Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Quarantäne trotz Hygienekonzept Stadtspitze erstmal aus dem Verkehr gezogen

Von
"Wir müssen drinnen bleiben!": Stadträte, Amtsleiter und der Bürgermeister sind in Quarantäne. (Symbolfoto) Foto: Vitalii Vodolazskyi – stock.adobe.com

Der Bad Wildbader Gemeinderat und die Amtsleiter der Stadtverwaltung sind erst einmal aus dem Verkehr gezogen. Der Grund: Ein Mitglied wurde nach der jüngsten Gemeinderatssitzung positiv auf das Coronavirus getestet. Die Folge: Alle Besucher und Teilnehmer der Sitzung müssen in Quarantäne - trotz bestehendem Hygienekonzept. Mehr dazu lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Bad Wildbad - Der Reihe nach: Am Dienstagabend fand im Großen Kursaal des Bad Wildbader Kurhauses die jüngste Sitzung des Gemeinderates statt - mit "vorbildlichem Hygienekonzept", wie es Bürgermeister Klaus Mack ausdrückte, inklusive Lüften, Lüftungsanlage für 300 Personen, weit auseinander stehenden Tischen und Maskenpflicht für alle, die nicht an ihrem Platz sitzen.

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage in unserem Newsblog

Am Donnerstag dann hatte eine Gemeinderätin nach Auskunft Macks eine Grippe bekommen, die dann auch heftiger wurde. Bereits am Freitag sei sie getestet worden und am Samstag habe sie die Info bekommen, dass der Test positiv sei. Sie informierte den Bürgermeister am späten Samstagabend per E-Mail.

Diese Mail las Mack dann am Sonntagmorgen. Nach Rücksprache mit seinem Krisenstab, der vorrangig aus den Amtsleitern der Stadtverwaltung besteht, informierte er um 11 Uhr die Mitglieder des Gemeinderates sowie die weiteren Besucher der Sitzung mit der Bitte zu prüfen, ob man sich als Kontaktperson ersten Grades einschätze. "In diesem Fall müssen Sie sich als Kontaktperson umgehend beim Landratsamt melden. In allen anderen Fällen gehen wir im Moment davon aus, dass Sie das Gesundheitsamt informiert, sollten weitere Maßnahmen erforderlich sein", schrieb Mack am Sonntagmorgen.

Quarantäne-Verfügung

Parallel dazu informierte Mack auch den Landrat und das Gesundheitsamt. Diesem schilderte er auch das Hygienekonzept und die Zu- und Umstände sowie den Ablauf der Sitzung mit Maskenpflicht und Abständen. Dies sei dann alles geprüft worden, auch in Absprache mit zuständigen Ärzten. Abends meldete sich dann der Erste Landesbeamte Frank Wiehe bei Mack. Da die ärztliche Empfehlung sei, die Maske während der Sitzung ständig zu tragen, seien sie zu dem Ergebnis gekommen, für alle anwesenden eine Quarantäne-Verfügung zu erlassen.

Daraufhin informierte Mack um 19.29 Uhr alle bei der Sitzung Anwesenden: "Unser Hygienekonzept ist zwar vorbildlich (der Kursaal verfügt über eine Lüftungsanlage, es gibt eine Maskenpflicht und entsprechende Sicherheitsabstände), doch bei einer festgestellten Infektion entbindet das die Anwesenden nicht von einer Quarantänepflicht. Das Landratsamt kommt in seiner Bewertung zum Ergebnis, dass ›die Teilnehmer der Gemeinderatssitzung, als Kontaktpersonen der Kategorie 1 anzusehen sind und sich für 14 Tage (gerechnet ab der Sitzung!), d.h. bis 01.12.2020, in Quarantäne begeben müssen." Mack schreibt weiter: "Es tut mir leid, Ihnen am Sonntagabend keine besseren Nachrichten überbringen zu können. Aber die Sicherheit geht vor und die Begleitung durch unser Landratsamt war wirklich vorbildlich." Die Quarantäne-Verfügung gelte ab sofort, das Gesundheitsamt werde sich mit allen Betroffenen in Verbindung setzen.

Der Bad Wildbader Bürgermeister zeigte sich dennoch überrascht, dass alle Besucher der Sitzung trotz des Hygienekonzeptes in Quarantäne müssen. "Es ist vermutlich den meisten Leuten nicht so bewusst, dass ein Hygienekonzept nicht von Quarantäne abhält", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Dies gelte natürlich auch für die anderen Städte und Gemeinden. Vor diesem Hintergrund müsse man dann natürlich gut überlegen, ob überhaupt noch Sitzungen stattfinden könnten. Natürlich könne man jetzt diskutieren und argumentieren, ob das so Sinn mache. "Oder wir akzeptieren es wie alle anderen auch", so der Bürgermeister, und weiter: "Ich tue mir schwer, da zu intervenieren." Natürlich werde es noch weitere Gespräche mit dem Gesundheitsamt und dem Landratsamt geben. Aber er geht jetzt "einfach mal davon", dass die Quarantäne auch tatsächlich bis einschließlich nächsten Dienstag gelte.

Besonders hart treffe das vor allem die Stadträte, die ihrer Tätigkeit ehrenamtlich nachgingen. Vor allem natürlich, wenn diese auch noch selbstständig seien, so Mack. Das sei schon ein Unterschied zu den städtischen Angestellten. "Wir in der Verwaltung kriegen das organisiert", sagt Mack.

