Pur-Sänger Hartmut Engler (re.) besucht regelmäßig Spiele der Bietigheim Steelers, hier mit Geschäftsführer Volker Schoch. Foto: Baumann

Der Pur-Sänger Hartmut Engler spricht über seine große Sportleidenschaft, seine Freundschaft mit Toni Kroos, über das neue Album „Persönlich“ der Band – und über seine Heimatstadt Bietigheim.

Das neue Album der Bietigheimer Band Pur, das an diesem Freitag herauskommt, trägt den Namen „Persönlich“. Persönlich wird es auch im Interview mit dem Sänger Hartmut Engler über seine Passion für den Sport, die weit über seine Freundschaft mit dem Fußball-Nationalspieler Toni Kroos hinausgeht.

 

Herr Engler, Sie hatten im September mit Ihrer Band Pur viel Spaß in der Arena auf Schalke. Das war nach den Coronarestriktionen eine Befreiung, oder?

Ja, das kann man so sehen. Es war ein rauschendes Fest mit vielen musikalischen Gästen und Freunden vor 68 000 Leuten und es hat alles geklappt. 2019 war Ende September die damalige Open-Air-Tour vorbei, vor Schalke haben wir vier Open-Air-Konzerte als Warm-up gegeben, damit man nach drei Jahren weiß, wie das überhaupt ist, wieder auf der Bühne zu stehen. Diese Konzerte haben uns klargemacht, dass wir es noch können – auch nach drei Jahren auf dem Sofa.

Pandemie und Begleitumstände haben Sie im Album „Persönlich“ aufgegriffen, das war auch für Sie keine leichte Zeit . . .

. . . aber bei mir wäre das eher ein Jammern auf sehr hohem Niveau. Ich habe schöne Lebensumstände, ich habe einen tollen Garten und ein schönes Haus – andere Leute haben ganz andere Dinge durchgemacht. Und doch war es einschneidend, weil nicht klar war, wann wir Unterhaltungskünstler wieder eine gewisse Normalität erleben dürfen.

Sportler hatten auch eine lange Pause, die durften zunächst ohne Publikum ran. Sportler wie Musiker brauchen den Kontakt zum Publikum, oder?

Absolut. Es gab im Sport ja durchaus Spiele, die auch ohne Publikum spannend waren. Aber Hand aufs Herz: So richtig Spaß gemacht hat das erst dann, als wieder Leute live zugeschaut haben.

Wann waren Sie zuletzt bei den Bietigheim Steelers in der Egetrans-Arena?

Erst kürzlich, ich habe schon einige Spiele in dieser Saison live verfolgt. Ich war auch schon wieder bei den MHP Riesen in Ludwigsburg – und wir haben hier in Bietigheim auch noch die Frauen und Männer der SG-BBM-Handballer – zu denen ich auch dringend mal wieder gehen möchte. Gerade die Frauen machten aktuell richtig Alarm in Champions League und Bundesliga. Aber mit den Steelers bin ich besonders verbunden, da gibt es ja auch ein Lied von mir, als kleine Hymne der Steelers.

Am 21. September 2021 haben Sie es in der Arena präsentiert. Da gab’s eine Zusage wegen des Aufstiegs in die DEL.

Es gab eine Zeit, in der gab es sehr viele Anfragen von Bayern München bis zu den Steelers: Hartmut, schreibst du ein Lied oder eine Stadionhymne für uns? Davor habe ich mich immer gedrückt, weil ich mich dafür nicht als Experten gesehen habe. Nur bei den Steelers habe ich es nicht geschafft. Die waren damals in der Oberliga, und als die Frage kam, habe ich unter der Bedingung zugesagt, dass ich ein Lied schreibe, falls sie in die DEL aufsteigen, was damals absolut unvorstellbar schien – als sie es 2021 tatsächlich geschafft haben, wollte ich nicht wortbrüchig sein. Wenn ich was verspreche, halte ich es.

Warum der enge Kontakt zum Club?

Mein damals bester Freund hat gedrängt, bis ich mitgegangen bin. Dann habe ich festgestellt, da sind viele nette Menschen, der Sport ist schnell, mitreißend, und man kann entspannt ein Bier trinken. Das hat mir gefallen, so wuchs das über die Jahre. Was auch wichtig ist, wenn man in einer Beziehung lebt: Meine Freundin ist total begeistert.

Können Sie tatsächlich in der Egetrans-Arena in aller Ruhe ein Bier trinken?

Wir haben Dauerkarten mit festen Plätzen, und da sind meistens die gleichen Leute, da ist das wirklich ganz entspannt. Man kann sich auch zurückziehen, wenn man will.

Ich kann mir vorstellen, man ist froh, wenn man in seiner Stadt so bekannt ist, dass man mal seine Ruhe haben will.

Absolut. Wobei meine Heimatstadt extrem entspannt ist. Also ich gehe hier auch mal in Jogginghosen einkaufen, da mokiert sich keiner, und da dreht sich auch niemand um. Die Leute in Bietigheim kennen mich, viele haben mich aufwachsen sehen, ich gehöre sozusagen zum Inventar.

Wenn man so sportaffin ist, gibt es da auch persönliche Kontakte zu Profis?

