Foto: Morlock

Der Horber Unternehmer Ralf Schlatter hatte zu einem Autokorso in Horb aufgerufen, um gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu protestieren. Dem Aufruf des "Querdenkers" folgten doch einige Mitstreiter.

Horb - Sonntagnachmittag, zur allerbesten Mittagsschläfchenzeit, fuhr eine Autokorso vom Festplatz hoch ins Industriegebiet und von dort aus in die Stadtteile Altheim, Talheim und Bildechingen. Nein, es war kein Hochzeitszug, der da mit Hupe und Lichtsignal Braut und Bräutigam lautstark begleitete und auch kein Sportergebnis war es wert, dass man so seiner Freude über einen Sieg kundtat. Im Gegenteil: Es war ein Autokorso der sogenannten "Querdenker-Bewegung", die lautstark auf ihre Belange aufmerksam machte.

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Demokratie bietet eben offenen Raum für jede Art der Meinungsfreiheit. Und dieser Raum wird auf sehr unterschiedliche Art und Weise genutzt. Nicht nur in Großstädten wie Berlin und Stuttgart machen die "Querdenker" auf sich aufmerksam. Sie gehen inzwischen auch in Mittelzentren wie Horb wegen der strengen Corona-Verordnungen auf die Straße. Marschierten beim ersten Lockdown noch die Leute mit Plakaten über extra ausgewiesene Plätze, fahren sie nun als Autokorso durch die Hauptverkehrsstraßen der Städte und Gemeinden.

Demo auch in Reutlingen

Zwar verbot das Stuttgarter Verwaltungsgericht erst neulich einen für Freitagnachmittag in Ludwigsburg angemeldeten Auto-Korso der "Querdenker"; dies jedoch nur, weil der Veranstalter schon mehrfach negativ aufgefallen war. Am Samstag protestierten die Insassen von rund 130 Fahrzeugen in der Reutlinger Innenstadt gegen die Corona-Auflagen der Bundesregierung. Die Demonstranten forderten einen differenzierten Umgang mit den Verboten, die Bund und Land aufgrund der Pandemie für unerlässlich halten. Auch fordern sie eine kontrollierte Öffnung von Gastronomie und Einzelhandel.

In Horb folgte man Sonntagnachmittag diesem Beispiel. Auf Initiative von Dachdeckermeister Ralf Schlatter versammelten sich die "Querdenker" mit wesentlich mehr als den vom Veranstalter avisierten 100 Fahrzeugen auf dem von der Stadt bereitgestellten Festplatz, der Ausgangspunkt und Ziel des ersten "Querdenker-Korsos" in der Neckar-Stadt war. Die Polizei spricht von 123 teilnehmenden Fahrzeugen. Sie formierten sich für einen neutralen, gerechten und fairen Diskurs, wie Schlatter sagte. In einem vorausgegangenen Gespräch mit unserer Zeitung stellte Schlatter für sich fest: "Ich möchte mit dem Autokorso animieren, selber nachzudenken, ob es eine Pandemie ist oder keine Pandemie gibt. Dass es Corona gibt, ist keine Frage. Denn wir hatten schon vorher Coronaviren. Wir wollen nur, dass die Leute sich selbst Gedanken machen, selbst recherchieren. Wir sind nicht links, nicht rechts und auch keine Verschwörungstheoretiker."

Initiator Schlatter formulierte seine Forderung dahingehend, dass man mit den Argumenten, auf die man jetzt mit dem Autokorso aufmerksam macht, erreichen möchte, dass man den Lockdown lockert und dass man die Rahmenbedingungen besser den Gegebenheiten der jeweiligen Branche anpassen kann. Auch fordert er, dass die Regierung auch andere Virologen und andere Meinung akzeptieren und hören soll und nicht nur "die Meinung von Herrn Drosten als einzige Wahrheit nutzt".

Kaum Verstöße

"Schreibt bitte, dass das hier alles anständige, normale Leute und auf gar keinen Fall Nazis sind", bat Ofensetzer-Meister Peter Nikol, der ebenso wie andere Horber, aber auch Menschen aus anderen Orten, an dieser friedlich verlaufenen Demonstration teilnahm. Man sah Nummernschilder aus Böblingen, Calw, Reutlingen, Freudenstadt, Mannheim oder auch aus Offenburg. Laut Polizei sei es lediglich zu Verstößen gegen das Hupverbot gekommen.

Während man auf die Abfahrt wartete, berichtete eine junge Frau im persönlichen Gespräch, dass sie hinter den FFP2-Masken kaum Luft bekomme und wie schwer sie es mit ihren fünf Kindern habe, die sie neben ihrer Arbeit im Homeoffice noch bespaßen und unterrichten dürfe. Ihre Meinung: "Irgendwann kommt man an seine Grenzen. Und dann fängt man an, sich zu informieren, nachzulesen und zu recherchieren und das Ergebnis steht dann schnell fest. Man muss etwas tun. Und wenn es nur ein Signal, wie wir es heute setzen, ist."

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