Der Premiumhersteller verdient trotz fehlender Halbleiter und gedämpften Absatzes prächtig. Die Bayern schlagen sich besser als die meisten ihrer Konkurrenten. Und das liegt nicht daran, dass sie härter sparen als die anderen – im Gegenteil.
München - Die Automobilbranche zerfällt in der Chipkrise zunehmend in zwei Gruppen. Auf der einen Seite stehen viele Zulieferer und Massenhersteller wie VW, denen der Mangel an Halbleitern schwer zu schaffen macht. Auf der anderen Seite schrauben weitgehend resistente Hersteller wie Tesla, BMW und mit Abstrichen auch Mercedes ihre Gewinnprognosen nach oben.
„Wir konnten die Situation besser abfedern als viele Wettbewerber“, sagte BMW-Chef Oliver Zipse nun zur Vorlage eines Zwischenberichts. Das stimmt in vielerlei Hinsicht. Zwar hat der Chipmangel auch beim BMW-Absatz des dritten Quartals 2021 mit einem Rückgang von zwölf Prozent auf noch knapp 600 000 weltweit verkaufte Autos der drei Konzernmarken BMW, Mini und Rolls-Royce seine Spuren hinterlassen. Aber bei den beiden Premiumkonkurrenten Mercedes und Audi war der Absatzschwund mit jeweils rund einem Viertel gut doppelt so hoch.
BMW rechnet mit einem Absatzplus
BMW will bis Jahresende insgesamt auch „solide“ mehr Autos verkauft haben als im Vorjahr. Solide bedeutet im BMW-Jargon ein Plus von mindestens fünf Prozent. Mercedes erwartet dagegen am Ende einen Absatz leicht unter Vorjahr. Audi kalkuliert mit stagnierenden Verkaufszahlen. Autoanalysten schätzen, dass BMW in diesem Jahr wegen fehlender Chips zwischen 90 000 und 100 000 Autos nicht wird bauen und verkaufen können. Das ist ein recht überschaubarer Negativeffekt: Branchen- und weltweit dürften wegen Chipmangels zwischen acht und elf Millionen Autos nicht gefertigt werden.
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Voraus fahren die Münchner auch bei der Rendite: Im reinen Autogeschäft stehen bei BMW nach neun Monaten 2021 satte 11,3 Prozent operative Umsatzrendite zu Buche. Rechnet man das China-Geschäft dazu, sind es sogar rund 12,5 Prozent. Auf dieser Basis schaffen Mercedes 11,8 Prozent und Audi 9,5 Prozent. Im Gesamtjahr kalkuliert BMW mit einer jüngst erhöhten Renditespanne von 9,5 bis 10,5 Prozent – ohne das lukrative China-Geschäft. Die Münchner dürften damit auch in den nächsten Monaten die Nase vorne behalten.
BMW nennt kein Verfallsdatum für seine Verbrenner
Der Umstand, dass seine Branche wohl noch bis tief in das zweite Halbjahr 2022 hinein mit Chipknappheit zu kämpfen haben dürfte, macht Zipse nicht erkennbar besorgt. Erkauft wird die besondere Widerstandskraft der Münchner zudem nicht mit übermäßigem Stellenabbau. Leicht unter Vorjahr soll bis Jahresende die Personalzahl liegen, kündigte Finanzchef Nicolas Peter an. Übersetzt heißt das, dass im Rahmen natürlicher Fluktuation wie 2020 rund 5000 Stellen abgebaut werden. Speziell bei VW und Audi ist weit massiverer Kahlschlag in der Diskussion. Auch Mercedes spart härter.
Anders als die Konkurrenz verweigern sich BMW und Zipse weiter hartnäckig einem Verfallsdatum für sowohl Entwicklung als auch Produktion von Autos mit Verbrennungsmotor. Mini und Rolls-Royce sollen von 2030 an rein elektrisch sein. Für die Stammmarke BMW gibt es kein Datum.
Das neue Technologieflaggschiff iX
Doch auch Zipse feiert die Absatzzahlen von Elektroautos. In den ersten neun Monaten 2021 habe sein Konzern mit gut 231 000 voll- und teilelektrischen Fahrzeugen doppelt so viele Stromer verkauft wie im gleichen Zeitraum 2020. Beim Gesamtabsatz von gut 1,9 Millionen Autos ist damit jeder neunte Neuwagen des Konzerns in irgendeiner Form elektrisch. Diesen Anteil sollen die vollelektrischen Modelle BMW iX und BMW i4 vergrößern helfen, die diesen Monat auf die Märkte kommen. Vor allem im Elektrogeländewagen iX sehen die Münchner ihr neues Technologieflaggschiff. Dem Elektropioniermodell BMW i3 droht dagegen kommendes Jahr das Aus. Wann das Produktionsende nach neun Jahren im Verkauf erreicht wird, will Zipse nicht verraten. Es werde einen Nachfolger in dieser Kompaktklasse geben – aber er wird nicht mehr i3 heißen.