Ja, wobei im Profifußball die Fluktuation so hoch ist, da sind nach zwei Jahren viele Spieler nicht mehr da. Ich hatte meine Hochzeit in den 1990ern, da habe ich die ganze Mannschaft des VfB Stuttgart mit Handschlag begrüßt. Wir waren in etwa gleich alt, heute bin ich über 60 und beim VfB sind das junge Kerle – da bin lieber als Zaungast dabei.

Würden diese Burschen, ob beim VfB oder den Steelers, überhaupt wissen, wofür Hartmut Engler berühmt ist?

Wenn die Steelers drei neue Finnen an Bord haben, gehe ich nicht davon aus, dass sie was mit meinem Namen anfangen können. Aber normalerweise gibt es schon ein paar in der Mannschaft, die schon mal was von Pur gehört haben oder sogar in der Playlist haben.

Wer hat den härteren Job? Der Profisportler oder der Profimusiker?

Ich würde ja sagen: der Profisportler. Dazu eine kleine Anekdote. Ich bin mit Toni Kroos (Fußball-Nationalspieler, Anm. d. Red.) befreundet. Er war öfters mal bei uns auf Konzerten, dabei haben wir über solche Sachen gesprochen. Wer den „härteren Job“ hat, das ging in Richtung: Wer ist ersetzbar? Toni hat gesagt: Wenn ich mich verletze, ist da ein Ersatzspieler – und es ist zwar für mich unschön, aber die Mannschaft geht weiter voran – bei dir gibt es keinen Ersatzspieler. Das ist der Unterschied. Allerdings sollte man vielleicht hinzufügen, dass keiner von uns beiden einen richtig harten Job hat aus meiner Sicht. Krankenpfleger könnte man als Beispiel für viele Berufe herauspicken: Die haben einen richtig harten Job und werden dabei nicht angemessen entlohnt.

Na ja, ganz so leicht zu ersetzen ist ein Toni Kroos in Top-Form auch nicht. Der hat ja auch eine Genialität auf dem Fußballplatz, wie Sie beim Texten.

Ja, absolut, Toni ist definitiv nicht leicht zu ersetzen. Uns beiden ist aber eins gemeinsam – wir wissen, dass wir unsere Begabung im Endeffekt nur mit unseren Teams umsetzen können. Alleine gewinnt keiner die Champions League oder produziert ein Nummer-1-Album.

Der VfB machte im Mai in der Nachspielzeit gegen den 1. FC Köln den Klassenverbleib perfekt. Ist so ein Torjubel vergleichbar, wenn 10 000 Leute in einer Halle Ihre Lieder mitsingen?

Der Vergleich hinkt, weil man als Band, zu der nur die eigenen Fans kommen, beim Konzert irgendwie nie so richtig verlieren kann, wenn man seine Sache anständig macht (lacht). Es ist die Spannung, die den Unterschied ausmacht. Die Stimmung wird immer schlecht sein, wenn die Heimmannschaft verliert, aber wenn das Heimteam in der 90. Minute das entscheidende Tor schießt, haben wir eine Euphorie, wie wir sie beim Konzert vermutlich nicht erzeugen können.

Wie wichtig sind Ihnen Heimat und Bodenständigkeit?

Woanders würde ich nicht dauerhaft leben wollen. Ich war natürlich im Rahmen meiner Tätigkeit in ganz Deutschland und gelegentlich auf der ganzen Welt unterwegs. Dabei habe ich festgestellt, dass ich mich in großen Städten für ein paar Tage wohlfühlen kann, aber langfristig nicht. Ich bin ein Kind vom Lande und im Dorf groß geworden, da war es schon ein Riesenschritt, in die Große Kreisstadt Bietigheim-Bissingen zu ziehen. Hier ist es aber so ländlich, dass es für mich perfekt ist. Mir reicht es, wenn ich alle deutschen Großstädte mal für ein paar Tage sehe.

Sie haben die Pandemie musikalisch verarbeitet, jetzt haben wir die Energiekrise, einen Ukraine-Krieg, der womöglich eskaliert. Was geht da in Ihnen vor?

Das Ukraine-Thema habe ich auf dem Album mit dem Song „Ein gutes Morgen“ verarbeitet, wobei der Text noch viel düsterer hätte aussehen können. Aber ich habe festgestellt, okay, der Putin macht Ernst und bedroht uns mit Atomraketen, aber die Sonne geht trotzdem auf. Solange das so ist, habe ich Hoffnung. Ich habe wie wir alle ein ungutes Gefühl, aber wir haben die Möglichkeit, solange wir nicht hier vor Ort von Kriegshandlungen betroffen sind, die schönen Momente aufzugreifen und mitzunehmen, um die Akkus wieder aufzuladen und Kraft zu schöpfen.

Ein Kind der Region

Musiker
 Hartmut Engler wurde am 24. November 1961 in Ingersheim geboren und ging in Bietigheim aufs Gymnasium. Er trat schon als Teenager auf und änderte 1985 den Namen seiner Band in Pur, Ende der 80er stellten sich erste Erfolge ein. Er gehört mit Pur zu den erfolgreichsten deutschen Musikern und erhielt viele Auszeichnungen.

Privatmann
 Engler hatte mehrere Beziehungen, aus denen zwei Söhne hervorgingen. Er lebt mit seiner Partnerin in Bietigheim und besitzt ein Domizil auf Mallorca. Seit 2014 engagiert sich Engler als Schirmherr der Kinderhilfsaktion Herzenssache.