Auf dem Landratsamt des Zollernalbkreis in Balingen befinden sich bereits Photovoltaikanlagen, die den Strombedarf des riesigen Gebäudes nur zu Teilen decken. Künftig will die Kreisverwaltung auch andere Liegenschaften mit Solarkollektoren versehen. Foto: Steffen Maier

Der Zollernalbkreis-Kreistag befasst sich mit Sonnenstrom auf kreisigenen Gebäuden. Hier liegt viel Potenzial, das es zu heben gilt.

Sperrig kommt sie daher, die Photovoltaik-Offensive des Zollernalbkreises. Zumindest, wenn man sich stur an die Sitzungsvorlage der jüngsten Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Kreistags hält. Dort ist nämlich vom „Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung für das Gebäudeportfolio der kreiseigenen Liegenschaften“ die Rede. Klimaschutzmanager Hartwig Alber aber erklärte die Taktik, die die Kreisverwaltung nun fahren will.​

 

Wobei „nun“ untertrieben ist, finden sich doch teils Daten mit 2040 und weiter darüber hinaus in den Vorlagen. „Wir haben je Gebäude einen Steckbrief erstellt“, erklärte Hartwig dem Gremium. Damit will man das Potenzial auf den kreiseigenen Gebäuden abklopfen. In der Endausbaustufe, so sind die Pläne, soll bis zu 1379 Kilowatt in der Spitze (kWp) über Solarstrom erzeugt werden von den Dächern. Bis das aber so weit ist, müssen wohl 2,5 Millionen Euro an Investitionen getätigt werden.

Dass das Vorteile hat, davon ist Alber freilich überzeugt. Allein die Anlage auf dem Dach des Landratsamts in Balingen speist ihren erzeugten Strom zu 100 Prozent ins Gebäudenetz ein. Man will bei der Kreisverwaltung vor allem die fünf größten Stromfresser-Gebäude in den Blick nehmen. Allein diese würden 60 Prozent des Strombedarfs aller kreiseigenen Bauten ausmachen – genauer die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule (PHMS), die Walther-Groz-Schule in Albstadt und das berufliche Schulzentrum in Hechingen mit beiden Standorten sowie das Landratsamt in Balingen selbst. „Diese Standorte bieten das größte Einsparpotenzial durch Eigenverbrauch von selbst erzeugtem PV-Strom“, ist daher die Schlussfolgerung. Allein die PHMS schluckt 349.621 Kilowattstunden jährlich, so eine Erhebung aus dem Jahr 2024.

PHMS startet mit zwei Teilen

Gerade an der Balinger Bildungsstätte soll es schon in diesem Jahr losgehen. Auf zwei Gebäudeteilen will die Verwaltung PV-Anlagen installieren, eben weil es mit Abstand der derzeit größte Verbraucher ist. „Die Vorplanung läuft hier schon“, bemerkt Hartwig Alber. Das ist aber auch der einzige „Schnellschuss“. Der Rest der Strategie ist auf lange Sicht angelegt. Man will die wirtschaftlich umsetzbaren Potenziale systematisch ermitteln „und in eine priorisierte Umsetzungsstrategie für die kommenden 20 Jahre überführen“, heißt es in der Vorlage des Ausschusses.

In drei Kategorien hat Alber die Ausbaustufen, die gezündet werden sollen, eingeteilt und priorisiert. In der ersten, die einen Zeithorizont bis 2030 hat, ist freilich auch der Ausbau an der PHMS zu verorten. 255 kWp sollen bis dahin zugebaut werden, Kosten von 446.000 Euro sind hier zu erwarten. Die zweite Stufe soll bis 2040 greifen, weitere 594 kWp Leistung sollen folgen für etwas mehr als eine Million Euro. Die dritte Stufe fügt dann abermals 375 kWp hinzu. Als letzte Ergänzung ist noch das sogenannte „Re-Powering“ vorgesehen, das nochmals 155 kWp bringen soll.

Was ist mit Freiflächen-PV?

Hier werden alte Anlagen, die aus der bisherigen Einspeisevergütung herausfallen, zurückgebaut respektive durch moderne, neue Anlagen ersetzt, die dann für den Eigenbedarf Solarstrom produzieren sollen. Generell, rechnet Alber vor, amortisieren sich die Ausgaben, da am Ende nach 20 Jahren ein Liquiditätsüberschuss von 2,6 Millionen Euro übrig sei. Klar ist für die Kreisverwaltung aber schon jetzt beim PV-Ausbau: „Aufgrund tendenziell sinkender Einspeisevergütungen gewinnt die Maximierung des Eigenverbrauchs – gegebenenfalls unter Einsatz von Batteriespeichern – weiter an Bedeutung.“

In der anschließenden Diskussion meldete sich Burladingens Bürgermeister Davide Licht (Freie Wähler) zu Wort. Was denn mit der Betrachtung von Freiflächen-PV-Anlagen sei, wollte er wissen: „Ist das mit berücksichtigt?“ Das sei eher ein Thema für die Deponien, so Landrat Günther-Martin Pauli, weniger für die aktuelle Planung auf den Dächern der Kreisgebäude. „Wir sind für einen guten Energiemix“, betonte er, dass keiner Sorge haben müsse um landwirtschaftliche Flächen oder Wald. Man fokussiere sich jetzt auf die Dächer, ergänzte auch Catharina Pawlowskij als Zuständige für die Liegenschaften. „Wenn wir da sowieso Arbeiten machen müssen, dann denken wir das künftig immer mit“, erklärte sie.

Jürgen Fischer (SPD) lobte die Vorstellung als „gelungenes Investitionsprogramm“ und hakte nach, ob die Re-Powering-Anlagen dann im Falle eines Überschusses trotzdem weiter Strom ins Netz einspeisen würden. Das bejahte die Kreisverwaltung. Konrad Wiget (Grüne) erkundigte sich nach der Stromnutzung für die Wärmerzeugung. In Albstadt würde man den überschüssigen Strom bereits zur Wärmegewinnung nutzen, erklärte Hartwig Alber daraufhin – das Thema werde also mitgedacht.

Heike Pieper von der AfD konnte den Plänen nicht nur Positives abgewinnen, ihr werde ide Debatte „viel zu emotional geführt“, holte sie aus. Alles einzuspeisen gehe wegen des Netzes nicht, zudem werde der CO₂-Ausstoß generell „willkürlich berechnet“, kritisierte sie. Sie sei zwar nicht kategorisch gegen PV-Anlagen, mahnte aber, dass „alles zu seiner Zeit“ geschehen müsse. Außerdem sei es unverständlich, weshalb der Kreis als so großer Kunde knapp 30 Cent pro Kilowattstunde Strom bezahlen müsse. Landrat Pauli erwiderte auf einige Punkte und stellte klar: „Wir binden uns nicht emotional an die Sonne.“

Was den Strompreis angehe, da sei man eben an öffentliche Ausschreibungen gebunden, hätte da weniger Beinfreiheit als ein Privatkunde. Zudem beteuerte er: „Wir schießen da nicht amateurhaft rein, sondern starten mit Augenmaß.“ Für diesen Startschuss gab der Kreistags-Ausschuss dann auch mehrheitlich grünes Licht.