"Die Grüne Welle" macht mit Rap-Punk den Auftakt am Festival-Freitag. Foto: Cools

Sonne, Regen, ein bisschen Rap, Reggae und Tanzmusik, ordentlich Punk und viel Thrash Metal – beim O.M.I.-Open-Air am Wochenende war für alle etwas geboten. Rund 1000 Musikfans strömten auf das Gelände des Oberndorfer Kultursommers.

Oberndorf - Das Festivalspektakel begann am Freitagabend nach der langen Konzert-Zwangspause noch ein wenig zögerlich, als "Die Grüne Welle" spielte. Das fiel auch der Punk-Rap-Band, die vor allem durch energetische Rap-Parts und den Einsatz eines Saxofons punktet, auf. Mit Songs wie "Kein Problem", und "Wirf dein Leben weg" wurde die Stimmung jedoch schnell lockerer.

Und spätestens bei "Le Fly" – geradezu "ätzend fröhlich" – konnten viele nicht mehr still stehen. "Tanz’ und schalt den Flugmodus ein", forderten die St. Paulianer die Oberndorfer Menge auf, die sich gern darauf einließ. Der Lebensfreude der Tanzmusik mit Reggae-Einflüssen konnte sich kaum einer entziehen. Und nur die Wenigsten hatten "Er hat ein knallrotes Gummiboot" wohl schonmal mit Beatbox-Einlage gehört. Die Message: Auch wenn viel schief läuft auf der Welt, kann man trotzdem tanzen.

Hymnen von Anarchie und Freiheit, aber auch harte Gesellschaftskritik lieferten die Punkrock-Legenden von "Betontod". Sie machten gleich klar: "Wir spielen keine Popsongs. Wir lieben nur die harten Melodien". Es ging um unten gegen oben, um links gegen rechts, um "Bambule und Randale", den "Traum von Freiheit", den sie nie aufgegeben haben, und darum, seine Faust zu ballen und den Verstand zu benutzen – heute so aktuell wie damals.

Kritik am Kapitalismus, ein wenig Wehmut mit Songs wie "Mein letzter Tag" und "Ewigkeit" und Gröl-Klassiker, wie "Wir müssen aufhören weniger zu trinken" und "Hömmasammawommanomma Bier trinken gehen", gehörten bei den "letzten Punks der Stadt" auch dazu. Mit "Viva Punk ein Leben lang" entließ "Betontod" die rund 400 Zuschauer, die ihrer Freude über die neu gewonnene Freiheit nach den Lockerungen mit Mosh-Pits Ausdruck verliehen, in die Nacht.

Auf die Zwölf gab es an Tag zwei des "O.M.I.-Open-Air". Zunächst bangte man um das Wetter. So standen die Thrash-Metal-Fans von "Traitor" aus Balingen erst einmal im Regen. Irgendwie schien es aber zu passen, war doch der "Traitor"-Manager erst kürzlich verstorben, und man wollte in Oberndorf eine Abschiedsparty feiern, wie er es gewollt hätte. Den Wunsch erfüllte man gern und headbangte zu "Teutonic Thrash Metal" mit Songs wie "Thrash Command".

"Servus" und "Ahoi"

Danach hieß es im wahrsten Sinne des Wortes: "Insanity Alert". Mit rosa Skimaske und einem "Servus" auf dem Schild kam Frontmann Kevin Aper auf die Bühne und zeigte, wie man Hardcore, Punk und Thrash Metal erfolgreich mischt. Von den Zuschauern wurde die Band für Lieder wie "All Mosh/No Brain", "Chronic State of Hate" und "Run to the Pit", ein Remake von Iron Maidens "Run to the Hills", gefeiert. "Desinfector" schien fast, als hätten die Innsbrucker Corona vorausgeahnt.

Endlich klarte der Himmel auf, und die Besucher waren aufgewärmt für den nächsten Act, "Mr. Hurley & die Pulveraffen" – nach dem harten Thrash Metal der Vorgänger ein Stilbruch. "Ahoi" und "Alle Mann an Deck" hieß es. Die Band aus dem karibischen Osnabrück schwärmte davon, wie schön es sei, dass das Publikum tanzend statt sitzend und nur mit dem Fuß wippend feiern könne.

Und tatsächlich fiel es schwer, nicht zu den Seemannsliedern "40 Faden tief" und "Knüppel auf’n Kopp" mitzuschunkeln. Es wurde von "Tortuga" geschwärmt, die "Santa Sangria" besungen und vom "Schrumpfkopf im Rumtopf" erzählt. Wie Miley Cyrus, Rammstein und "Blau blüht der Enzian" zusammenpassen, erfuhr das Publikum dank eines Medleys.

Wie Mr. Hurley zwischen die Thrash-Metal-Bands geraten war, konnte er selbst nicht sagen, erklärten es sich aber mit einer großen Gemeinsamkeit: der Liebe zum Alkohol.

Passend dazu wartete der Samstags-Headliner "Tankard" mit "Alcoholic Metal" auf. Die Energie der "Octane Warriors", insbesondere von Frontmann Andreas Geremia, übertrug sich auf die Menge und brachte sie zum Ausrasten.

Von "(Empty) Tankard" über "Rapid Fire", "Die with a Beer in your Hand" und "Zombie Attack" bis zu "Acid Death" bot "Tankard" eine große Bandbreite der besten Songs, forderte "Freibier für alle, sonst gibt’s Krawalle" und zeigte, dass sie auch nach 39 Jahren auf den Bühnen nichts an Kraft verloren hat.

Wie sehr das Thema Metal und Oberndorf miteinander verflochten sind, merkte man auch daran, dass trotz des anfangs bescheidenen Wetters rund 500 Metal-Heads gekommen waren, um headzubangen, zu tanzen und sich voller Freude und ausgelassen in Moshpits hineinzustürzen.