Anke Brügmann umringt von den Waisenkindern in Haiti:Sie stand auf dem Wolfacher Kuchenmarkt zu Gesprächen über die momentane Lage in Haiti zur Verfügung. Foto: Pwojè men kontre

Für den Haiti-Hilfe-Verein Pwojè men kontre ist es zu Weihnachten ein besonderes Anliegen, auf die prekäre Situation der Kinder aufmerksam zu machen.

Anke Brügmann, die Vorsitzende des Haiti-Hilfe-Vereins Pwojè men kontre (kreolisch: Projekt der helfenden Hände), der im haitianischen Beaumont ein Waisenhaus, eine Schule und eine Krankenstation betreibt, war auch auf dem Wolfacher Kuchenmarkt vertreten. Sie stand zu einem Gespräch über die momentane Lage in Haiti zur Verfügung.

 

„In Haiti herrscht Anarchie“, so ihr Tenor zur derzeitigen Lage. In ländlichen Gegenden wie Beaumont ist es relativ ruhig und die Arbeit von Pwojé men kontre nicht gefährdet. Durch den herrschenden Ausnahmezustand ergeben sich Transportprobleme. Waren sind sehr schwer zu bekommen und ausgesprochen teuer. So beträgt die Inflation bei Lebensmitteln 35 Prozent. „Das bekommen besonders die Armen zu spüren“, stellt Brügmann fest. Aus der Hauptstadt Port-au-Prince kommen viele Flüchtlinge.

Wohnraum für 82 Menschen

Für die Kinder dieser Bedürftigen versucht die Schule, Vorzugsplätze zur Verfügung zu stellen. Brügmann erzählte eindrücklich von vielen Einzelschicksalen: So berichtete sie von einem völlig unterernährten und in seiner Entwicklung zurückgebliebenen Zweijährigen, der im Sommer aufgenommen worden war; seine Mutter war in Port-au-Prince erschossen worden und er lebte bei seinem blinden Opa. Dringlich sei auch die Aufnahme von Kindern zur Tuberkulosebehandlung.

Viel zu tun gibt es auch in der Krankenstation, in der viele Schwangere, auch aus Nachbarstädten, entbunden werden. Daneben kümmert sich die Station auch umWaisenkinder und Menschen mit Behinderung. Für 82 Flüchtlinge hat der Verein Wohnraum geschaffen. Der extrem starke Wirbelsturm Melissa im Oktober hat große Schäden angerichtet. 375 Menschen wurden in ein benachbartes Gymnasium evakuiert und mussten von der Einrichtung mitversorgt werden.

Die Infrastruktur ist verwüstet. So ist die Einrichtung noch immer ohne Strom, auch weil keine neuen Batterien beschafft werden können. Mühsam wird die Wasserversorgung wiederhergestellt. Das Hauptproblem: „Wir geben vor Ort mehr aus, als wir einnehmen, bloß um den Status Quo zu erhalten“. Dabei stehen etliche Sanierungen an und die Personalkosten steigen. Inzwischen gibt es bei ihnen nur noch drei warme Kantinenessen pro Woche. Der Verein muss um Spenden kämpfen. Etwa, um an Weihnachten Lebensmittelpakete zu finanzieren.

Erfreulich sei für Pwojé men kontre das Ergebnis des Kuchenmarkts und Spenden, etwa des Eine-Welt-Ladens. „Allen danke dafür“, sagt Brügmann. Zu Weihnachten sei es ganz besonders wichtig zu helfen, um den Kindern eine Freude zu bereiten. Neben Spenden seien auch neue Mitglieder willkommen, beendete Anke Brügmann das Gespräch.

Spenden

Jede Spende hilft: Ein Mittagessen kostet derzeit rund 1,20 Euro. Spenden gehen auf das Konto von Pwoje men kontre bei der Sparkasse Wolfach (IBAN: DE07 6645 2776 0010 1480 72, BIC: SOLADES1WOF).