Amtsleiter tagen per Videokonferenz

So habe man bereits am Sonntagabend mit dem Krisenstab intensiven Kontakt gehabt. Zudem gebe es eine Whatsapp-Gruppe und am Montagmorgen habe die Amtsleiter-Runde bereits per Videokonferenz von zu Hause aus getagt. Er stünde mit den Mitarbeitern in engem Kontakt und stimme sich ab. Auch wenn es organisatorisch nicht ganz einfach sei, ist der Bürgermeister dennoch überzeugt: "Wir sind arbeitsfähig."

Das Calwer Gesundheitsamt sieht die angeordneten Maßnahmen als gerechtfertigt an. "Aus Gründen des Gesundheitsschutzes und zur Eindämmung der Pandemie sind die Maßnahmen verhältnismäßig", teilt Janina Müssle vom Landratsamt Calw auf Anfrage des Schwarzwälder Boten mit. Das Gesundheitsamt entscheide auf Grundlage der Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes (RKI) und des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg. Gemäß "Konzept Kontaktpersonennachverfolgung Baden-Württemberg" des Ministeriums vom 16. November soll eine differenzierte Kategorisierung von Kontaktpersonen vorgenommen werden, teilt das Gesundheitsamt weiter mit. Unter Berücksichtigung der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Schutzwirkung von Mund-Nasen-Schutz und Mund-Nasen-Bedeckung sowie des Effektes der Lüftung auf die Aerosolkonzentration bedeute dies analog zum Vorgehen zum Beispiel in Schulen, dass anwesende Personen als Kontaktpersonen der Kategorie 2 eingestuft werden, wenn eine nicht-medizinische Alltagsmaske oder eine vergleichbare Mund-Nasen-Bedeckung durchgehend und korrekt getragen wurde (sowohl von der infizierten Person als auch der Kontaktperson) und das Zimmer gelüftet wurde, um die Anreicherung von Aerosolen zu reduzieren. In diesem Kontext sei hervorzuheben, dass zur Einstufung in die Kategorie 2 der Mund-Nasen-Schutz/die Mund-Nasen-Bedeckung nicht abgenommen werden darf, heißt es weiter.

In weiterführenden Schulen etwa werde die ganze Zeit Maske getragen, somit sei eine "Komplett-Quarantänisierung" nicht notwendig. Da in Grundschulen keine Maskenpflicht bestehe, werde im Falle einer infizierten Person für die ganze Klasse Quarantäne angeordnet. Auch in der Gemeinderatssitzung wurde nicht durchgängig eine Maske getragen, daher sei hier ein analoges Vorgehen wie in der Grundschule angebracht.

Das sagt das Ordnungsamt

Teilnehmer der Gemeinderatssitzung, "die grippeähnliche Symptome entwickeln, müssen sich beim Arzt oder Gesundheitsamt melden und sich testen lassen", heißt es vom Bad Wildbader Ordnungsamt.

Für alle anderen bestehe eine freiwillige Möglichkeit, sich testen zu lassen. Dies sei aber nur zur eigenen Beruhigung oder dann sinnvoll, wenn zwischen Dienstag und Sonntag noch viele Kontakte stattgefunden hätten, zu deren Beruhigung.

Grundsätzlich befreie ein negatives Testergebnis in diesem Fall aber nicht von der Quarantänepflicht, was heißt, die Quarantäne muss mit oder ohne Testergebnis vollständig abgeleistet werden. Die Quarantänepflicht besteht bis einschließlich 1. Dezember.

Wer sich testen lassen möchte, kann das über die Terminvergabe des Gesundheitsamtes bei den Testzentren tun, oder über den Hausarzt auch beispielsweise einen Termin in der Praxis Limberg machen.

Kommentar: Ungenügend!

Von Bernd Mutschler

Das saß: Weil eine Gemeinderätin nach der Sitzung positiv auf das Coronavirus getestet wurde, holte das Calwer Gesundheitsamt zum Rundumschlag aus und schickte gleich alle in Quarantäne: Stadträte, Verwaltungsmitglieder inklusive Bürgermeister Klaus Mack – und auch die Pressevertreter. Davon war dann nicht nur Mack überrascht. Denn immerhin hatte man doch ein »vorbildliches Hygienekonzept« mit Lüftung, Abstand und Mund-Nasen-Schutz. Das reicht aber offensichtlich nicht. Aber wozu gibt es Hygienekonzepte, wenn bei einem positiven Fall trotzdem alle in Quarantäne müssen? Weil nicht die ganze Zeit Maske getragen wurde? Bislang war der Tenor, dass Maske Pflicht ist, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. Nun reicht das aber offenbar auch nicht mehr. Problem dabei: Wenn das niemand weiß, kann auch niemand reagieren. Kommunikation ungenügend. Durch diese fehlende Kommunikation erscheinen immer wieder Entscheidungen willkürlich und nicht nachvollziehbar. Da braucht sich dann niemand wundern, wenn die Akzeptanz für immer strengere Auflagen sinkt – und noch mehr Leute anfangen »quer« zu denken. Das kann niemand wollen.

Artikel bewerten
5
loading

Sonderthemen

 

Ihre Redaktion vor Ort Bad Wildbad

Markus Kugel

Fax: 07051 130891

Ihre Redaktion vor Ort

Bernd Mutschler

Fax: 07051 130891

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.