgehen, alles andere sei bei den geringen Unfallzahlen nicht sinnvoll. „30 wäre ein erster Schritt“, meinte Hunds. So könne man zumindest Sensibilität schaffen. Diesen Weg soll die Stadtverwaltung nun weiterverfolgen.