Ivan Ristanovic verkörpert Queen-Frontman Freddie Mercury voller Power. Foto: Meinert

Die Bühnenshow "The Spirit of Freddie Mercury: Die Stimme – Das Gefühl – Die Leidenschaft" hat ihrem Titel alle Ehre gemacht: Freddie Mercury und seine Band "Queen" schienen in der Balinger "volksbankmesse" auferstanden zu sein.

Balingen - Die Bühnenshow machte ihrem Motto "Die Stimme – Das Gefühl – Die Leidenschaft" alle Ehre: Freddie Mercury und "Queen" schienen auferstanden zu sein.

Emotionsgeladen und mit höchster Virtuosität in Stimmen, Instrumenten und Choreografien präsentierten zehn Künstlerinnen und Künstler den Geist der Musiklegende an einem besonderen Datum: Am 23. November 1991, auf den Tag genau vor 30 Jahren, verkündete Freddie Mercury offiziell seine Aids-Erkrankung, bevor er am Abend des nächsten Tages im Alter von 45 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung starb.

Der 1978 in Serbien geborene Ivan Ristanovic ist der Frontman in der Rolle des Freddie Mercury. Während des ganzen Programms zeigt er eine energiegeladene Beweglichkeit, läuft über die große Bühne in allen Richtungen, gesellt sich zu einzelnen Musikern, besteigt die Monitorboxen, wird Partner der Tänzerinnen und Tänzer. Er singt so nah am Bühnenrand, dass seine Schuhsohle halb über dem Abgrund steht, und scheut auch den Weg ins Publikum nicht: Mehrmals verlässt er die Bühne, um auf der ersten Stuhlreihe stehend zu singen oder die Gänge zwischen den Bestuhlungsblöcken zu durchlaufen.

Seine wechselnden Kostüme erinnern ebenso an das Idol wie das Mikrofon am kurzen Mikrofonstativ. Selbst im Aussehen erinnert er an den 1946 in Indien geborenen Farrokh Bulsara, der später unter seinem Künstlernamen Freddie Mercury Weltruhm erlangte und dessen Musik unsterblich ist.

Die vier Musiker der Band sind nicht nur großartige Virtuosen auf ihren Instrumenten, sondern auch starke Sänger. Nenad Bojković verkörpert den Queen-Gitarristen Brian May, entlockt der E-Gitarre atemberaubende Töne und Klänge und zeigt sich ebenso virtuos auf der akustischen Gitarre wie als Solosänger. Der Bassist Ivan Derfi steht seinem Queen-Vorbild John Deacon in nichts nach, begeistert mit den schnellen Tonfolgen seiner Bassgitarre. Der Schlagzeuger Rados Capin wurde 1984 in Serbien geboren und ist neben Tätigkeiten als Session-Schlagzeuger Mitglied der Belgrader Oper. Der im Programmheft nicht erwähnte Pianist "Mr. Will" spielt und singt mit großer Hingabe, beherrscht rockigen Groove ebenso wie den gefühlvollen Balladenstil.

Ein Quartett aus zwei Tänzerinnen und zwei Tänzern macht die Bühne zur Showbühne. Als "Gaststar" wird die in Wien geborene Sopranistin Elvira Maria Kalev angekündigt und übernimmt die Rolle berühmter Gesangspartnerinnen Mercurys.

Die zweistündige Show beginnt mit einer Stimme aus dem Off, die Wissenswertes über Freddie Mercury, seine Erfolge und seinen Tod berichtet. Musikalisch startet die Show mit einem Opener-Medley: Unvergessene Queen-Hits erklingen an einem Stück und lassen die Band, die spätestens 1985 mit ihrem Auftritt als Hauptband bei Bob Geldofs "Life Aid"-Projekt den weltweiten Durchbruch hatte, zum Leben erwachen.

"I want it all" lässt das Publikum mitsingen und mitklatschen, bei "Somebody to love" vereinen sich Ivan Ristanović und Elvira Maria Kalev zum ausdrucksvollen und eindringlichen Duett. "Get down, make love" lässt den Frontmann von der Bühne steigen, gefolgt vom E-Gitarrensolo "Brighton Rock". Bei "Love of my Life" begleitet Nenad Bojković den Sänger auf der Akustikgitarre, bevor die Musiker und Tänzer nach 45 Minuten und "We will rock you" das Publikum in die Pause entlässt. Danach geht das Programm ebenso rasant weiter, wie es zuvor aufgehört hatte.

"A kind of Magic" zaubert Energie auf die Bühne und in die Messehalle. Nach "Another one bites the Dust" folgt ein mehrminütiges Schlagzeug­solo. Dann beweist Elvira Maria Kalev, dass Tonfülle nichts mit Körperfülle zu tun hat: "Barcelona" mit symphonischer Begleitung vom Band wird zum stimmgewaltigen Duett, macht Gänsehaut.

Das gilt auch für den ebenfalls im Duett vorgetragenen Welthit "Who wants to live forever". Bei "I want to break free" schmückt sich der Sänger mit einer Perücke. "Radio Ga Ga" lässt die Tänzer mit einem beleuchteten Nostalgie-Radio spielen und das Publikum mitsingen. Es folgt "Bohemian Rhapsody" mit den bekannten Melodien.

Die Ballade "No one but You" mit ihrer Textzeile "Now the party must be over" ist nicht nur eine Hommage an Freddie Mercury, sondern kündigt nach knapp zwei Stunden das nahende Ende der Show an, deren Programm in einer Durchhalteparole endet: "Show must go on!" Das wünscht sich auch das Publikum und fordert Zugaben. Vor stehenden Rängen erklingt noch einmal "We will rock you", und dann als Abschluss die Hymne "We are the Champions". Ein grandioser Abend geht zu Ende mit Musikern, die in ihren Heimatländern bekannte Stars, aber in Deutschland eher unbekannt sind. In Belgrad spielten sie vor mehr als 60 000 Zuhörern – in Balingen vor vielen leeren Stühlen.