Auch in Hechingen sind großflächige Photovoltaikanlagen geplant. Wie die Stadt davon finanziell und ökologisch maximal Nutzen haben könnte, haben der Nabu und die Regionalgruppe der Teckwerke Bürgerenergie nun in einem Vortrag erklärt.
Sind große Photovoltaikanlagen auf freiem Feld ökologisch? Wer profitiert davon? Das waren Fragen, die am Donnerstag im Bildungshaus St. Luzen besprochen wurden:
Die Nabu-Position
Was der Nabu dazu denkt, erklärte Pia Schmidt, hauptamtliche Mitarbeiterin dieser Naturschutzorganisation. „Klimaschutz ist Artenschutz“, sagte sie. Treibhausgase reduzieren und damit die Erderwärmung bremsen, das sei überlebenswichtig für viele Tier- und Pflanzenarten. Deshalb sei der Nabu auch für den Bau großflächiger Photovoltaik-Anlagen.
Die Nabu-Vorbehalte
Trotzdem weist der Nabu darauf hin, dass Photovoltaik-Flächen ein Eingriff in die Natur bedeuten. Die Forderung deshalb: Diese Anlagen müssen möglichst so gebaut werden, dass der Tier- und Pflanzenschutz berücksichtigt werden. Ausgleichsmaßnahmen werden eingefordert.
Projekte in Hechingen
Um dieses Ziel zuverlässig zu erreichen, seien die Teckwerke Bürgerenergie als Genossenschaft wichtig, erklärten Almut Petersen und Reinhold Robertz als Sprecher der Hechinger Regionalgruppe. Sie zeigten, was vor Ort geplant ist: Eine Fläche oberhalb von Stetten auf der alten Mülldeponie, eine Fläche am Energiespeicher des Baugebiets Killberg IV und eine Fläche an der B27 kurz vor Bodelshausen. Diese Gebiete seien relativ unstrittig, aber wer dort als Projektträger zum Zuge komme, sei nicht entschieden. „Die Teck-Werke werden sich auf jeden Fall bewerben“, erklärte Petersen.
Ökologischer Vorteil
Da die Teckwerke eine Genossenschaft seien mit der Regionalgruppe vor Ort als zuständigem Träger, sei eine enge Abstimmung über die ökologische Gestaltung mit dem Nabu selbstverständlich, so Petersen. Bei einem Privatinvestor könne man da auf Dauer nicht sicher sein, auch weil solche Anlagen oft weiterverkauft würden. Über die Teckwerke-Regionalgruppe gebe es dagegen einen dauerhaften Ansprechpartner vor Ort.
Die finanzielle Seite
Mit Photovoltaik-Großanlagen lasse sich Geld verdienen. Die bestehenden großen Photovoltaikanlagen bei der ehemaligen Discothek WOM und auf der Kreismülldeponie bei Hechingen gehören beispielsweise den Tübinger Stadtwerken, die die Erträge bei sich verbucht. Die Teckwerke dagegen würden nicht nur direkt in Hechingen Steuern zahlen, als Genossenschaft bietet sie den Einwohnern auch die Chance, sich an den Anlagen finanziell zu beteiligen und damit direkt von der Rendite zu profitieren. „Wenn man die Anlagen schon in der Landschaft sehen muss, sollten man als Einwohner auch davon etwas haben“, meint Petersen.
Die Ölscheichs
Wie wichtig eine regional verankerte Genossenschaft als Betreiberin einer Anlage sein kann, zeige sich bereits bei Windkraftanlagen in Norddeutschland, wie berichtet wurde. Eigentümer seien dort oft schon Institutionen aus dem arabischen Raum, vereinfacht ausgedrückt „die Ölscheichs“. Im Gegensatz zu deutschen Bedenkenträgern hätten die längst das finanzielle Potenzial der Ökoenergie erkannt und Anteile gekauft. Almut Petersen mahnte: „Eigentlich wollten wir uns mit Öko-Energie von denen unabhängiger machen, aber so klappt das nicht“. Die Anlagen müssten im Eigentum der Leute vor Ort bleiben.
Wie es weitergeht
Die Teckwerke wollen nun gemeinsam mit dem Nabu ein Konzept für Großflächen-Photovoltaik für Projekte in Hechingen erstellen und sich darum bewerben, den Zuschlag zu kriegen. Dass die Wertschöpfung vor Ort bleibe und dass ökologische Aspekte wichtig genommen würden, werde den Teckwerken Pluspunkte im Bewerbungsverfahren bringen, ist sie sicher.