Die Geflügelpest sorgt vielerorts für Verunsicherung, während in einigen Regionen strenge Regeln gelten, laufen die Puten auf dem Hummelhof frei herum. Was sind die Gründe?
Seit dem Herbst 2025 kam es in Europa und Deutschland zu einem starken Anstieg der Nachweise des Vogelgrippe Virus H5N1 bei Geflügel und Wildvögeln, der im November seinen Höhepunkt erreichte. Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis – genauer gesagt in Bräunlingen – war das Virus im Dezember festgestellt worden. Mittlerweile gab es Entwarnung: Seit 19. Januar gilt die Geflügelpest im Kreis offiziell als erloschen, wie das Landratsamt am Montag mitteilte.
Die Einschränkungen bei der Haltung und dem Transport von Geflügel und Geflügelprodukten wurden somit wieder aufgehoben. Allerdings mussten im Ausbruchsbestand rund 300 Tiere getötet werden.
Also alles wieder gut? Landwirtschaftsminister Peter Hauk warnte erst vor wenigen Tagen in einer Mitteilung davor, dass man bei der laufenden Vogelgrippesaison noch nicht über den Berg sei. Es gelte, die Biosicherheitsmaßnahmen konsequent einzuhalten. Und nun teilt das Landratsamt mit, dass in Donaueschingen-Neudingen ein Schwan tot aufgefunden wurde, bei dem das Friedrich-Löffler-Institut am Dienstag die Geflügelpest bestätigte.
Die Puten des Hummelhofs in Schonach leben im Freien und unterliegen derzeit keiner Stallpflicht. Eine gewisse Gefahr bestehe zwar immer, so Günter Hummel vom Hummelhof. Dennoch sieht er seine Tiere vergleichsweise sicher.
Hummel erklärt, dass auf dem Hummelhof jährlich rund 135 Puten gehalten werden. Die Tiere sind auf vier Stallungen verteilt, in denen jeweils zwischen 30 und 40 Puten untergebracht sind. Gekauft werden die Tiere als Jungputen im Alter von vier bis sechs Wochen – die erste Stallung ist im April, dann kommen im Mai und Juni neue Jungputen hinzu und im August ist die letzte Stallung. Vier bis fünf Monate leben die Tiere anschließend auf dem Hof, bevor sie geschlachtet werden.
Andere Risiken präsent
Bisher gab es noch keinen Krankheitsfall auf dem Hummelhof. „Hauptüberträger des Virus sind vor allem Zugvögel, insbesondere Wasservögel. Deren Flugrouten verlaufen jedoch nicht primär über den Hochschwarzwald“, erklärt Hummel. Er schätzt das Risiko eines Virusübertrags durch Zugvögel in der Region daher als vergleichsweise gering ein.
Deutlich präsenter sind nach Hummels Einschätzung andere Risiken, etwa Fressfeinde wie der Fuchs. Auch innerhalb der Gruppe könne es zu Problemen kommen: „Enge Platzverhältnisse im Stall führen mitunter zu Streit unter den Tieren. Da Puten als aggressive Tiere gelten, kann es dabei zu schweren Verletzungen kommen – in einzelnen Fällen sogar mit tödlichem Ausgang.“
Sorgen dennoch da
Trotz allem war die Situation im November vergangenen Jahres angespannt, als eine Welle der Geflügelpest durchs Land ging und viele Kraniche gestorben sind, sagt Hummel. Mit dem Herbstzug der Wildvögel – Kraniche eingeschlossen – breitete sich der Virus aus. Das führe zu zahlreichen Fällen bei Geflügelhaltungen – zu diesem Zeitpunkt seien drei Stallungen auf dem Hof belegt gewesen. Lediglich eine der Stallungen ist so ausgerichtet, dass die Puten dort dauerhaft im Stall gehalten werden können, so Hummel. Die Sorge vor einem möglichen Ausbruch sei dementsprechend groß gewesen.
Hummel berichtet von einem weiteren Problem in der Vergangenheit: „Im Frühjahr gab es die Schwierigkeit, neue Jungputen zu bekommen, aufgrund von Vogelgrippefällen in Nordrhein-Westfalen.“ Von dort stammen die meisten Jungtiere, die der Hummelhof zukauft. Der Putenhalter erklärt, dass Seuchenfälle in den Herkunftsregionen die Lieferketten empfindlich stören können. Puten seien schnellwachsende Tiere. Wenn diese nicht solange sie noch klein sind transportiert werden, könne es zu Problemen bei der Lieferung kommen.
Folgen eines möglichen Virusausbruchs
Für den Hummelhof würde ein möglicher Ausbruch der Geflügelpest bedeuten, dass alle Puten auf dem Hof getötet werden müssten und nicht verkauft werden können. Zwar würde der Betrieb eine Entschädigung von der Tierseuchenkasse erhalten, doch diese läge unter dem eigentlichen Warenwert der Tiere.
„Für uns hat eine Pute einen Warenwert von circa 200 Euro“, sagt Hummel. Die Aufzucht einer Pute kostet inklusive aller Nebenkosten rund 100 Euro. Die Hummels leben zwar nicht vom Putenverkauf, allerdings würde der finanzielle Verlust schmerzen.
Darüber hinaus wäre auch die Direktvermarktung betroffen. Der Putenhalter erklärt, dass das Putenfleisch auf dem Hummelhof zu festen Preisen direkt an Kunden verkauft wird. Im Seuchenfall könnten diese nicht beliefert werden – ein Einschnitt, der über den reinen finanziellen Schaden hinausgeht.