Lautsein gegen Nazis: Sindelfingens Punkrock-Urgesteine Wizo feiern 40 Jahre Bandgeschichte bei zwei ausverkauften Konzerten im LKA/Longhorn.
Das muss man erst mal schaffen: 48 Konzerte! Seit Anfang Februar tourt das Punk-Trio Wizo durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, um 40 Jahre Bandgeschichte zu feiern. Schwer vorstellbar, dass eine deutsche Band schon mal Vergleichbares auf die Beine gestellt hat, zumal die Konzertlocations nicht Kellerclubs und Jugendzentren sind, sondern große und durchgehend ausverkaufte Hallen.
Nach acht Wochen unterwegs, vielen Kilometern Autobahn und 46 Shows führte sie der Weg am Osterwochenende zurück in die Heimat. Die ist eigentlich in Sindelfingen, das LKA steht aber nun mal in Stuttgart-Wangen, das muss reichen für das große österliche Homecoming-Spektakel. An zwei Abenden gastierten Wizo im LKA. Mit ihnen feierten mehr als 3000 Menschen im Longhorn, das 2024 ebenfalls 40. Geburtstag feierte. Dinosaurier unter sich.
Beim Tourfinale sind die Bands Normahl und Montreal dabei
Über fast unfassbare 48 Konzerte verteilt haben sich Wizo diverse Support-Acts ausgesucht. Itchy, Montreal, Normahl, Butterwegge, Rantanplan und ZSK supporten diese irrsinnige Konzertreise, zum großen Tourabschluss am Sonntag sind mit Montreal und Normahl gleich zwei Bands dabei, zwischen deren Gründung 25 Jahre liegen und die nahtlos in den großen antifaschistischen Wizo-Kosmos passen.
Denn letzten Endes geht es darum: Den Ostersonntag damit verbringen, Lieder gegen Nazis zu singen. Laut. Das machen Wizo seit 40 Jahren, schön wäre es, wenn sie es nicht mehr tun müssten. Aber vielleicht ist es in Zeiten wie diesen ja sogar wichtiger denn je, dass Bollwerke wie Wizo für eine freie und offene Gesellschaft einstehen. Sänger, Gitarrist und Frontmann Axel Kurth tut das mit Inbrunst und Vehemenz und hält im LKA regelrechte Osterpredigten für Toleranz und gegen rechts.
„Scheiss AfD“ haben sie einen ihrer neuen Songs 2025 genannt. Das ist vortäuschend platt, bringt die Sache aber eben auch auf den Punkt, ohne um den heißen Brei herumzureden. Gilt im Übrigen auch für das gesamte Konzert. Locker zweieinhalb Stunden spielen Wizo sich und ihre Fans in einen Punkrock-Rausch, vom ersten Album „Bleib tapfer“ bis zur neuesten Single „Rakähte bringt das Licht“ ballert sich das Trio aus Kurth, Alex Stinson und Ralf Dietel durch ihr furioses Tourfinale, als hätten sie eben nicht bereits 47 Konzerte hinter sich, sondern allerhöchstens eine Handvoll. Allein sechs Songs Zugabe gibt es für Stuttgart. Wahrscheinlich auch ein Rekord.
Lautsein gegen Nazis
Schon 2024 kam es zum Tourabschluss im LKA, 2026 ist das alles eben noch ein bisschen größer, wilder, wichtiger. Weil Wizo eben nicht nur lauthals gegen Nazis wettern und das unveränderte Rückgrat der deutschen Subkultur sind; sondern weil sie mit Songs wie „Hey Thomas“ oder „Quadrat im Kreis“ auch ernste Töne anschlagen können oder dann beim legendären „Kadett B“ den ganzen Saal vom alten Auto des Sängers schwärmen lassen. Zwischendrin: Klare Ansagen, die wie Balsam sind in diesen Zeiten, „Alerta“-Sprechchöre, ausgelassene Stimmung ohne Pöbler und Macker und das gute Gefühl, bei der richtigen Band am richtigen Ort zu sein.
Die neuen Weltstars auf Tour
Oder auch: Wenn man aus Recherchezwecken „Wizo Tour 2026“ eingibt, taucht im Web-Suchfeld „Weitere Fragen“ passend dazu auf:„Welche Weltstars gehen 2026 auf Tour?“ Damit ist eben wirklich alles gesagt.