Unpünktlich, dreckig, teuer – der öffentliche Personennahverkehr auf der Schiene hat einen schlechten Ruf. Da bildet die Schwarzwaldbahn keine Ausnahme. Was ist dran an der Kritik?
Sie verbindet St. Georgen über Singen mit dem Bodensee, über Mannheim mit dem Norden Baden-Württembergs – und im Sommer sogar direkt mit Köln: Für viele Reisende aus der Bergstadt ist die Schwarzwaldbahn kaum wegzudenken. Und doch ist die Strecke immer wieder auch eines: Anlass für massive Beschwerden.
Sperrungen mit Schienenersatzverkehr, Zugausfälle und Verspätungen treiben Reisenden bisweilen die Zornesröte aufs Gesicht. Und sorgen dafür, dass die Schwarzwaldbahn massiver Kritik ausgesetzt ist.
Doch was sagen die Fakten? Das zeigt für fast alle Vertragsnetze im Schienenpersonennahverkehr in Baden-Württemberg – auch für die Schwarzwaldbahn – das „bwegt-Qualitätsranking“, das auf Initiative des Landesverkehrsministeriums halbjährlich erscheint.
Die jüngste Auflage, erschienen im Januar dieses Jahres, stützt sich auf Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2025. Sie zeigt, wie die Schwarzwaldbahn in fünf Kategorien und insgesamt abschneidet – auch im Vergleich zu anderen Bahnlinien.
Erste Kategorie: Pünktlichkeit
Nur ein klein wenig unpünktlicher als im zweiten Halbjahr 2024 waren die Züge der Schwarzwaldbahn im ersten Halbjahr 2025. Von 100 möglichen Punkten schafft es die Strecke auf 75,38. Bedeutet: Etwa drei Viertel aller Züge waren in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres pünktlich. Etwa ein Viertel der Züge war mindestens vier Minuten verspätet.
Damit rangiert die Schwarzwaldbahn in dieser Kategorie im Vergleich aller 32 untersuchten Vertragsnetze im Schienenpersonennahverkehr in Baden-Württemberg nur auf dem 25. Platz. In den vorangegangenen Halbjahren bewegte sich der Pünktlichkeitswert etwa im selben Rahmen.
Zweite Kategorie: Zuverlässigkeit
Um die Frage, wie viel Prozent der Züge ausgefallen sind, geht es beim Kriterium der Zuverlässigkeit. Hier erreicht die Schwarzwaldbahn einen Wert von 99,39. Maximal sind auch hier 100 Punkte möglich. Zuletzt – im zweiten Halbjahr 2024 – schnitt die Schwarzwaldbahn minimal besser ab. In den Halbjahren zuvor lagen die Werte jedoch niedriger als im ersten Halbjahr 2025.
Im Vergleich zu den anderen untersuchten Vertragsnetzen sortiert sich die Schwarzwaldbahn in dieser Kategorie im unteren Mittelfeld ein.
Dritte Kategorie: Zugkapazität
Sind auf der Strecke auch Züge mit genügend Sitzplätzen und Waggons unterwegs, um die Soll-Werte zu erfüllen? Diese Fragestellung steht in puncto Zugkapazität im Vordergrund. Die Antwort – zumindest für die Schwarzwaldbahn: Nicht ganz. 96,96 von 100 möglichen Zählern stehen am Ende unter dem Strich. Das bedeutet Platz 16 – also die genaue Mitte aller bewerteten Vertragsnetze.
Im Vergleich zu den beiden Halbjahren 2024 hat sich die Bewertung der Zugkapazitäten jedoch leicht verschlechtert. Damals lagen die Werte der Schwarzwaldbahn jeweils über 97.
Vierte Kategorie: Sauberkeit
Deutlich zu wünschen übrig lässt die Sauberkeit der Schwarzwaldbahn-Züge. Mit 82,47 von 100 möglichen Punkten landet die Strecke unter den 32 untersuchten Netzen nur auf Rang 27.
Und nicht nur das: Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Wert ein Tiefpunkt. Seit dem ersten Qualitätsranking im ersten Halbjahr 2021 war der Sauberkeitswert noch nicht so niedrig wie im ersten Halbjahr 2025. Seit dem ersten Halbjahr 2024 zeigt sich ein stetiger Abwärtstrend.
Fünfte Kategorie: Gesamtzufriedenheit
Schulnote 2,59 vergaben Fahrgäste im ersten Halbjahr 2025 für die Schwarzwaldbahn – damit ist die Bewertung seit dem ersten Halbjahr 2024 recht konstant. Seit Beginn des Qualitätsrankings fanden sich die Bewertungen in dieser Kategorie stets zwischen 2,23 und 2,85 – die jüngste Einschätzung liegt damit im Mittelfeld.
Im Vergleich der Vertragsnetze bedeutet das für die Schwarzwaldbahn Rang 24 – und damit einiges an Aufholbedarf.
Die Gesamtbewertung
Alles in allem landet die Schwarzwaldbahn beim Qualitätsranking in der unteren Hälfte: Rang 19 und eine Gesamtwertung von 40,20 Punkten sind die Bilanz. Im zweiten Halbjahr 2024 hatte die Strecke noch 4,51 Punkte besser abgeschnitten – und war damals im Vergleich auf Platz zwölf gelandet.
Aufholbedarf besteht auf Grundlage des Qualitätsrankings aber auf jeden Fall – vor allem auf die Spitzenreiter: Die Albbahn, die im ersten Halbjahr 2025 ganz vorne landete, sammelte insgesamt 89,86 Punkte – das ist mehr als doppelt so viel wie die Schwarzwaldbahn.
Die Datenbasis
Pünktlichkeit
Um die Pünktlichkeit der Züge zu überprüfen, wird deren Ankunftszeit an einigen Bahnhöfen automatisch erfasst – um welche Bahnhöfe es sich handelt, ist dabei jeweils vertraglich festgelegt. Am Ende des Halbjahrs wird aus diesen Daten ein Wert für das Gesamtnetz ermittelt. Für die meisten Vertragsnetze gilt ein Zug dann als pünktlich, wenn er mit weniger als vier Minuten Verspätung am Bahnhof ankommt. Für die Gesamtbewertung wird das Kriterium Pünktlichkeit mit 25 Prozent gewichtet.
Zuverlässigkeit
Dieser Wert wird auf Grundlage gemeldeter Zugausfälle berechnet – wobei nur solche in die Statistik einfließen, die das Unternehmen, welches den Bahnverkehr auf der jeweiligen Strecke betreibt, zu verantworten hat. Darunter fallen vor allem fahrzeug- oder personalbedingte Ausfälle, nicht aber Ausfälle aufgrund von Streiks, Unwetter und Unfällen. Die Zuverlässigkeit macht 25 Prozent der Gesamtbewertung aus.
Sauberkeit und Zugkapazität
Um diese beiden Kategorien zu bewerten sind unabhängige Qualitätsprüfer mehrmals pro Jahr unterwegs. Sie überprüfen stichprobenartig, wie sauber die Züge sind und ob genügend Waggons und Sitzplätze vorhanden sind. Zugkapazität und Sauberkeit werden für die Gesamtbewertung mit 15 beziehungsweise zehn Prozent gewichtet.
Gesamtzufriedenheit
Für diese Kategorie werden Nutzer befragt. An vier Befragungsperioden im Jahr gehen Mitarbeiter eines unabhängigen Marktforschungsinstituts mit Fahrgästen ins direkte Gespräch. Diese bewerten die Leistungen mit Schulnoten. Die Gesamtzufriedenheit macht letztlich 25 Prozent der Gesamtbewertung aus.